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Zurück zum FC Basel – Zdravko Kuzmanovic: «Ich habe gelernt, überall zu dosieren»

Zdravko Kuzmanovic über seine Rückkehr zum FCB, seine neuentdeckte Ruhe und seine Scheidung.

Céline Feller
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«Ich will noch zwei Jahre Gas geben beim FCB», sagt Zdravko Kuzmanovic. Es fühle sich richtig an, hier zu sein.

«Ich will noch zwei Jahre Gas geben beim FCB», sagt Zdravko Kuzmanovic. Es fühle sich richtig an, hier zu sein.

Freshfocus

Zdravko Kuzmanovic, Sie geben erstmals wieder als Spieler des FC Basel Interviews. Heisst das, sie bleiben definitiv hier?

Zdravko Kuzmanovic: So kann man das verstehen, ja. Es ist mein Ziel, bei Basel zu bleiben. Sofern alles gut läuft.

Was heisst, sofern alles gut läuft?

Im Fussball kann man nie etwas ausschliessen. Ich habe einmal einen Fehler gemacht, als ich gesagt habe, ich bleibe immer bei Basel. Dann ist etwas passiert, und seither sage ich immer: Sofern nichts passiert, bleibe ich.

Sie sprechen die Probleme an, die Sie nach Ihrer Rückkehr zum FCB mit Urs Fischer hatten. Ist dieses Thema noch sehr präsent?

Nein. Es ist lange her. Jetzt ist es durch, es geht weiter. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Haben Sie sich jemals mit Fischer ausgesprochen?

Nein, ich habe nie mehr mit ihm geredet. Es hat sich einfach nicht ergeben.

Lassen wir dieses Thema ruhen. Wann wussten Sie, dass Sie beim FCB bleiben wollen?

Im ersten Jahr bei Málaga hatte ich ja eine schwere Verletzung und aufgrund dessen wollte ich es noch einmal versuchen. Jetzt aber habe ich mir keine Gedanken mehr gemacht, wieder von hier weg zu gehen. Ich will in den nächsten zwei Jahren wirklich für den FCB auflaufen und mein Bestes geben. Es ist ein guter Zeitpunkt dafür.

Inwiefern?

Weil es für mich passt, mein Gefühl mir sagt, dass es das Richtige ist.

Sie waren am Ende bei Málaga wieder fit, kamen aber dennoch nicht zum Einsatz. Was ist passiert?

Ich hatte viele Verletzungen, das muss man schon sehen. Zuerst der Achillessehnenriss, der mich acht Monate zum Zuschauen zwang. Dann einen Sehnenbündelriss, der mich wieder fast vier Monate aus dem Spiel genommen hat. Als ich dann fit war, war die Saison fast schon zu Ende. Ich habe zwar gut trainiert, aber wir steckten in einer Krise, spielten gegen den Abstieg, dann kam ein neuer Trainer, der auf andere gesetzt hat. Und mir war da auch schon klar, dass ich nicht bei Málaga bleiben würde.

Weil sie abgestiegen sind?

Nicht nur. Ich wäre auch sonst nicht geblieben. Irgendwie hat es einfach nicht gepasst. Auch die vielen Verletzungen waren ein Zeichen dafür. Zuvor war ich nie gross verletzt. Dann merkst du irgendwann, dass du vielleicht etwas ändern musst. Oder dass es zwischen dir und dem Verein nicht funktioniert. Ich hatte keine Probleme mit dem Klub oder irgendjemandem. Aber manchmal geht es einfach nicht.

Sehen Sie die Gründe für die vielen Verletzungen nur darin?

Ich war acht Monate weg und habe dann zu schnell wieder angefangen. Ich habe sofort wieder viele Spiele gemacht. Dann war eine Überbelastung da und es hat mich wieder verrissen. Im Nachhinein hätte ich mir eine längere Pause eingestehen müssen.

Die Situation klingt ähnlich wie jene von vor drei Jahren beim FCB, als sie sich nach einem Muskelfaserriss auch kaum Zeit gegeben haben.

Nein, denn bei Málaga hätte ich mir mehr Zeit gegeben. Aber der Verein wollte unbedingt, dass ich spiele. Wenn der Trainer sagt, dass er das will, ist es als Spieler schwer Nein zu sagen.

Wie geht es Ihnen heute?

Bis jetzt geht es mir gut, danke. Natürlich brauche ich Spielrhythmus. Aber ich kann jedes Training durchziehen und bin zum Glück jetzt verletzungsfrei.

Haben Sie den Kontakt zum FCB immer aufrechterhalten?

Klar gab es einen Austausch. Wir hatten auch kürzlich ein Gespräch, das gut war. Für mich war immer klar, dass ich zurückkomme. Aber hätten sie gesagt, dass sie nicht mit mir rechnen, dann hätte ich mir einen neuen Verein gesucht. Aber da ich hier glücklich bin und denke, dass ich dieser Mannschaft helfen kann, passt es.

Wie stehen Sie zu Raphael Wicky?

Wir haben eine super Basis. Wir haben darüber geredet, was er von mir erwartet. Er weiss aber auch, dass ich aus einer Verletzung komme, und als Ex-Fussballer, weiss er, wie es ist. Was er mir aber genau mitgegeben hat, behalte ich für mich.

