Podium
Wie viel der FC Basel an den Sicherheitskosten zahlt und warum das Joggeli trotz Fangewalt ein sicherer Ort ist

FCB-Präsident Burgener sieht an der Podiumsdiskussion an der Uni Basel keine Sicherheitslücken beim FC Basel und outet sich als Pyro-Fan. Obwohl sich Benfica-Fans im Family-Corner daneben benahmen, will der FCB in puncto Fan-Trennung alles beim Alten lassen.

Jakob Weber
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Bernhard Burgener ist mit dem Sicherheitskonzept von FCB und Basel-Stadt zufrieden.

Bernhard Burgener ist mit dem Sicherheitskonzept von FCB und Basel-Stadt zufrieden.

Kenneth Nars

Eines vorneweg. Im St.-Jakob-Park hat sich noch nie ein Zuschauer schwerer verletzt. «In den letzten zwei Jahren wurden lediglich zehn Personen aufgrund kleinerer Verletzungen im Stadion behandelt», verkündet FCB-Präsident Bernhard Burgener an der Podiumsdiskussion zum Thema Sicherheit im Stadion in der Aula der Universität Basel. Auch Pyrotechnik sei zwar gefährlich, aber in 16 Jahren Joggeli nur zweimal der Grund für eine leichte Verletzung gewesen, so der Präsident.

«Klar ist das immer ein grosses Thema, aber wir brennen doch auch am Chienbäse oder am Sechseläuten in Mitten von Menschenmassen Sachen ab. Als ich früher als Fan in der Kurve stand, war das für mich das Grösste. Heute gibt es Gesetze, die Pyrotechnik in Stadien verbieten. Und Gesetze muss man befolgen», sagt Burgener.

Podium Sicherheit im Stadion in der Aula der Universität. Vlnr: Prof. Marc Pieth, Tanja Soland, Baschi Dürr, Bernhard Burgener.     

Podium Sicherheit im Stadion in der Aula der Universität. Vlnr: Prof. Marc Pieth, Tanja Soland, Baschi Dürr, Bernhard Burgener.     

Roland Schmid

«Das grösste Sicherheits-Problem herrscht nicht im, sondern vor dem Stadion, bei der Anfahrt oder auf dem Rückweg», ergänzt Baschi Dürr, Vorsteher des Sicherheitsdepartements Basel-Stadt. Der FCB ist sein bester Kunde. Denn bei jedem Heimspiel sorgt die Polizei rund ums Stadion für Ordnung. «Ohne den FCB könnte ich 30 Polizisten abbauen», sagt Dürr.

Vier bis fünf Millionen pro Jahr kostet die Sicherheit ums Stadion den Steuerzahler. Anders als beispielsweise in Deutschland, beteiligen sich in der Schweiz bis auf den FC Sion auch die Vereine an den Kosten. Für den FC Basel sind die ersten 200 Einsatzstunden der Polizei gratis. Alles darüber hinaus zahlt zu fünfzig Prozent der Verein. Pro Saison kommen so zwischen ein und zwei Millionen Franken zusammen.

Geschickter Sicherheits-Vertrag

Für den Fall, dass Basel einmal nicht vom Honigtopf Champions League profitieren könnte, hat der Verein vertraglich vorgesorgt. Qualifiziert sich der FCB nicht für die Königsklasse, muss er weniger für die Sicherheit zahlen.

Sowohl die Regierung als auch den FC Basel freut der Fakt, dass die Gewalt und damit auch die Sicherheitskosten in den letzten Jahren leicht zurückgegangen sind. Burgener und Dürr machen ständigen Dialog zwischen Fans, Verein und Regierung für den positiven Trend verantwortlich.

Tumulte unter Benfica-Fans im Family-Corner

Benfica Fans, die nach dem 3:0 und der Roten Karte gegen Almeida Becher auf Fans und Spielfeld werfen und gegenseitig aufeinander losgehen. «Wir fühlten uns zu diesem Zeitpunkt im Family Corner gar nicht mehr sicher. Einige Kinder haben geweint», sagt Lukas Huber, als er die Situation glaubhaft schildert. Weitere Quellen bestätigen die Schlägerei von 15 bis 20 Portugiesen im Family Corner. Die Security-Mitarbeiter trafen erst spät ein und trennten die Auswärtsfans.

Huber ist seit 40 Jahren bei jedem Heimspiel dabei und hat den FCB auch auf viele Auswärtsreisen begleitet. Dass gewaltbereite Gäste-Rowdys aber ausserhalb vom Auswärtssektor im Stadion ihr Unwesen treiben konnten, hat Huber noch nie erlebt. Warum man FCB- und Benfica-Fans nicht im Vorfeld besser getrennt hat, will Huber von Burgener wissen.

«Wir können nicht überprüfen, wer die Karten im freien Verkauf erwirbt», erwidert der Präsident. Aufgrund der vielen Portugiesen in Basel sei das Benfica-Spiel eine absolute Ausnahme. Ein Einzelfall. Die Erweiterung des Gästesektors sei in solchen Fällen kompliziert und eine Wand aus Sicherheitskräften, wie wir sie aus englischen Stadien kennen, entspräche, so Burgener, nicht dem Erlebnis Fussball, wie ihn sich der FCB vorstellt. Statt Fan-Trennung müsse man eher gegen den Ticketverkauf über Dritte vorgehen. Denn nur auf diese Weise kommen gewaltbereite Fans in den Family-Corner.

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