Frischgebackener Vater

Roger Erb vor dem Nordwestschweizer Schwingfest: «Meine Tochter Lina gibt mir viel Kraft»

Roger Erb (dunkle Schwinghosen, hier im Kampf gegen den Aargauer Andreas Döbeli) hat sich in diesem Jahr zur Nordwestschweizer Teamstütze hochgeschwungen.

Roger Erb strebt auch am Nordwestschweizerischen Schwingfest in Basel einen Spitzenplatz an. Der frischgebackene Vater schöpft viel Kraft aus der Geburt seiner Tochter Lina.

Der Nordwestschweizer Schwingerverband befindet sich im Umbruch. Die langjährigen Leader Bruno Gisler, Mario Thürig und Christoph Bieri sind entweder zurückgetreten, verletzt oder ausser Form. In die Bresche springen junge Kräfte wie der Aargauer Nick Alpiger. Der Aufsteiger der Saison ist jedoch Roger Erb.

Der 26-jährige Sennenschwinger aus Metzerlen hat sich sukzessive nach oben gekämpft. In der zweiten Julihälfte sorgte er für Aufsehen an den Bergfesten auf dem Weissenstein und Brünig.

«Auf den Brünig-Kranz bin ich besonders stolz. Das war ein grosses Ziel», sagt Roger Erb zum 31. Kranzgewinn. Dieser fiel ihm nicht in den Schoss. Zuletzt musste gegen Spitzenschwinger Thomas Sempach ein Sieg her. Gegen den Brünig-Sieger von 2016 landete der stärkste Baselbieter mit einem Fussstich den grossen Wurf.

Angriffiger geworden

Bei der Suche nach Gründen für das Formhoch blickt Erb zurück. «Mit sechs Kränzen war schon die letzte Saison gut. Damals freute ich mich vor allem über den Stoos-Kranz.» In diesem Jahr hat er schon fünfmal Eichenlaub erobert. «Ich schwinge angriffiger als in früheren Jahren. Das zahlt sich aus», verrät er eine taktische Umstellung.

In diesem Jahr kommt ein weiterer Faktor hinzu. «Seit Dezember bin ich Vater. Das gibt mir viel Kraft», weist er auf die Geburt seiner Tochter Lina hin. «Ich bin ausgeglichener geworden. Lina gibt mir Halt.»

Roger Erb (in hellblau) zieht Kraft aus der Geburt seiner Tochter.

    

Nach einer Lehre als Landmaschinenmechaniker arbeitet er auf dem elterlichen Hof in Metzerlen mit 50 Milchkühen und 450 Mastschweinen. «Ich bin angestellt bei meinen Eltern und erhalte den nötigen Freiraum für den Sport» sagt er. Der Vater habe viel Verständnis fürs Schwingen.

Auch seine Frau Carolle unterstützt ihn «sehr gut», wie Roger Erb betont. Im Gegenzug hat er im letzten Winter zu Hause einen Kraftraum eingerichtet, um mehr bei der Familie zu sein. Bis zu drei Schwingereinheiten pro Woche absolviert er in Binningen. Im Winter pilgert er jede Woche einmal nach Magglingen zum Techniktraining mit Spitzenschwingern.

Mit 26 Jahren befindet sich der Sieger des Basellandschaftlichen «Kantonalen« 2016 im idealen Schwingeralter. So ist sein Fokus aufs nächstjährige «Eidgenössische» in Zug ausgerichtet. Zu gerne würde er sich dort als «Neueidgenosse» feiern lassen. «Die Einstellung ist im Schwingsport das A und O», hat er erkannt. «Aber man darf sich nicht verkrampfen. Zurzeit habe ich die nötige Lockerheit und Freude.»

«Zurzeit habe ich die nötige Lockerheit und Freude», sagt Roger Erb.

  

Mit diesen Attributen will er die Saison erfolgreich abschliessen. Nach dem «Nordwestschweizerischen» am Sonntag in der Sandgrube in Basel, wo er sich einen Kranzgewinn als Minimalziel vorgenommen hat, folgen der Steinegg-Schwinget und ein Wochenende mit zwei Einsätzen: der Fraumatt-Schwinget und das «Kantonale» in Schönenbuch.

«Das ist ein Test auf das ‹Eidgenössische› in Zug», erklärt Erb. Dann ist Saisonende. «Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe», blickt der Metzerler vorwärts. Zu oft haben ihn Verletzungen in den letzten Jahren zurückgeworfen.

Weitere Baselbieter Kräfte

Stefan Strebel, Technischer Leiter der Nordwestschweiz und am Sonntag Einteilungschef, lobt Erb in den höchsten Tönen: «Roger zieht im Verband sehr gut mit. Er ist ein Nordwestschweizer Teamleader und hat an den Bergfesten sein Potential aufgezeigt.»
Strebel blickt trotz den Exploits von Erb auf eine durchzogene Saison zurück, «weil wir unser Potential meist nicht abrufen konnten».

Ein Nordwestschweizer Sieg in Basel sei schwierig zu erreichen, egal ob aus der Nordostschweiz Samuel Giger oder Armon Orlik als Favorit antreten werde. «Aber ich hoffe, dass wir nochmals ein positives Zeichen setzen können.» Strebel zählt nebst Erb auf weitere Baselbieter wie die aufstrebenden Talente Janic Voggensperger und Samuel Brun. «Das sind Modellathleten für die Zukunft.»

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