Ist das Kapitel «Ausland» durch?

Schon, ja. Ich bin glücklich über das, was ich erlebt habe. Jetzt will ich noch zwei Jahre Gas geben für den FCB.

Welchen Reiz sehen Sie an einer Rückkehr in die Super League?

Ich habe gegen fast jedes Team der Welt gespielt. Der Reiz, zurück zum FCB zu gehen, ist ganz klar, wieder Meister zu werden. Das ist ein sehr grosser Reiz. Dafür bin ich zurückgekommen.

Sie sagten mal, dass Sie zu sehr beweisen wollten, wie gut Sie sind und der Druck dadurch zu gross war. Hat ein Umdenken stattgefunden?

Ich bin viel ruhiger geworden, ja. Die Verletzungen haben dazu ihren Teil beigetragen. Ich sehe alles etwas anders, gebe mir Zeit. Natürlich will ich immer noch funktionieren, wenn es darauf ankommt und wenn mir das nicht gelingt, kann ich mich nicht so gut kontrollieren. Aber ich weiss, dass ich mit 31 Jahren nicht mehr jedes Spiel machen kann, dass ich Pausen brauche und diese mir gut tun.

Ist diese Erkenntnis das Positive aus diesen Verletzungen?

Ja. Wenn du verletzt bist, bist du ein Einzelkämpfer. Du siehst deine Mannschaftskollegen fast nie, gehst aufs Velo oder in den Kraftraum und machst dir Gedanken, wie du zurückkommst. Du arbeitest alleine. Logisch wirst du da ruhiger. Das hat mir sehr geholfen in den letzten Jahren.

Wo haben Sie die Kraft für die Comebacks hergenommen?

Ich liebe den Fussball immer noch. Und mit 29 oder 30 wäre es zu früh, um aufzuhören.

Was haben Sie sich für diese zwei Jahre in Basel vorgenommen?

Zuerst einmal, dass diese Verletzungen aufhören. Das wäre wichtig.

Haben Sie etwas an Ihren Lebensstil dafür geändert?

Ich habe etwas abgenommen, Früher war ich bulliger. Und ich habe gelernt, zu dosieren. In allem ein bisschen (lacht).

Wie macht sich das bemerkbar?

Ich realisiere, wann ich mich etwas weniger bewegen kann, wann es besser ist, einen Sprint weniger zu machen, weil ich Schmerzen habe. Ich setze meine Kräfte so ein, dass ich für den Match fit bin. Dosieren ist das Wichtigste. Und, dass man sich privat erholt, auch mal Dinge macht, die nichts mit Fussball zu tun haben. Früher hat sich bei mir fast alles nur darum gedreht. Ich habe immer Spiele geschaut. Jetzt tue ist das kaum mehr. Das Spiel Schweiz gegen Schweden habe ich beispielsweise gar nicht gesehen. Früher hätte ich das nie verpasst. Ich musste lernen, dass Abwechslung wichtig ist.

Eine Art, den Kopf zu lüften?

Genau. Ich unternehme auch viel alleine. Ich brauche Ruhe, Abstand. Das tut mir gut. Früher konnte ich das nie. Früher war immer Action. Es wäre undenkbar gewesen, eine Stadt alleine zu besichtigen. Jetzt geniesse ich das.

Heisst dosieren auch, dass Sie sich in der Kabine zurück nehmen?

Ich denke schon. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das immer noch. Aber am Ende muss man als Mannschaft funktionieren, nicht als ein Einzelner.

Wo sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Ich gehöre sicher zu jenen mit der grössten Erfahrung. Das kann man schon so sagen, oder?

Ja, durchaus.

Eben. Ich habe in drei grossen europäischen Ligen gespielt, da ist es klar, dass ich viel Erfahrung mitbringe. Ich versuche, meine positive Art einzubringen, den Jungen zu helfen, wenn sie eine Frage haben. Ich gebe ihnen Tipps und hoffe, dass sie eine bessere Karriere haben. Aber ich betone immer, dass das nicht von selbst kommt.

Konnten Sie bereits umziehen?

Nein, ich lasse mir Zeit, bin im Moment im Hotel zu Hause. Ich schaue, wo ich meine Ruhe finde.

Und die Familie, ist die auch im Hotel oder noch in Spanien?

Ich bin leider seit eineinhalb Jahren von meiner Frau getrennt. Es war eine schwere Zeit. Meine Familie lebt jetzt in Salzburg. Es ist vielleicht besser, wenn die beiden Kinder bei der Mutter sind, wenn ich so viel unterwegs bin.

Hat die Trennung auch dazu beigetragen, dass Sie ruhiger sind?

Es war sicher keine einfache Situation, wenn alles zusammen kommt: die Verletzung, die Scheidung. Wichtig ist, dass es den Kindern gut geht. Das ist so und für meine Ex-Frau und mich geht das Leben weiter. Vielleicht findet jeder sein Glück noch. Diese zwei Jahre haben mich reifer gemacht. Ich habe viel erlebt, das andere vielleicht nicht erlebt haben. Aber aus dem Negativen kommt immer auch das Positive. Ich schaue vorwärts.