FC Basel
U16-Trainer Werner Moggs Erinnerungen an die sieben Rohdiamanten, die er zu Schmuckstücken schliff

Wer beim FC Basel in den vergangenen 13 Jahren als Spieler gross rauskommen wollte, musste durch die Schule von U16-Trainer Werner Mogg. Ab diesem Sommer übernimmt er die Verantwortung bei der U17 des FCB.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen
«Das Image des harten Hundes? Ist mir so was von egal. Wer auf den Campus kommt, soll etwas leisten. Sonst kann er wieder gehen.» FCB-Juniorentrainer Werner Mogg fordert viel, gibt viel.

«Das Image des harten Hundes? Ist mir so was von egal. Wer auf den Campus kommt, soll etwas leisten. Sonst kann er wieder gehen.» FCB-Juniorentrainer Werner Mogg fordert viel, gibt viel.

Martin Töngi

Alex Frei sagt über ihn: «Der weisse Magier.» Fabian Frei nennt ihn «den besten Trainer der Welt. Auf U16-Stufe. Wer ihn übersteht, dem stehen die Türen zum Profifussball offen.»
Werner Mogg ist seit 2003 Nachwuchstrainer beim FC Basel. In diesem Sommer gibt er nach 13 Jahren die U16 ab und übernimmt die U17. Mit einem Leistungsausweis, der sich sehen lässt: Ivan Rakitic, Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Breel Embolo – sie und viele andere hat Mogg auf ihrem Weg nach oben ein Jahr lang begleitet. Anlässlich des siebten FCB-Meistertitels in Serie spricht Mogg über seine sieben grössten Juwelen. «Über die, die es auf die ganz grosse Bühne geschafft haben.»

Werner Mogg über Ivan Rakitic

«Die Jungs in der U16 sind noch sehr jung, zum Teil auch kindisch. Ivan aber war bereits sehr reif. Eine Persönlichkeit, wie man sie in diesem Alter nur ganz selten findet. Sozial war er Extraklasse: Er war sich nie zu schade, mit anzupacken. Er war ein Chef auf dem Platz, ohne dass man ihn dazu drängen musste. Und die anderen haben seine natürliche Autorität akzeptiert, als wäre es das normalste der Welt. Von solchen Spielern träumt man als Trainer. Von der Einstellung her war Ivan schon in der U16 ein Profi. Es gibt Profis, die sind im Kopf weniger weit als Ivan mit 15. Fussballerisch war er überragend – da braucht es nicht mehr Worte. Er hatte damals ein Angebot von Chelsea, entschied sich aber gemeinsam mit seiner Familie und dem Umfeld dafür, zuerst beim FCB in der ersten Mannschaft Stammspieler zu werden. Generell gilt: Das Umfeld ist für einen jungen, Spieler genauso entscheidend wie das Talent.»

Wettbewerb: Gewinnen Sie Tickets für ein FCB-Heimspiel!

Anlässlich des siebten FCB-Meistertitels in Serie verlosen wir 7 mal 2 Tickets für ein Super-League-Heimspiel des FC Basel in der Saison 2016/17.

Nutzen Sie Ihre Gewinn-Chance und nehmen Sie jetzt an unserem Wettbewerb teil!

Werner Mogg über Yann Sommer

«Unter der Woche war er mehrheitlich beim Goalietrainer. Was ich sagen kann: Yann war vom Charakter her ebenfalls grossartig. Er hatte von Anfang an einen Plan. Yann und seine Eltern wussten schon damals, was die einzelnen Schritte auf dem Weg nach oben sein werden. Im Nachhinein lässt sich sagen: Die Lehrjahre bei GC und bei Vaduz, das Jahr als Nummer 2 vor dem Abgang von Franco Costanzo – Yann hat alles richtig gemacht. Als Typ war er sehr fokussiert und bestimmt, aber immer angenehm im Umgang. Nur ein Mal hatten wir einen Disput: Vor einem Penaltyschiessen riet ich ihm, wo er hinspringen sollte. Er erwiderte, dass er schon wisse, was zu tun sei. Prompt gingen alle Penaltys rein – da wurde ich etwas wütend. Nach dem Penaltyschiessen im Cupfinal 2012 gegen Luzern kam er auf mich zu und sagte: Siehst du, ich bin lernfähig, sonst hätte ich nicht zwei Schüsse gehalten.»

