FC Basel
Walter Samuel: «Ich denke nicht, dass ich ein Star bin»

Der Argentinier Walter Samuel spricht im Interview vor dem Saisonstart über sein erstes Jahr als FCB-Spieler, den speziellsten Titel seiner langen Karriere und seine Zukunftspläne.

Céline Feller
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«Alle haben mir erzählt, wie speziell diese Feiern sind», so Walter Samuel über die Meisterfeier.

«Alle haben mir erzählt, wie speziell diese Feiern sind», so Walter Samuel über die Meisterfeier.

KEYSTONE

Walter Samuel, Sie müssen sich gut fühlen.

Walter Samuel: Wieso?

Weil Sie 37 Jahre alt sind und noch ein Jahr Fussball spielen können.

Das ist eine sehr schöne Möglichkeit, die mir Basel gegeben hat. Ich fühle mich sehr wohl, meine Familie auch. Und körperlich geht es mir auch gut.

Ist der Entscheid, noch ein Jahr an Ihre Karriere anzuhängen, mehr aufgrund der Gruppe oder mehr wegen des Fussballs gefallen?

Wegen beidem. Noch einmal die Möglichkeit zu bekommen, meinen Vertrag zu verlängern, war eine tolle Chance. Ich will mein letztes Jahr einfach noch einmal richtig geniessen.

Wie geht es Ihnen abseits des
Platzes?

Es ist perfekt, ich fühle mich sehr wohl hier. Es ist wahr, dass die ersten Monate hier in Basel etwas schwierig waren. Wir waren neun Jahre in Mailand, daher war der Wechsel eine Umstellung. Nicht mal spezifisch mein Wechsel war die grosse Umstellung, sondern die damit einhergehenden Schulwechsel der Kinder, das neue Haus, solche Dinge eben. Aber zum Glück habe ich tolle Kollegen gefunden in Matías Delgado, Gastón Sauro oder Derlis González. Sie geben mir ein Gefühl von zu Hause.

Verstehen Sie mittlerweile etwas Deutsch?

Nein, gar nichts. Ich lerne ein bisschen Englisch, aber es ist schwierig. Ich werde nicht aufhören, zu versuchen, mich zu verbessern, weil es wichtig ist, mit den Mannschaftskameraden kommunizieren zu können. Die Meisten von ihnen sprechen Englisch untereinander. Ich spreche einfach Italienisch, Spanisch, ein bisschen Englisch und noch mit Händen und Füssen (lacht).

Können denn Ihre drei Kinder im schulpflichtigen Alter Deutsch?

Genau, sie sind 12, 10 und 6 Jahre alt. Ein bisschen Deutsch können sie, sie sind aber noch dabei, es zu lernen. Sie besuchen aber die italienische Schule.

Das erste Jahr beim FCB ist Vergangenheit. War es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Was die Resultate angeht, mehrheitlich ja. Aber ich hätte mir gewünscht, etwas mehr spielen zu können. Aber in den ersten Monaten hatte ich muskuläre Probleme und eine Knie-Verletzung. Darum hoffe ich, in dieser Saison mehr als 18 Partien spielen zu können.

Bei Ihrer Vorstellung kannten Sie die Super League kaum. Was sagen Sie jetzt, wie sehr unterscheidet sie sich von der Serie A?

Vor allem darin, dass man so oft gegen dieselben Mannschaften spielt. Aber das Niveau und der Rhythmus sind ebenfalls hoch und mit Sion, GC oder Zürich hat es gute Gegner. Ich mag die Super League.

Ein weiterer starker Gegner sind die Young Boys, die auf diese Saison hin aufgerüstet haben. Haben Sie Angst vor dem neuen YB?

Angst nicht, nein, aber Respekt. Sie haben in den Spielen gegen uns gezeigt, dass sie stark sind.

Wie wird sich Ihre Rolle in ihrem zweiten Jahr verändern? Gerade jetzt, wo Marco Streller weg ist?

Wichtige Spieler haben den Verein verlassen, Fabian (Frei), Marco (Streller) und Schäro (Fabian Schär). Es sind aber auch wieder wichtige Spieler zu uns gekommen. Wir werden dieses Jahr sicher länger brauchen, um uns einzuspielen, um uns kennen zu lernen.

Wollen Sie Marco Streller in seiner Rolle als Leader ersetzen?

