Eishockey
Partnerteam SC Bern: Fluch oder Segen für die Basel Sharks?

Was taugt die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Meister SC Bern und dem NLB-Klub Basel Sharks? Alles in allem eine runde Sache sagen SCB-Sportchef Sven Leuenberger, Basel-Trainer Dino Stecher und Sharks Sportchef Pascal Suter übereinstimmend.

Daniel Monnin
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Julian Schmutz (links, mit Eric Arnold) ist einer der Berner, die im EHC Basel heranreifen sollen.keystone

Julian Schmutz (links, mit Eric Arnold) ist einer der Berner, die im EHC Basel heranreifen sollen.keystone

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Für Sharks-Trainer Dino Stecher macht das Partnerteam-Konzept mit dem SC Bern durchaus Sinn, auch wenn – wie er augenzwinkernd sagt – «am Ende des Tages fast immer der Grössere gewinnt». Stecher kennt das System von seiner Zeit als Headcoach der GCK Lions, dem Farmteam der ZSC Lions. Drei Spieler haben die Sharks im Rahmen ihrer Partnerschaft mit dem SC Bern auf diese Saison hin übernommen: Verteidiger Sämi Kreis sowie die beiden Junioren-Internationalen Marco Müller und Julian Schmutz. Dazu gesellte sich zu Beginn auch noch Dan Weisskopf. Er ist nach einem Umweg über Rapperswil mittlerweile wieder beim SC Bern beschäftigt.

Es wird viel diskutiert

Stecher bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem Meister aus Bern als sehr gut, «wir diskutieren auf einem partnerschaftlichen Niveau». Das bestätigt auch Berns Sportchef Sven Leuenberger: «Wir sprechen jede Woche mehrmals miteinander, beide Seiten gehen auf die gegenseitigen Anliegen ein. Der Schlussentscheid liegt allerdings bei uns», sagt er und meint damit den zwischenzeitlichen Rückruf von Verteidiger Sämi Kreis. «Wir haben damit auf unsere Serie von Verletzungen reagieren müssen.» Basel seinerseits reagierte auf seine Ausfälle mit den leihweisen Verpflichtungen von Florian Schmuckli – aktuelle wieder zurück beim EV Zug – und Anthony Rouiller von Biel. Transfers, die eigentlich so nicht geplant waren.

Junge Spieler im Fokus

Man habe sich von Beginn an auf einen Austausch von jungen Spielern geeinigt, sagt Stecher. «Sie lassen sich einfacher integrieren und bringen die Hierarchie nicht durcheinander, denn sie müssen sich erst beweisen und ins Team arbeiten.» Leuenberger ist die Entwicklung «seiner» drei Jungen nicht verborgen geblieben. «Wir sind an den Spielen dabei und stellen fest, dass Müller und Schmutz sich zu zwei wichtigen Teamplayern mit Skorerqualitäten entwickelt haben.» Eine andere Ausgangslage herrsche, so Stecher, wenn ein gestandener Spieler zum Partnerteam geschickt oder dort geparkt werde, das könne zu Spannungen im Teamgefüge führen. Die vier Einsätze von Olivier
Gigon und Michaël Loichat sind für ihn allerdings kein Problem, auch wenn er weitere Anfragen für Einsätze des Berner Ersatztorhüters in der Zwischenzeit abgelehnt hat.

Vorteile überwiegen

Für Stecher überwiegen die Vorteile, obwohl er auch Nachteile sieht. «Wir bilden die Spieler weiter aus, wenn sie sich weiterentwickelt haben, ist es durchaus möglich, dass sie uns wieder verlassen.» Gerade diesen Prozess findet Stecher interessant. Es sei für einen Coach eine interessante Herausforderung, mit einem steten Kommen und Gehen umzugehen. «Das gehört dazu, genau wie verletzungsbedingte Wechsel. Coach und Spieler sind immer gezwungen, sich der aktuellen Situation anzupassen. «Und das gehört auch zum Lernprozess eines Spielers. Je besser er sich adaptieren kann, desto leichter wird ihm der Aufstieg fallen. «In der NLA oder in der NHL kannst du ja auch nicht wünschen, mit wem du zusammenspielst.»

Finanzielle Vorteile

Allerdings verheimlicht Stecher nicht, dass «ich manchmal lieber auch in unveränderter Formation spielen möchte, vor allem wenn es läuft». Der frühere NLA-Goalie fügt aber an, dass man ja auch unter den gegebenen Tatsachen und den vielen Wechseln erfolgreich gewesen sei. «Wir haben unser System und das kennen alle Spieler.» Die Partnerteam-Vereinbarung mit dem SC Bern ist für die Sharks auch in finanzieller Hinsicht interessant. Der «grosse Bruder» trägt einen grossen Teil der Kosten für die ausgeliehenen Spieler, wie Sharks-Geschäftsführer und Sportchef Pascal Suter bestätigt. «Für uns fallen weit weniger Kosten an, als wenn wir die Spieler selber unter Vertrag nehmen müssten.» Suter schätzt die Zusammenarbeit sehr, «auch wenn wir kurzfristig ab und zu die Leidtragenden sind.» Unter dem Strich aber «profitieren beide Teams». Das sieht auch Sven Leuenberger so.

Auch Know-how-Transfer

Der EHC Basel schickt sich an, auch auf einem weiteren Geschäftsfeld von der Zusammenarbeit mit dem SC Bern zu profitieren: in den Bereichen Gastronomie und Catering. Das Know-how dazu liefert die Sportgastro AG, die seit Jahren einen nicht unwesentlichen Teil zu den positiven Geschäftsabschlüssen des SC Bern beiträgt. Das Sportgastro-Team führt in der Postfinance-Arena fünf Restaurants, einen Club, 21 Logen und den ganzen Business-Seats-Bereich und betreut damit während eines SCB-Heimspiels gegen 1200 VIP-Gäste. Dazu kommen weitere Verpflegungsstände in und rund ums Stadion. Im Portefeuille der Sportgastro AG befinden sich darüber hinaus verschiedene Restaurants, die Gastrobetriebe in einigen Sportbetrieben in der Region Bern sowie zwei Cateringservices für die ganze Schweiz.

Diese Sparte steckt bei den Baslern nach der Übernahme der Catering-Rechte für die St. Jakob-Arena noch in den Kinderschuhen. «Es ist hilfreich, wenn man von einem kompetenten Partner begleitet wird und nicht die Anfängerfehler macht, die andere schon gemacht haben», erklärt Suter.

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