Orientierungslauf
Regionales Duell im Land der Hobbits

Die beiden Orientierungsläufer Matthias Kyburz und Fabian Hertner schielen auf den Sieg im Gesamtweltcup. Bereits am Sonntag steht der erste Weltcup des Jahres auf dem Programm. Dies für einmal am anderen Ende der Welt, in Neuseeland.

Rainer Sommerhalder
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Fabian Hertner ist wieder zurück.

Fabian Hertner ist wieder zurück.

Keystone

So früh wie nie zuvor beginnt heute Sonntag in Neuseeland die Saison der Orientierungsläufer. Erstmals seit 19 Jahren macht der Weltcup wieder Halt im Land am anderen Ende der Welt. Während weniger finanzstarke Nationen nur vereinzelt Athleten zu den drei Wettkämpfen in der Nähe von Wellington schicken, sind die Schweizer Männer mit dem maximalen Kontingent von neun Männern am Start. Bei den Frauen hingegen verzichtete die zweifache Mutter Simone Niggli auf die 32-stündige Reise ins sommerliche Neuseeland.

Reiz der unbekannten Orientierungslauf-Region

Grösser könnte die Diskrepanz nicht sein. Im Sommer die Heim-Weltmeisterschaft in Lausanne, im Winter das Abenteuer Down Under. Doch gerade der spezielle Reiz dieser Wettkämpfe half, um die Leere nach dem grossen Karriereziel vor der eigenen Haustüre zu überwinden. «Ich hatte unmittelbar nach der WM Luft gebraucht, aber ein eigentliches Loch gab es nie. Da hat die Aussicht auf Neuseeland sicherlich geholfen», sagt der Prattler Fabian Hertner.

Matthias Kyburz will nach 2012 noch mehr

Wenig von Motivationsproblemen spürte auch der Mehlemer Sprintweltmeister Matthias Kyburz, schliesslich machte er nach den Heim-Titelkämpfen noch erfolgreich Jagd auf den Gesamtweltcup. Und selbst nach dem persönlichen Triumphjahr gehen dem 22-Jährigen die Ziele nicht aus. «Ich habe noch keine WM-Medaille im Wald gewonnen. Diese strebe ich an der diesjährigen WM in Finnland an», sagt Kyburz.

Wieder Ambitionen auf den Gesamtweltcup

Kyburz meldet wie mehrere Schweizer erneut auch Ambitionen auf den Gewinn des Gesamtweltcups an. Erst recht, da das Finalwochenende 2013 im Oktober in Baden über die Bühne geht. Neben den üblichen Verdächtigen kehrt in Neuseeland die ehemalige Weltnummer1 Daniel Hubmann nach drei Jahren Leidenszeit mit Fersenoperation und Achillessehnenriss auf die Wettkampfbühne zurück. Der Ostschweizer wird wohl noch einige Rennen brauchen, bis er wieder auf seinem Toplevel angelangt ist.

Hertner mit hohen Erwartungen

Weltcup-Titelverteidiger Matthias Kyburz erhält auch lokale Konkurrenz von Fabian Hertner. Der 28-Jährige musste in den letzten Jahren immer wieder verletzungsbedingte Pausen einlegen. «Jetzt hoffe ich auf eine Saison ohne Unterbrüche und will im Weltcup aufs Podest», sagt der Baselbieter. Für den Start fühlt er sich in sehr guter Form. Entsprechend hoch sind Hertners Erwartungen.

Herausforderung für die Trainingsplanung

Da kein Langdistanz-Rennen auf dem Programm steht, konnten sich die Läufer mit einem kurzen Aufbau in Form bringen. Dennoch hat der Saisonstart mitten im europäischen Winter für die Schweizer Läufer Konsequenzen in der Trainingsplanung. Hertner zum Beispiel verzichtete ganz auf eine Trainingspause. Er bleibt wie die meisten Schweizer noch bis Anfang Februar in Neuseeland und will danach während dreier Wochen nicht trainieren. «Für das Aufbautraining bleibt bis zum nächsten Weltcupblock im Juni und der WM im Juli dann noch genügend Zeit», sagt der seit gut einem Jahr in Winterthur wohnende Baselbieter.

Herbst als Schaulaufen von Kyburz

Die Pause bereits hinter sich hat Kyburz. Er hat die Saison bis zum Schluss durchgezogen. Mit seinen internationalen Erfolgen im Gepäck glich der Herbst einem Schaulaufen. Nach dem Break begann der Mehlemer gleich mit intensivem Training. «Die Form kam erstaunlich schnell, aber sie wird nur kurz anhalten», sagt der Biologie-Student. Für das grosse Saisonziel WM wird sich Kyburz dann ab Mitte April für einen Monat mit einem Trainingsaufenthalt in Schweden vorbereiten. An mehreren Rennen der nationalen schwedischen Serie wird er versuchen, das nordische Gelände zu verinnerlichen. Schliesslich bleibt Neuseeland auf dem Weg zu WM-Edelmetall nur eine Randnotiz. Wenn auch eine ganz spezielle.

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