Nein, nein. Ich denke, da gibt es andere Spieler.

Die anderen Spieler sagen aber, dass sie sehr grossen Respekt vor Ihnen haben und Sie ein Leader sind.

Ich denke, die jüngeren Spieler respektieren die etwas älteren Spieler ohnehin, ob das nun ich bin, Matías (Delgado), Kuz (Kuzmanovic), Safa (Safari), Callà oder Vailati.

Sie sind seit über 15 Jahren Profi. Wie sind Sie zum Fussball gekommen?

In meinem Quartier habe ich mit meinen Freunden gespielt, bevor ich mit sieben Jahren zu einem Klub ging. Aber ich habe nie daran gedacht, professionell zu spielen. Angefangen hat alles, als ich mit meinem Klub gegen die Newell’s Old Boys gespielt habe. Sie haben mich gesehen und als gut befunden. Es war nie mein Traum, aber ich war sehr zufrieden bei Newell’s und auch später bei den Boca Juniors.

Dann sind Sie zur AS Roma gegangen. Wieso ausgerechnet die Roma?

(Überlegt) Zu diesem Zeitpunkt war die Roma das Team, das am meisten Interesse an mir hatte. Die Roma hat mir dann gesagt, ich solle noch ein Jahr bei Boca bleiben. In diesem Jahr gewannen wir dann die Copa Libertadores. Das war sehr wichtig für mich. Und deshalb habe ich mich dann auch für die Roma entschieden.

Danach haben Sie noch für Real Madrid und Inter Mailand gespielt. Bei beiden Vereinen waren Sie ein Star.

Ein Star? Nein, nein ...

Sie glauben Sie sind kein Star?

Nein, ich denke nicht. Mir hat es einfach immer nur Spass gemacht, Fussball zu spielen. Abseits vom Fussball führe ich ein ganz normales Leben.

Also gefällt es Ihnen sicher auch, dass Sie in Basel nicht von Fans belagert werden?

Ja, das ist sicher sehr angenehm. Das ist ein grosser Unterschied zum Leben in Italien oder Spanien. Abseits vom Fussball sind die Leute sehr ruhig hier, und das, obwohl sie im Stadion sehr fanatisch sind und nie aufhören zu singen.

Sie haben in Ihrer Karriere schon viele Titel gewonnen. Welches war der Wichtigste für Sie? Die Champions League 2010 mit Inter?

Ich denke schon, ja. Aber für mich persönlich ist es sehr speziell, mit Boca die Copa Libertadores gewonnen zu haben. Nicht nur ich bin grosser Boca-Fan, meine ganze Familie ist Fan.

Was bedeutet der Gewinn der Meisterschaft mit dem FCB für Sie?

Es war sehr schön, vor allem, die beiden Male, die wir auf dem Balkon gefeiert haben. Alle haben mir erzählt, wie speziell diese Feiern sind, aber es dann selber zu erleben, ist noch spezieller.

Haben Sie schon berufliche Pläne für die Zeit nach der Profi-Karriere?

Ich möchte gerne Kindertrainer werden. Je nachdem, wie ich mich anstelle, könnte ich mir auch vorstellen, etwas ältere Kinder zu trainieren. Früher habe ich immer nein gesagt, wenn mich jemand gefragt hat, ob ich mir vorstellen könne, Trainer zu werden. Aber je näher mein Karriereende kommt, desto mehr fängt es mir an, zu gefallen.

Könnten Sie sich vorstellen, das hier in Basel zu machen?

Das wäre schön, aber dann müsste ich noch sehr viel besser Deutsch lernen.

Ein Leben ohne Fussball – ist das für Sie überhaupt vorstellbar?

Ich denke schon. Aber was mir fehlen wird, ist die Zeit in der Kabine und das Zusammensein mit den Kollegen.

Man sagt, Sie seien privat das pure Gegenteil davon, wie Sie auf dem Platz sind. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich bin sehr ruhig, geniesse ganz normale Dinge. Nach dem Training nach Hause zu gehen, zu meinen Kindern, meiner Frau.

Haben Sie ein Hobby?

Abgesehen davon, Zeit mit der Familie zu verbringen, fische ich gerne. Und ich lerne gerne neue Orte kennen. Ich habe mir Orte wie Luzern oder Zürich angeschaut. Aber Basel ist die Stadt, die am meisten zu meiner Lebensart passt.

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