FC Basel
Ruhig Blut, liebe FCB-Fans! Die Meisterschaft ist noch lange nicht verloren

Der Frust in Basel ist nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Lugano gross. Nur 10 Punkte und Platz 3 nach fünf Spielen. Ein missratener Saisonstart, finden viele Fans. Wirklich?

Sébastian Lavoyer
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Renato Steffen und der FC Basel stolperten zuletzt gegen Lugano und legten einen harzigen Start hin. Ungewohnt nach den dominanten Fischer-Jahren.

Renato Steffen und der FC Basel stolperten zuletzt gegen Lugano und legten einen harzigen Start hin. Ungewohnt nach den dominanten Fischer-Jahren.

Freshfocus/cka

Es war eine Premiere für Raphael Wicky, eine, auf die er getrost hätte verzichten können. Nachdem Lugano kurz vor Schluss zum 1:1 ausgleicht und der FCB die Tabellenführung leichtfertig verschenkt, gibt es Pfiffe von den Rängen. Darauf angesprochen, meint der FCB-Trainer: «Die Fans wollen, dass wir all unsere Spiele gewinnen. Darum verstehe ich auch, dass sie am Ende unzufrieden waren.» Damit verkennt er wohl eines: Es ging nicht ums Resultat allein, sondern um den Auftritt seines Teams. Pomadig, uninspiriert und ziemlich passiv wirkt der FCB am Sonntag.

Tomás Vaclík: Note 4,5 Ein undankbarer Nachmittag für den FCB-Keeper. Erst hatte er kaum etwas zu tun – und dann kann er beim Gegentor nichts machen.
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Manuel Akanji: Note 3,5 Ist er sonst Mister Zuverlässig, offenbarte er gegen Lugano einige Schwächen. Streut zu viele Fehlpässe ein und kommt beim Ausgleich zu spät.
Marek Suchy: Note 4 Der Captain hat Glück, dass eine Aktion, in der er seinem Gegner zu viel Raum lässt, nicht zu einem Gegentor führt. Hatte schon bessere Tage.
Éder Balanta: Note 4 Er lässt sich nichts zu Schulden kommen – ausser vielleicht, dass er eine extrem kurze Zündschnur hat. In der Spieleröffnung blass.
Michael Lang: Note 4,5 Auch wenn er im neuen System seine Fähigkeiten nicht entfalten kann, ist er noch einer der Besten. Mit mehr Glück erzielt er in der 10. das Führungstor.
Alexander Fransson: Note 3,5 Der Schwede bekam etwas überraschend den Vorzug vor Serey Die. Wieso, weiss niemand. Er war nie gesehen, bis er in der 58. raus muss.
Luca Zuffi: Note 4 Seine Ecken und Freistösse bleiben komplett wirkungslos. Seine gute Technik sowie sein Auge sind in anderen Momenten aber unverkennbar.
Mohamed Elyounoussi: Note 4 Ein öffnender Pass von ihm auf Renato Steffen steht am Ursprung der Penalty-Szene zum 1:0. Sonst unter seinen Möglichkeiten und unauffällig.
Renato Steffen; Note 5 Der beste Mann auf dem Platz. Sein Laufpensum – sowohl nach vorne als auch nach hinten – reicht für drei. Holt ausserdem den Penalty heraus.
Dimitri Oberlin: Note 3,5 In seinem ersten Liga-Spiel von Beginn an zeigt er seine negativen Attribute: Er ist noch zu verspielt und zu eigensinnig. Muss in der 71. vom Platz.
Ricky van Wolfswinkel: Note 4,5 Fünftes Spiel, fünftes Tor. Und wieder einen Penalty eiskalt versenkt. Hätte kurz vor der Pause aber schon den Führungstreffer erzielen müssen.
Geoffroy Serey Dié: Note 4 Eine gute halbe Stunde darf er spielen. Die grossen Impulse gehen nicht von ihm aus, aber er ist trotzdem viel präsenter als Fransson, den er ersetzte.
Afimico Pululu: Note 4 Der 18-Jährige feiert sein Pflichtspieldebüt in der ersten Mannschaft. Er versucht viel, muss aber auch ebenso viel Lehrgeld bezahlen.

Tomás Vaclík: Note 4,5 Ein undankbarer Nachmittag für den FCB-Keeper. Erst hatte er kaum etwas zu tun – und dann kann er beim Gegentor nichts machen.

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Da schrillen bei vielen FCB-Fans die Alarmglocken. In den sozialen Medien schlugen nach dem Spiel die Wellen hoch. Viele sehen nicht nur die Meisterschaft in Gefahr, sondern insbesondere auch die Champions League, die in einem knappen Monat beginnt. Aber sind diese Befürchtungen berechtigt nach einem Saisonstart mit drei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden?

Bewusst mehr Risiko genommen

Die Erwartungen in Basel sind sehr hoch. Nicht nur sorgte der FCB in den letzten Jahren immer wieder für Glanzlichter in der Königsklasse, er sicherte sich zudem sieben Mal in Serie den Meistertitel. Immer überlegener war Rot-Blau. Letzte Saison unter Urs Fischer sicherten sich die Rot-Blauen den Titel schon Ende April. Logisch freute man sich darüber, aber viel eher sah man es als Selbstverständlichkeit an, monierte, dass der FCB zu wenig Unterhaltung biete, zu viele Legionäre beschäftige. Auch das führte zum Wechsel in der Teppichetage. Frischer Wind sollte ins Joggeli kommen. Und die Neuen rund um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller versprachen Besserung. Mehr Eigengewächse, mehr Spannung, bessere Unterhaltung.

Diese Strategie birgt Risiken. Risiken, die Burgener und Co. bewusst in Kauf genommen haben. Auch der Spannung wegen. Und während Fischer zuletzt jeweils mit 15 Punkten aus den ersten fünf Runden startete und sein Team letzte Saison zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Tore geschossen hatte, steht Wicky mit 10 Punkten und ebenso vielen Toren deutlich dahinter. Aber: Kein Grund zur Panik! Betrachtet man die Saisonstarts des FC Basel seit Beginn der Super League, stellt man fest, dass Wicky einen durchschnittlichen Start hingelegt hat. Nur drei Mal reichte es für den FCB nicht zum Titel (2005/06, 2006/07, 2008/09). Und selbst nach dem schlechtesten Start 2011/12 unter Heiko Vogel schafften es die Basler am Schluss noch.

Nach fünf Runden war noch nie eine Meisterschaft entschieden. Und Wicky hat vieles bewegt: etliche neue Spieler, ein neues System, eine neue Philosophie. Dass es da Rückschläge geben kann, versteht sich von selbst. Sicher ist: Der FCB hat immer wieder zu überzeugen gewusst. Also jetzt nicht gleich den Kopf hängen lassen und Ruhe bewahren, liebe FCB-Fans.