Eishockey
Sharks-Torhüter Urban Leimbacher: «Wir Goalies leben in einer eigenen Welt»

Mit Dino Stecher leitet ein ehemaliger Goalie die Geschicke der Basel Sharks. Davon profitiert auch Stammkeeper Urban Leimbacher. Die Beiden erzählen von ihren Karriereanfängen und den neuen Anforderungen an die Torhüter.

Jonas Burch
Drucken
Teilen
Auf der gleichen Wellenlänge: Stammkeeper Urban Leimbacher (l.) im Training mit Coach Dino Stecher. JBU

Auf der gleichen Wellenlänge: Stammkeeper Urban Leimbacher (l.) im Training mit Coach Dino Stecher. JBU

Das Gespräch wird schnell zum Selbstläufer. Dino Stecher und sein Schützling Urban Leimbacher kommen beim Thema «Torhüter» sofort ins Schwelgen von Erinnerungen und Erlebnissen. «Eigentlich wäre ich ja Stürmer gewesen», blickt Leimbacher auf seine Anfänge zurück.

«Du auch?», fragt Stecher schmunzelnd nach. «Irgendwie hat es uns dann beide ins Tor verschlagen», fasst der Neo-Trainer treffend zusammen.

Keine Frage, die Eishockey-Goalies bilden eine kleine, aber feine Gemeinschaft. «Wir Goalies leben in einer eigenen Welt. Für viele Spieler ist es schwer, unsere Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen», sagt Leimbacher, der mit den Sharks in seine zweite Saison geht.

Mit der Verpflichtung von Dino Stecher findet nun ein ehemaliger Spitzengoalie (Fribourg, Olten, ZSC) den Weg ans Rheinknie. «Für mich ganz sicher ein Vorteil, weil wir uns auf der gleichen Ebene verständigen können», weiss Leimbacher.

Für Stecher, der Leimbacher noch aus vergangener Olten-Zeit kennt, ist es kein Zufall, dass so viele Torhüter den Weg als Trainer einschlagen. Bestes Beispiel: Bob Hartley, der die ZSC Lions 2012 zum Titel führte und nun bei den Calgary Flames in der NHL an der Bande steht.

«Torhüter sind sich von Grund auf gewohnt, unter Druck zielstrebig und fokussiert zu arbeiten. Dieser Charakterzug zeigt sich dann natürlich auch im Traineramt», sagt Stecher. Entsprechend gebe es prozentual viel mehr Torhüter als Verteidiger oder Stürmer, welche ihre Karrieren als Trainer oder Funktionäre weiterführen.

«Trotzdem herrscht in der Schweiz noch immer dieses kleinkarierte Klischee-Denken, dass wir als Goalies im Trainermetier nicht so ganz ernst genommen werden», nervt sich Stecher.

Dennoch hat sich die Rolle des Torhüters in den letzten Jahren verändert. Mehr Material, schnellere Spiele, offensivere Ausrichtung. So durfte sich Urban Leimbacher Ende Dezember 2010 beim 5:2-Sieg von Olten über Thurgau gar als Torschütze feiern lassen.

Damit gehört er dem illustren Kreis um Ari Sulander (ZSC, 2002), Marco Bührer (Bern, 2006) und Damian Ciaccio (Neuenburg, 2008) an, die als bisher einzige Goalies in der Schweiz ein Tor erzielten. «Es ist längst keine Seltenheit mehr, dass sich Torhüter Assists gutschreiben können.

Diese Spielweise wird immer mehr verlangt», weiss Leimbacher. Dino Stecher nickt und witzelt: «Vielleicht gelingt dir ja in der nächsten Saison noch mal so ein Kunststück.» Beide wissen, dass der Torhüter auch in der neuen Spielzeit das Grundgerüst bilden wird, welches über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Nach den Spässchen und Anekdoten schlägt Stecher zum Abschluss ernstere Töne an: «Wir werden angreifen, auch wenn die NLB so stark besetzt ist, wie lange nicht mehr.»

Aktuelle Nachrichten