Super League
Nur ein Schrittchen weiter: Samuele Campo nutzt seine Chance – wird aber dennoch hinten anstehen müssen

Er hätte gar noch der ganz grosse Held werden können. Aber Samuele Campo haut den Ball in der Nachspielzeit ans Aussennetz. Als er das realisiert, setzt er sich kurz auf den Boden. Er weiss auch, wie wichtig dieses Tor gewesen wäre.

Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Seit Anfang Mai erstmals wieder über 90 Minuten auf dem Platz: Samuele Campo.

Seit Anfang Mai erstmals wieder über 90 Minuten auf dem Platz: Samuele Campo.

Freshfocus

Schliesslich wäre es das gewinnbringende 2:1 für den FC Basel in einem Klassiker gegen den FC Zürich gewesen, den der FCB durchaus auch hätte verlieren können. Am Ende aber gibt es eine Punkteteilung. Ein 1:1, das Campo «gerecht» findet, und über das er sich womöglich mehr als alle anderen freut. Denn dieses Remis ist so etwas wie der Startschuss seiner Karriere unter Marcel Koller.

Bislang hatte Campo einen schweren Stand gehabt unter Koller. Und das, obwohl auch Koller die Qualitäten des hochveranlagten Campo erkannt hat, sagt er doch, dass Campo «mit seiner Technik und seiner Übersicht sehr wertvoll ist für uns». Dennoch durfte der 23-Jährige bislang einzig im Cup von Beginn an ran. Die restlichen Spiele musste er mit ansehen, wie Luca Zuffi auf «seiner» Zehnerposition einen überragenden Job macht.

Zürichs Jagne Pa Modou, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:1.
13 Bilder
Zürichs Trainer Ludovic Magnin
Kevin Rueegg
FCZ-FCB, 26.08.2018
Die Basler jubeln nach dem 1:0 Tor.
Basels Ricky van Wolfswinkel, oben, spielt um den Ball mit Zuerichs Mirlind Kryeziu, unten.
Trainer FC Koller; am Spiel
352766825
Basels Samuele Campo, rechts, auf dem Weg zum 1:0 Tor.
Basels Taulant Xhaka
Basels Ricky van Wolfswinkel, links, spielt um den Ball mit Zuerichs Jagne Pa Modou.
Basels Trainer Marcel Koller lachend am Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel im Letzigrund.
Basels Eray Cuemart, links, spielt um den Ball mit Zuerichs Benjamin Kololli.

Zürichs Jagne Pa Modou, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:1.

Keystone

Eine ungewohnte Situation für Campo, der unter Raphael Wicky als Herz der Basler Offensive vorgesehen war. «Es ist klar, dass ein neuer Trainer immer Konsequenzen für die ganze Mannschaft hat.» Für Campo gar vielleicht noch etwas grössere als für andere Spieler. «Es hat etwas Zeit gebraucht, bis wir uns haben verständigen können. Er hat etwas Anpassung gebraucht im Training», sagt Koller. Inwiefern, erklärt Campo gleich selber: «Er hat ganz klar gesagt, was er verlangt. Man weiss, dass Marcel Koller einer ist, der verlangt, dass seine Spieler 100 Prozent geben und gehen, vor allem defensiv.» Defensivarbeit also, auch für den kreativen Freigeist Campo? «Ja, er hat mit gesagt, dass ich auch defensive Aufgaben zu erledigen habe. Ich denke, ich habe heute bewiesen, dass ich das kann.»

Erkennbare Erleichterung

Tatsächlich ist Campo gegen die Zürcher insbesondere in der zweiten Halbzeit des Öfteren defensiv gefordert und erledigt seine Aufgaben pflichtbewusst. Aber es wird nicht nur das sein, was Koller dazu verleiten lässt, zu sagen, dass «er das heute hervorragend gemacht hat». Nun, hervorragend war es nicht. Aber gut. Auch Campo selber zeigt sich nach dem Spiel zufrieden mit seiner Leistung. Vor allem dank der Szene in der 39. Minute. Noah Okafor leitet den Ball zu Taulant Xhaka weiter, der sich am linken Flügel stark durchsetzt und auf den zum Fünfmeterraum heraneilenden Campo durchsteckt.

