FC Basel

Offener Brief und Petition für eine frühere GV: Der Widerstand der Mitglieder formiert sich

Die FCB-Mitglieder wünschen sich von Bernhard Burgener klare Antworten und das lieber heute als Morgen.

Die FCB-Mitglieder wünschen sich von Bernhard Burgener klare Antworten und das lieber heute als Morgen.

Einige FCB-Mitglieder fordern, dass Präsident Bernhard Burgener früher als vom Verein geplant an der GV die vielen offenen Fragen beantwortet.

Vor genau einer Woche teilte der FC Basel mit, dass die 126. Ordentliche Generalversammlung wegen des verlängerten Verbots von Grossveranstaltungen vom Juni in den Oktober verschoben wird. Dagegen regt sich jetzt Widerstand. FCB-Vereinsmitglied Peter Hablützel fordert mit einem Offenen Brief und einer Onlinepetition, dass der FC Basel in Anbetracht der schwierigen Lage und der vielen offenen Fragen seine verschobene Generalversammlung bereits im August abhält. Dafür sammelt er seit gestern Morgen Stimmen. Bis Redaktionsschluss waren es deren 70.

Den Offenen Brief an den Verein und seine Mitglieder veröffentlichte Hablützel gestern Morgen auf verschiedenen Plattformen und schickte ihn auch direkt an FCB-CEO Roland Heri. Gegenüber der bz sagt Hablützel: «Ich hoffe, dadurch etwas Unterstützung von anderen Mitgliedern zu erhalten und Druck aufzubauen, damit der FCB seine GV vorverlegt.» Im Brief schreibt Hablützel: «Ich als Vereinsmitglied und Fan des FC Basel 1893 möchte substanzielle Informationen über den FC Basel, die Finanzen (die gemäss Bernhard Burgener nur noch bis im Oktober gewährleistet sind) und seine Zukunft. Die 126. Generalversammlung muss daher zeitnah durchgeführt werden, damit die Vereinsführung die vielen und dringenden Fragen der Vereinsmitglieder persönlich beantworten kann.»

Hablützel ist kein Unbekannter. Der Rollstuhlfahrer setzt sich seit Jahren für bessere Bedingungen für handicapierte Personen im Joggeli ein und eckt mit seiner Art vielerorts an. Spätestens 2019 wurde der 64-Jährige auch einem breiteren Publikum bekannt, als er rund um die GV mit seinem Antrag zur Statutenänderung für Wirbel sorgte. Damals forderte Hablützel, dass Präsident Bernhard Burgener nicht auch noch als Vereinsdelegierter im Verwaltungsrat der AG sitzt.

Neue Statuten sollen bald vorgelegt werden

Der FCB schickte an der GV 2019 den Vereinsanwalt vor, der Hablützels Antrag wegen Nichteinhaltung der Fristen für unrechtmässig erklärte. Doch der FCB versprach, sich mit dem Projekt «Statuten 2020» um eine Modernisierung der veralteten Statuten zu kümmern. Der Inhalt dieses Projekts wurde verschiedenen Fanvertretern bereits im Januar und Februar dieses Jahres präsentiert. Auch Hablützel war bei diesen Anlässen zugegen. Doch er ist pessimistisch. Zum einen, weil der Delegierte auch gemäss der neuen Statuten aus dem Vereinsvorstand kommen soll, und zum anderen, weil es mittlerweile ruhig um das Projekt geworden sei. Peter Hablützel sagt: «Es hat sich alles im Sand verlaufen.» Doch das stimmt so nicht. Laut bz-Informationen sollen die neuen Statuten den Mitgliedern an der kommenden GV zur Abstimmung vorgelegt werden.

Aus Angst um seinem Herzensverein soll diese GV gemäss Hablützel aber nicht erst im Oktober stattfinden. «Durch Geisterspiele fehlen Einnahmen. Wer weiss, wie es im Oktober aussieht», sagt Hablützel und prescht deswegen mit seiner Petition erneut vor. Ein Konzept, wie die GV trotz Coronamassnahmen schon zu einem früheren Zeitpunkt im Stadion stattfinden könnte, liefert er gleich mit. «Es werden nur jede dritte Sitzreihe und nur jeder vierte Sitzplatz besetzt, sodass das Social Distancing gewährleistet wird», schreibt Peter Hablützel. Insgesamt fänden so bis zu 3400 Mitglieder im Joggeli Platz. In seinem Schreiben weist er ausserdem darauf hin, dass die kantonalen Behörden gemäss Covid-19-Verordnung in Ausnahmefällen Versammlungen bewilligen können.

Burgener braucht die Bestätigung der Mitglieder

FCB-CEO Roland Heri schickt auf Anfrage folgendes Statement, das nur ungekürzt veröffentlicht werden darf: «Bekanntlich hat der Bundesrat im Rahmen der aktuellen Pandemie die COVID-19-Verordnung 2 erlassen, welche unter anderem ein Verbot von Veranstaltungen vorsieht. Dieses Verbot hat nach wie vor Geltung und wir sind verpflichtet, uns daran zu halten. Aus diesem Grund hat sich die Klubleitung dafür entschieden, die Generalversammlung, welche ursprünglich im Juni hätte stattfinden sollen, zu verschieben. Dabei haben wir uns auch vom Grundsatz leiten lassen, dass alle Mitglieder an der Generalversammlung die Möglichkeit haben sollen, sich zu allen Traktanden und Anträgen der Klubleitung zu äussern, diese im Rahmen der Diskussion kritisch zu würdigen und schliesslich einen Entscheid zu fällen. Dies wäre im Rahmen einer elektronischen oder sogar nur schriftlich durchgeführten Generalversammlung nicht sichergestellt.»

Damit wird deutlich, dass der FCB seine GV-Pläne wegen des Vorstosses von Hablützel nicht ändern wird. Doch spätestens jetzt dürfte allen klar sein, dass an dieser GV – wann auch immer sie stattfinden wird – jede Menge Zündstoff mit dabei ist. Burgener betont gerne, dass er den Verein nur führen will, wenn auch die Mitglieder hinter ihm stehen. Seine Stimmanteile sanken von Jahr zu Jahr: 2017 waren es noch 82 Prozent, 2018 dann 78 Prozent, und 2019 voteten bloss 65 Prozent der anwesenden 1515 stimmberechtigten Mitglieder für den auch 2020 weiter in der Kritik stehenden Präsidenten. «Ich sehe die Neins und die Enthaltungen als Herausforderung und nehme die Botschaft so auf», sagte Burgener vor einem Jahr. In Anbetracht der vielen selbstausgelösten Störfeuer rund um den FCB und dessen Präsidenten und der Reaktion der Fans könnte die Botschaft 2020 noch deutlicher ausfallen.

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