FC Basel
Pro und Kontra: Ist der FCB fähig, seine Defensive in der Champions League zu verbessern?

Der FCB zeigte beim 3:1 gegen YB die eine oder andere defensive Unzulänglichkeit. Wird die FCB-Abwehr auf diese Weise in der Champions League von Real Madrid demontiert oder kann sie sich wie meistestens in den letzten Jahren international steigern?

Raphael Biermayr
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Pro: Georges Küng

Pro: Georges Küng

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Pro von Georges Küng: FCB kann bestehen, wenn er defensiv kompakt steht

FCB-Trainer Paolo weiss, dass der Schweizer Meister bisher primär offensiv zu über- zeugen wusste. Dies aber auf nationaler Ebene. Doch auf der internationalen Bühne, im Konzert der Grossen, wird der FC Basel - gerade in der Auftaktpartie der Champions League bei Real Madrid – seine Spielphilosophie dezent anpassen müssen. Dem Portugiesen ist bewusst, dass sein Personal im Schweizer Championnat stets die Gejagten sind und die Matchbesucher nicht nur Siege, sondern offensiven (Champagner-)Fussball erwarten.

Rot-Blau wird international nicht mehr, wie in der Super League, spielbestimmend sein und eher reagieren denn agieren. Was legitim ist. Sousa hat bis jetzt in den sieben Meisterschaftspartien und im Cupspiel beim regionalen Zweitligisten CS Italien Genève viel geprobt und meist mit drei Verteidigern (bei Ballbesitz) spielen lassen. Und bereits 25 Akteure eingesetzt. Das ist weltweit rekordverdächtig!

Doch diese Herrlichkeit, die für viele fast einer Art „Jekami“ gleichkommt, wird dem-nächst korrigiert. Sousa dürfte gegen die „Crème de la Crème“ zu einer konservati-ven Viererkette (mit Philipp Degen, Fabian Schär, Marek Suchy und Behrang Safari) zurückkehren und „Wadenbeisser“ Taulant Xhaka auf dem Sechser, als eine Art Pivot (oder Abfangjäger), installieren. Denn zumindest in der spanischen Hauptstadt und auch in Liverpool kann der FCB nur bestehen, wenn er defensiv kompakt steht.

Aber auch Real Madrid ist derzeit weit von einer „königlichen“ Form entfernt. Nach der sonntäglichen 2:4-Niederlage in San Sebastian, kündigte Real-Trainer Carlo Ancelotti: „Bei uns müssen sich gewisse Dinge, vor allem in der Abwehr und beim Defensivverhalten, grundlegend ändern“, so der Italiener. Zumindest hier gibt es zwischen Real Madrid und FC Basel Parallelen…

Kontra: Rainer Sommerhalder

Kontra: Rainer Sommerhalder

Zur Verfügung gestellt

Kontra von Rainer Sommerhalder: Dem FCB fehlt die defensive Abstimmung

Böse Zungen behaupten, es spiele ohnehin keine Rolle, mit welchem Abwehr-Dispositiv der FC Basel in gut zwei Wochen in Madrid auflaufen wird. Der königli-che Trommelwirbel von Reals offensiver Weltauswahl werde ohnehin aus jeder Ordnung innert kürzester Zeit eine defensive Unordnung gestalten. Also braucht Rot-Blau zum Auftakt der Champions League vor allem intelligente Abwehrspieler mit Talent zur Improvisation.

Wichtigste Komponente für eine ausserordentliche Leistung ist ausserordentliches Vertrauen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Vertrauen aber auch in die Fähig-keiten der Nebenleute. Beides waren bei den letzten internationalen Kampagnen des FCB Erfolgsfaktoren.

Doch derzeit geht den Baslern diese Selbstverständlichkeit in der Abstimmung noch ab. Die extrem hohen Ansprüche von Trainer Sousa in die Fähigkeiten und insbe-sondere Wandelbarkeit seiner Abwehrsoldaten, die in seinem System je nach Spiel-situation zu defensiven Rittern werden, sind nicht von heute auf morgen erlernbar.
Der neue FCB ist defensiv noch nicht sattelfest, auch weil die Aufstellung bisher praktisch von Spiel zu Spiel wechselte. Aus dieser Unsicherheit kann international schnell einmal Überforderung werden.

Gerade Real ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wichtig das Vertrauen für Ab-wehrspieler ist. Die madrilenischen Hinterleute erlebten an der WM alle ihr persönli-ches Waterloo - Pepe beim 0:4 von Portugal gegen Deutschland, Sergio Ramos beim 1:5 der Spanier gegen Holland und der Brasilianer Marcelo beim 1:7 im Halbfi-nal gegen Deutschland. Sie haben sich bis heute nicht davon erholt, wie beim Auftritt Reals am Sonntag in San Sebastian unschwer zu erkennen war. So gesehen sollte der FCB in Madrid besser stürmen als verteidigen.

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