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Bayern München und Hansi Flick: Wird aus dem Flirt die grosse Liebe?

Dank Hansi Flick ist beim FC Bayern das Lachen zurück.

Dank Hansi Flick ist beim FC Bayern das Lachen zurück.

Hansi Flick war ursprünglich als Übergangslösung gedacht. Doch der ehemalige Co-Trainer von Joachim Löw hat den FC Bayern wachgeküsst. Ob daraus eine langfristige Beziehung wird, dürfte sich in den Champions-League-Achtelfinals zeigen.  Das Hinspiel steigt am Dienstag in London.

In München spüren sie bereits den Frühling. Nicht nur der warmen letzten Tage wegen. Vielmehr sorgt der Flirt zwischen dem FC Bayern München und Hansi Flick für Schmetterlinge im Bauch. Seit der 55-Jährige Anfang November den Cheftrainerposten von Niko Kovac übernahm, gewannen die Münchner 14 der 17 Pflichtspiele. Und sie gewannen sie überzeugend.

Die Bayern verteidigen nun höher. Und sie greifen früher an. Ballgewinne erfolgen deshalb tief in der gegnerischen Hälfte. Der Weg zum Tor ist somit kürzer für die exzellente Offensive um Robert Lewandowski, Serge Gnabry oder Kingsley Coman. Die Lust auf Tore ist gross. Nach 23 Spielen haben die Bayern schon 65 Tore erzielt. Im letzten Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 14 weniger. Dafür verantwortlich ist vor allem auch Thomas Müller. Dem bajuwarischen Amor gelangen unter Flicks Führung sieben Tore und elf Vorlagen. Allerdings haben die Bayern auch schon 26 Gegentreffer hinnehmen müssen.

Kann wieder jubeln: Thomas Müller.

Kann wieder jubeln: Thomas Müller.

Gleichwohl hat Flick die Defensive stabilisiert, unter seiner Führung waren es in 13 Spielen nur noch 10 Gegentore. David Alaba ist neuer Abwehrchef, weil Javier Martinez und Lucas Hernandez wochenlang fehlten. Und im Mittelfeld dirigiert Joshua Kimmich, der zentral mehr Einfluss nehmen kann.

Rummeniges Lob und der Vergleich mit Guardiola

Beim glücklichen 3:2-Sieg gegen Paderborn am vergangenen Freitag verteidigte Bayern erstmals mit einer Dreierkette. Diese war aber eher der Absenzenliste geschuldet als Flicks Experimentierfreudigkeit.

Der ehemalige Co-Trainer Joachim Löws ist ein pragmatischer Übungsleiter, die Rhetorik ist unspektakulär. Und doch hat er Karl-Heinz Rummenigge um den Finger gewickelt. Der Vorstandsvorsitzende verschickt wöchentlich Liebesbekundungen mittels Online-Portale oder Zeitungen. Dem Kicker sagte Rummenigge: «Er hat einen klaren Matchplan. Die Mannschaft ist taktisch so ausgerichtet wie bei Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola.» Das Lob an Flick ist zugleich eine Spitze in Richtung verflossener Liebschaften wie Carlo Ancelotti und vor allem Niko Kovac. Der Kroate wurde im November entlassen. Flick, im Sommer in womöglich weiser Voraussicht als Assistenztrainer verpflichtet, übernahm zunächst interimistisch. Bis Saisonende bleibt Flick nun mindestens.

Fragt sich, weshalb aus dem Flirt noch keine offizielle Beziehung geworden ist. Die Bayern dürften mindestens die beiden Spiele gegen den FC Chelsea abwarten. Dann zeigt sich, ob aus Verknalltsein Liebe wird. In München haben die Verantwortlichen hohe Ansprüche. Titel innerhalb der Landesgrenzen sind Vorschrift. Träumen lassen die Münchener erst internationale Erfolge. Ob Flick für eine langfristige Beziehung, fürs Träumen, taugt, wird sich also in den Duellen mit Chelsea zeigen.

Mit den Blues hat der deutsche Rekordmeister noch eine Rechnung offen. Im «Finale dahoam» kassierten die Bayern eine der schmerzlichsten Niederlage ihrer Historie. Chelsea-Trainer Frank Lampard verwandelte am 19. Mai 2012 seinen Elfmeter. Bei den Bayern sind Manuel Neuer, Jerome Boateng sowie Thomas Müller noch immer dabei.

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