FC Basel Pro und Kontra
Nach Streller-Rücktritt: Hat Timm Klose das Zeug zum FCB-Leader?

Wenn Marco Streller Ende Saison seine Karriere beendet, reisst das ein Loch in die Mannschaft des FC Basel. Die Galionsfigur wird fehlen. «Ich traue mir die Rolle von Streller zu», sagt Timm Klose dazu. Aber wäre er wirklich der richtige Mann?

Georges Küng und Patrick Bieli
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Timm Klose geht seinen Weg in der Bundesliga. Zuerst beim 1. FC Nürnberg und heute beim Vfl Wolfsburg. Wäre Klose der richtige Mann für die FCB-Innenverteidigung?

Timm Klose geht seinen Weg in der Bundesliga. Zuerst beim 1. FC Nürnberg und heute beim Vfl Wolfsburg. Wäre Klose der richtige Mann für die FCB-Innenverteidigung?

Keystone

Das Pro von Patrick Bieli:

Patrick Bieli

Patrick Bieli

Nordwestschweiz

"Timm Klose hat das Zeug zum FCB-Captain"

Es war eine spezielle Situation, als beim FC Basel mit Alexander Frei, Benjamin Huggel und Marco Streller gleich drei waschechte Basler auf und neben dem Feld den Ton angaben. Präsident Bernhard Heusler sprach deshalb gar von einer einmaligen Ära, die man sich in Erinnerung halten müsse. Denn mit fünf Meistertiteln und drei Cupsiegen, welche die Rotblauen zwischen 2008 und 2013 holten, war es auch eine äusserst erfolgreiche. Mit dem angekündigten Rücktritt von Streller neigt sie sich nun endgültig dem Ende zu und die Frage, welcher Spieler sich für die Nachfolge als regionale Identifikationsfigur am besten eignen würde, ist eigentlich nur mit Timm Klose zu beantworten. Zwar befinden sich mit Fabian Frei und Taulant Xhaka schon jetzt zwei im eigenen Nachwuchs gross gewordene Schlüsselfiguren im Kader. Und auch eine allfällige Rückkehr von Valentin Stocker, Yann Sommer, Eren Derdiyok oder Ivan Rakitic wäre nicht nur aus sportlicher Hinsicht ein Gewinn, sondern würde die regionale Verankerung des Teams deutlich steigern.

Doch bei keinem anderen Spieler überzeugt das Gesamtpaket aus internationaler fussballerischer Qualität, einer Verwurzelung in der Stadt Basel, Führungsqualitäten und einer sympathischen Art, die bei den Fans ankommt, derart wie beim 26-jährigen Innenverteidiger des VFL Wolfsburg. Auch wenn Klose unter Trainer Dieter Hecking derzeit nicht erste Wahl ist, hat er bei seinem vorherigen Verein, dem 1. FC Nürnberg, seine Klasse unter Beweis gestellt. Als Kind und Teenager war er in der Muttenzer Kurve anzutreffen und noch immer verbringt der Nationalspieler jede freie Minute in seiner Heimatstadt. Ausserdem ist er von seinem Charakter her ein kommunikativer und bodenständiger Typ, der sowohl auf als auch neben dem Platz gerne Verantwortung übernimmt.

Sollte Klose seine Auslandskarriere tatsächlich schon nach dieser Saison ad acta legen wollen, wäre er jedenfalls prädestiniert dafür – ähnlich wie Marco Streller bei seiner Rückkehr im Jahre 2007 – beim FC Basel eine neue Ära einzuleiten. Zweifellos würde er auch über die Fähigkeiten verfügen, die Mannschaft dereinst als Captain aufs Feld zu führen.

Das Kontra von Georges Küng:

Georges Küng

Georges Küng

Nordwestschweiz

"Timm Klose wäre weder Leader- noch Integrationsfigur"

Der FCB sollte nach dem Rücktritt von Captain Marco Streller in der kommenden Spielzeit 2015/16 über einen Nachfolger verfügen, der sowohl auf wie neben dem Rasenfeld die Fangemeinde bewegt, ja emotionalisiert. Timm Klose dürfte weder das Eine noch das Andere bewirken.

Timm Klose (26) ist ein hochanständiger, integrer Mann, der eine unerwartete fussballerische Entwicklung gemacht hat. Man darf nicht vergessen, dass der einstige Junior des BSC Old Boys beim FC Basel nie über den Nachwuchs (U21, 1. Liga) hinauskam. Mit 21 Jahren sah sich Klose gezwungen, seinen ersten Profivertrag im Berner Oberland, genauer beim FC Thun, zu unterschreiben. Sein Wechsel, der de facto einem genötigten Wegzug gleichkam, war den regionalen Medien knapp fünf Zeilen wert.

Dass Klose seit Sommer 2011 in der 1. Bundesliga spielt, ist höchst erstaunlich. War er beim späteren Absteiger 1. FC Nürnberg noch Stammspieler, so ist der schlaksige, 193 Zentimeter grosse Klose beim VfL Wolfsburg dankbarer und loyaler Reservist. 15 Matches in fast zwei Spielzeiten sind kein Leistungsausweis.

Es ist gut möglich, dass Rot-Blau in der nächsten Saison einen neuen Innenverteidiger benötigt. Fabian Schär dürfte im Fokus einiger ausländischer Vereine aus besseren Ligen stehen; Walter Samuel sollte kein Thema mehr sein – und ob sich Ivan Ivanov von den beiden Kreuzbandrissen soweit erholen wird, dass er wieder ein sicherer Wert wird, ist fraglich. Bleibt einzig noch Marek Suchy – und spielerisch könnte Klose mit dem Tschechen durchaus ein gutes Duo bilden.

Aber über Leaderqualitäten verfügt Klose nicht. Und auch das Charisma, verbunden mit der Popularität, eines Benjamin Huggel, Alex Frei, Philipp Degen oder Marco Streller ist Klose nicht eigen. Und dies nicht nur, weil er in Frankfurt am Main geboren wurde und eigentlich deutsch-schweizerischer Doppelbürger ist. Dass Klose in der „breiten Masse“ unerkannt bleibt, zeigte sich am letzten Basler Cupfinal im Mai 2014, den sein Stammverein Old Boys auf der Schützenmatte organisierte. Klose weilte als VIP-Gast und Zuschauer auf der „OB-Matte“ – und musste weder Autogramme geben noch Fragen beantworten. Selbst unter den regionalen Fussball-Kennern konnte sich der Bundesliga-Profi inkognito bewegen, was ihm aber nichts ausmachte. Was auch wieder für ihn spricht.