Martin Hansen: 4 Macht eigentlich eine ganz ansprechende Partie und hält mehrmals stark, dann aber rutscht ihm Pa Modous Kopfball unter dem Körper durch.
14 Bilder
Silvan Widmer: 4,5 Zu Beginn deutlich aktiver in der Offensive als noch gegen Limassol unter der Woche. Baut in der zweiten Halbzeit deutlich ab.
Eray Cömert: 5 Klärt in der 41. Minute einen Abschluss von FCZ-Innenverteidiger Bangura auf der Linie. Stark mit dem Kopf, stark im Zweikampf. Hinten der Boss.
Fabian Frei: 4 Muss aufgrund von Eder Balantas Verletzung wieder eine Reihe zurück. Fühlt sich in der Innenverteidigung sichtlich weniger wohl.
Raoul Petretta: 4 Weniger im Angriff involviert als Widmer, aber defensiv praktisch ohne Fehler. Kurz vor Schluss verstolpert er den Ball, Glück, dass Frei klären kann.
Taulant Xhaka: 4,5 Es ist, als wäre er nie verletzt gewesen. Anfänglich noch ein bisschen passiv, mit fortlaufendem Spiel immer präsenter. Kämpferisch tadellos.
Geoffroy Serey Die: 4 Ob er Hekurian Kryeziu noch im Traum verfolgt? Löscht den FCZ-Spielmacher ab, schont weder sich noch Gegner. Teils fehlerhaft im Aufbau.
Ricky van Wolfswinkel: 3,5 Macht eigentlich defensiv ein ansprechendes Spiel und gewinnt viele Kopfballduelle. Lässt dann aber Pa Modou unbedrängt einnicken.
Samuele Campo: 4,5 Braucht Zeit, bis er im Spiel ankommt. Trifft dann aus der Drehung zur FCB-Führung. Sekunden vor Schluss vergibt er aber den Matchball.
Noah Okafor: 4 Setzt sich vor dem 1:0 stark gegen FCZ-Abwehrroutinier Alain Nef durch. Hat das 2:0 auf dem Fuss, ist aber zu zögerlich. Zuffi ersetzt ihn.
Albian Ajeti: 4 Hat einen schweren Stand gegen die FCZ-Fünferkette. Trotzdem behauptet er den Ball immer wieder. Im Abschluss ohne Glück.
Luca Zuffi: 4 Zu Beginn geschont. Als er kommt, rückt Campo auf den Flügel. Dann fällt der Ausgleich. Zuffi kämpft, rennt und ackert, hat aber wenig Einfluss.
Afimicio Pululu: Keine Note Kommt in der 78. Minute für Ajeti . Setzt seinen Körper gut ein, aber muss sich noch ans Tempo gewöhnen. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Dimitri Oberlin: Keine Note Knapp drei Minuten kriegt der 5-Millionen-Mann Auslauf und ein ordentliches Pfeifkonzert gibts obendrauf. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Martin Hansen: 4 Macht eigentlich eine ganz ansprechende Partie und hält mehrmals stark, dann aber rutscht ihm Pa Modous Kopfball unter dem Körper durch.

Zur Verfügung gestellt

«Ich habe den offenen Raum gesehen und war sicher, dass Tauli mir spielen würde. Und dann habe ich einfach draufgehauen.» Und getroffen. Unten links mit einem satten Flachschuss. Die Vollendung eines schönen Spielzugs. Und eine grosse Erleichterung für Campo, die er beim Torjubel nicht verbergen kann. Er hat seine Chance nutzen können und das erste Mal seit Anfang Mai durchspielen dürfen. Ein wichtiger Fakt für einen Spieler, der wie kaum ein anderer Rhythmus braucht, um sein höchstes Level zu erreichen. Dass Campo das noch nicht hat, kann er in diesen 90 Minuten nicht verbergen. Zu schwach sind seine Eckbälle, zu unpräzise sein Abschluss in der Nachspielzeit. Um diese Chance zu verwerten, «hätte alles perfekt laufen müssen», sagt Campo.

Aber perfekt läuft es auch nach diesem Startelf-Einsatz nicht für ihn. Denn auch wenn Koller sagt, «dass wir froh sind, noch einen mehr zu haben, den wir einsetzen können», wird der FCB-Trainer wohl dennoch in Zukunft wieder auf Luca Zuffi als Zehner setzen. Anders ist seine Antwort auf die Frage, wieso er diesen gestern auf die Bank gesetzt hat, nicht zu verstehen: «Wir haben ihm eine Pause geben wollen, schliesslich geht es am Donnerstag schon weiter.» Heisst also, Campo dürfte sich dann erneut auf der Bank wiederfinden. Daran hätte wohl auch das Verw