Werner Mogg über Fabian Frei

«Er war ein Leader wie Rakitic, aber auf eine andere Art. Er war längst nicht so pflegeleicht wie Ivan. Fabi hat immer alles hinterfragt, er konnte einem so richtig auf den Wecker gehen. Pubertierender Lausbengel halt, aber im positiven Sinn. Denn Fabi ist immer vorangeschritten. Auf ihn konnte man sich verlassen, 90 Minuten hat er Vollgas gegeben und alles fürs Team getan. Seine Art kam nicht bei allen Mitspielern gut an. Aber weil er immer Leistung brachte, habe ich ihn in Schutz genommen. Zwei Spieler haben während der Saison aufgehört, weil sie den Status von Fabi wollten, ich ihnen diesen aber nicht geben konnte. Wenn man Leistung bringt, darf man auch mal die Klappe aufreissen. Für einen Trainer sind solche Spieler leichter einzuschätzen als introvertierte Typen, weil man weiss, woran man ist. Fabi werde ich nie vergessen.»

Werner Mogg über Taulant Xhaka

«Tauli war schon damals, wie er heute ist: einfach drauflos, viele Karten gesammelt, alles, wirklich alles gemacht für den Sieg. Er hat bei den Profis drei Trainer «überstanden», was mich überhaupt nicht erstaunt. Einer wie Tauli ist für jeden Trainer Gold wert. Ihn zu führen braucht nicht viel Aufwand, er sieht das Ganze pragmatisch und arbeitet wie ein Verrückter. Manchmal musste ich ihn bremsen, wenn das Temperament überbordete. Aber das gehört dazu, Typen wie er leben davon. Tauli ist Tauli. Er siezt mich immer, obwohl ich ihm schon öfter das «Du» angeboten habe. ‹Nein, das hat mit Respekt zu tun. Sie sind der Trainer›, antwortet er dann. Neulich grüsste er mich auf dem Velo und fuhr dabei in den Materialwagen – typisch Tauli. Ein gutmütiger Typ, der weiss, woher er kommt: Nach einem Meistertitel kam er zu mir auf die Tribüne und schenkte mir ein Leibchen zum Dank. Das macht nicht jeder. Eine Gruppe Kinder würde ich ihm zwar noch nicht anvertrauen; aber für sein Umfeld, für Leute, die ihm helfen, geht er durchs Feuer.»

Werner Mogg über Xherdan Shaqiri

«Der Sprung zu Bayern München war vielleicht zu gross. Aber schlauer ist man im Nachhinein immer. Bei ihm ging alles sehr, sehr schnell: Überall war er sofort der Star. Man konnte keine Zeitung aufmachen, ohne seinen Namen zu lesen. Er ist halt ein Typ, der beim Volk gut ankommt und Fantasien weckt. In der U16 war er ein riesiges Schlitzohr, hat die Gegner immer wieder lächerlich gemacht. Ein richtiger Player. Wenn es ihm in den Spielen nicht genügte, Pässe und Flanken zu schlagen, begann er einfach mit Übersteigern. Nach meiner Ermahnung spielte er 20 Minuten lang seriös, bevor er erneut mit der Trickserei begann. Ein Stück weit musste man ihn auch machen lassen, es braucht solche Spektakeltypen. Aber die enge Leine war wichtig: Er und Tauli Xhaka waren damals enge Freunde, mehr muss ich dazu nicht sagen. Was mir an ihm gefiel: Ich konnte ihm auch mal etwas lauter die Meinung geigen – eingeschnappt war er nie. Eine Minute später lachte er wieder. ‹Ja ja, Herr Mogg›», sagte er immer und grinste.»

Werner Mogg über Granit Xhaka

«Er war ein ganz feiner Typ, ein Strich in der Landschaft. Wie er heute zulangen kann, da staune ich manchmal drüber. Er war ein Stratege, aber in seinen Bewegungen langsamer als der Rest. Ganz ehrlich: Dass er jetzt zu einem Weltklasseverein geht, habe ich ihm damals nicht zugetraut. Er war in der U16 ein extrem intelligenter Spieler, aber physisch waren andere besser. Darum sass er öfters auf der Bank. Er war noch nicht ganz bereit für die U16. Aber er war sehr pflegeleicht, anständig und ein scheuer Junge. Er ist im richtigen Moment zu den Profis gekommen – Thorsten Fink war begeistert von ihm und setzte voll auf Granit. Da hat er den Knopf endlich aufgemacht.»

