Fussball
Stephan Andrist: Aus dem Giel ist ein Bebbi geworden

Vom Berner Oberland ans Rheinknie. Vom beschaulichen FC Thun zum 60-Millionen-Unternehmen FC Basel. Innert 48 Stunden änderte vieles im Leben des Stephan Andrist (24).

Georges Küng
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Stephan Andrist (rechts) muss sich beim FC Basel aus dem Schatten von Xherdan Shaqiri (vorne) und Co. drängen.KEYSTONE/Georgios Kefalas

Stephan Andrist (rechts) muss sich beim FC Basel aus dem Schatten von Xherdan Shaqiri (vorne) und Co. drängen.KEYSTONE/Georgios Kefalas

Am 28. August 2011 – es war ein sonniger Sonntagnachmittag mit Temperaturen gegen die 30 Grad – spielte Andrist in der zweiten Halbzeit im Trikot des FC Thun gegen den FCB. Keine 36 Stunden später vermeldete der Schweizer Meister den Zuzug des bis dato fünffachen Saisontorschützen. Und am 1. September, an einem Mittwochabend, lief er erstmals im rot-blauen Trikot im Testspiel gegen den Erstligisten SV Muttenz auf.

«Ich war sofort integriert»

Seit vier Monaten ist der «Giel» aus dem Berner Oberland nun ein «Bebbi». «Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in einem ländlichen Quartier (gemeint ist Gwatt) wohnt oder in der Basler Innenstadt. Aber ein Kulturschock war es schon nicht. Ich habe mich in jeder Hinsicht sofort integriert und wohl gefühlt», erklärt Andrist.

Dem Ruf des FCB gefolgt

Die Frage, warum er zum FC Basel gewechselt hat, ist eigentlich müssig. «Für mich ist es eine logische Entwicklung in meiner Fussballerkarriere und eine neue Herausforderung. Ich will mit dem FCB Titel gewinnen und auf höchstem Niveau spielen», meinte Andrist am gestrigen ersten Trainingstag des Tabellenführers. Man könnte es auch salopper formulieren: Wenn der FC Basel ruft, folgt man dem Angebot. Dies würde der wieselflinke, ehemalige Nachwuchs-Internationale nie in dieser direkten Form sagen.

Dazu ist er zu bodenständig und grundanständig-bescheiden. Überhaupt macht er glaubhaft, dass «der Wechsel von Thun nach Basel dank meines Managers zustande gekommen ist».

Funkelnde Augen

«Wer zum FCB wechselt, weiss, dass der Druck gross und der Konkurrenzkampf hart ist», setzt Andrist den Satz fort. «Der FC Basel spielt in drei Wettbewerben mit – und es hat sich schon im Herbst gezeigt, dass es jeden Kaderspieler braucht. Das wird jetzt im Frühling, wenn die Entscheidungen fallen, nicht anders sein», ist der Berner überzeugt.

Und im Gegensatz zum Herbst, wo er wegen seinen fünf Europa-League-Einsätzen mit dem FC Thun gegen Vllaznia (Albanien), Palermo und Stoke City für die Champions League nicht spielberechtigt war, wird Andrist gegen den FC Bayern München nun nachgemeldet. «Die Champions League war schon immer ein Traum von mir. In Basel wird sie Realität», sagt er kurz und trocken. Doch wer ihn genau anschaut, sieht seine Augen funkeln. Und spürt, dass er die Sterne und Melodie der Königsklasse als Aktiver erleben möchte.

Mit 28 Spielern ins Trainingslager

FCB-Trainer Heiko Vogel wird am nächsten Montag mit 28 Spielern (neu ins Kader der 1. Mannschaft ist der 18-jährige Darko Jevtic aufgenommen worden) nach Estepona ins Trainingslager fliegen. Und sollten alle Akteure einsatzbereit sein, so herrscht gerade im Mittelfeld («ich bin ein Aussenspieler und kann auf beiden Mittelfeldseiten agieren», erklärt Stephan Andrist) eine «Druggede» wie am Basler Morgestraich.

Elf Spieler für vier Parts – dieses «Überangebot» mag für die Konkurrenz ein Luxus sein. Für Rot-Blau ist es seit über einem Jahrzehnt die Normalität, damit die eigenen Ambitionen und Erwartungen der Anhängerschaft erfüllt werden können. «Dies macht den FC Basel in der Schweiz so einzigartig; hier zählt nicht der Einzelne, sondern das Team», resümiert Stephan Andrist. Dass er in diesem Frühjahr auf dem Rasenfeld zum Double beitragen will, versteht sich von selbst.

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