Sitzt Fabio Celestini (42) nach einem Spiel vor versammelter Presse, wird seine Stimme oft ganz leise. Fast schüchtern nuschelt er dann in die Mikrofone. Und wirkt so ganz anders als im persönlichen Gespräch.

Spricht er über Fussball, über seine Karriere, Menschen, die er mag oder eben nicht, dann wird er leidenschaftlich, dann schwärmt er oder macht unmissverständlich klar, dass er mit jemandem gebrochen hat, wie zum Beispiel mit dem ehemaligen Lausanne-Präsidenten Jeff Collet.

«Er verpflichtete Spieler aufgrund von Youtube-Videos», ruft er dann empört. Der Dreitagebart, das Che-Guevara-Tattoo auf dem linken Oberarm, das Unangepasste – Celestini hat etwas Revolutionäres, wenn er keinen Mikrofon-Strauss vor dem Mund hat.

Wenn Raphael Wicky neben dem Platz steht, dann ist das Haar adrett zur Seite gescheitelt, er trägt Brille und Trainer. Dann hat er zugleich etwas von einem Schuljungen und einem Fussball-Professor.

Während sich Celestini immer wieder missverstanden fühlte, mauserte sich Wicky als SRF-Experte zum Fussballanalytiker, den alle verstehen. In Sachen Kommunikation kann ihm in der Super League keiner das Wasser reichen. Er ist ehrlich und doch respektvoll, prägnant ohne verletzend zu werden.

Natürlich, es gibt sie, die Parallelen. Beide haben einen Grossteil ihrer Karriere erfolgreich im Ausland gespielt, beide sind sprachlich gewandt, geprägt von unterschiedlichen Fussballkulturen und Vorstellungen. Und ja, sie haben fast zehn Jahre zusammen in der Nationalmannschaft gespielt. Trotzdem haben sie sich nie speziell angefreundet.

So unterschiedlich die beiden Trainer, so unterschiedlich ihre Klubs. Hier Basel, der Meister der letzten acht Jahre, finanzielles Schwergewicht. Dort Lausanne, gebeutelt von bewegten Jahren, Konkurs 2003, Zwangsabstieg, ein stetes Rauf und Runter. Zwar wird Basel dieses Jahr den Titel verpassen, aber die Champions League liegt dennoch nah.

Lausanne dagegen kämpft gegen den Abstieg. Das könnte sich künftig ändern, denn mit dem neuen Besitzer haben sich auch die finanziellen Möglichkeiten der Lausanner gewaltig verändert. Noch spielen die Romands in der baufälligen Pontaise, aber schon im Sommer 2019 kriegen sie ein neues Stadion.

So anders sie sind: Beide sind sie mit die grössten Trainer-Talente des Landes.

«Hut ab vor seiner Karriere»

Basels Trainer Raphael Wicky

Basels Trainer Raphael Wicky

«In der Nati war er eine Art Bindeglied»

Lausannes Trainer Fabio Celestini

Lausannes Trainer Fabio Celestini