Werner Mogg über Breel Embolo

«Was soll ich sagen? In jeder Beziehung einfach super. Schon damals kam er immer aufgestellt zum Training, konnte es mit allen gut. Ein Wonneproppen. Nur ein Mal, da hatte er eine Woche lang eine Krise. Weiss nicht, was ihn da geritten hat. Ansonsten war er kein Kind von Traurigkeit, bei jedem Streich war er an vorderster Front. Er war ein Leader durch seine Leistungen. Der Jahrgang 1997 ist der beste, den der FCB bisher hatte. Auch für Breel gilt: Er bleibt der Breel. Er ist heute manchmal noch Kind: Ich bin Fan des SC Bern. Als sie Schweizer Meister wurden, hat Breel mir mitten in der Nacht eine SMS geschickt. Seine Art ist es, die ihn so sympathisch macht. Es ist wie damals bei Shaqiri: Es interessiert nur noch Breel. Alle wollen ein Breel-Leibchen, alle wollen ein Foto mit Breel. Ich hoffe und bin guter Dinge, dass er die Bodenhaftung nicht verliert.»

Die sieben Schlüsselmomente des FC Basel auf dem Weg zum siebten Meistertitel:

10. Juli 2015: Delgado wird Captain Favoriten auf das Erbe von Marco Streller waren andere. Suchy, Vaclik, Kuzmanovic – oder Embolo? Dass Urs Fischer dann Matias Delgado als Captain wählt, ist eine Überraschung – und die goldrichtige Entscheidung. Der feinfühlige Argentinier hat es mit allen im Team gut und stellt sich selber in den Hintergrund – ein Vorbild durch und durch.
7 Bilder
25. August 2015: Der FCB scheidet in Tel Aviv aus 2013 war das 3:3 knapp genug, 2015 ist das 1:1 zu wenig: Der FCB verpasst in Tel Aviv den Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Ein früher, herber Dämpfer für Neo-Trainer Urs Fischer. Das Out verfolgt ihn bis ans Ende der Saison fast wie ein böser Geist.
29. November 2015: Die Befreiung gegen Luzern Der FCB verkraftet den Schock in Tel Aviv gut und überzeugt in der Meisterschaft und in der Europa League. Bis im November zwei Niederlagen gegen GC (2:3) und St. Gallen (1:2) folgen. Der Absturz? Nein! Im nächsten Match gegen Luzern ist Rot-Blau zurück in Galaform und siegt 3:0. Höhepunkt: Entstehung und Abschluss des 3:0 durch Elneny (Bild).
13. Januar bis 23. Januar 2016: Trainingslager in Marbella «Besser gehts nicht», bilanziert Urs Fischer das Camp in Südspanien. Stimmung, Wetter, Essen – alles passt. Die zehn Tage Marbella legen den Grundstein für eine beeindruckende Rückrunde.
26. Januar 2016: Embolo bleibt beim FCB 25, 27, 30 Millionen – wie viel auch immer, jedenfalls bietet Wolfsburg eine Megasumme für Embolo. Die FCB-Bosse aber lassen sich nicht einmal auf Verhandlungen ein. Was für ein Zeichen von Stärke!
25. Februar 2016: Weiterkommen in letzter Sekunde Urs Fischer muss sich leicht wie eine Feder fühlen: So gross der Druck, der nach Zuffis 2:1 vom FCB-Trainer abfällt. Das Weiterkommen gegen St. Etienne schärft Fischers internationales Profil.
3. April 2016: Sieg gegen «Verfolger» YB Natürlich ist es schon im Vornherein klar; doch mit dem 2:0 am 26. Spieltag gegen YB beweist der FCB auch im Direktduell mit dem letzten «Verfolger», dass er, und nur er den Meistertitel verdient hat.

10. Juli 2015: Delgado wird Captain Favoriten auf das Erbe von Marco Streller waren andere. Suchy, Vaclik, Kuzmanovic – oder Embolo? Dass Urs Fischer dann Matias Delgado als Captain wählt, ist eine Überraschung – und die goldrichtige Entscheidung. Der feinfühlige Argentinier hat es mit allen im Team gut und stellt sich selber in den Hintergrund – ein Vorbild durch und durch.

Keystone

Aktuelle Nachrichten