Ganz zu Beginn, da scheint es, als würde der FC Basel seinem roten Faden einfach weiterfolgen. Problemlos, selbstverständlich schon fast. Fünf Umstellungen im Vergleich zum letzten Spiel zum Trotz. Aber der FCB ist in dieser Startphase gegen den FC Thun unbeirrt. Der Flow vom Dienstag und dem Weiterkommen gegen PSV Eindhoven scheint beibehalten

So selbstverständlich der Beginn ist, so schnell aber kommt die Wende. Nach fünf guten Minuten «haben wir danach für die nächsten 20 den Faden verloren», sagt Marcel Koller. Der FCB-Trainer muss zusehen, wie sein Team ein Gegentor kassiert. 1:0 Thun. Wie schon in der Vorwoche gegen St. Gallen geht der stark rotierte FCB in Rückstand. Wie schon in der Vorwoche entsteht das Tor nach einem Eckball.

Ricky van Wolfswinkel lässt Simone Rapp zu viel Raum, dieser geniesst mit seinen 1,93 Metern und seiner Sprungkraft uneingeschränkte Lufthoheit und köpft zum 1:0 ein. Der FCB und die Probleme bei gegnerischen Eckbällen, auch dies ist ein roter Faden in der noch jungen Saison. Rapps Tor ist der dritte Gegentreffer nach einem Eckball, dies im erst fünften Saisonspiel. Vor Rapp gelang es bereits Cedric Itten und Donyell Malen. «Das ist etwas, an dem wir sicher noch arbeiten müssen», sagt FCB-Keeper Jonas Omlin.

Zwischen glücklich und verdient

Nach dem frühen Gegentor verliert der FCB den roten Faden komplett. In der neu formierten Defensive um Debütant Konstantinos Dimitriou schwimmt er zuweilen. Sowohl Stabilität als auch Intensität stimmen nicht, die vielen Wechsel sind spürbar. Die grössere Erfahrung im Vergleich zum St.-Gallen-Spiel – Koller hat dieses Mal beispielsweise Luca Zuffi und Fabian Frei im Team belassen – macht sich aber bezahlt. Der FCB beruhigt sich, fängt sich, findet entlang des roten Fadens zurück ins Spiel. Kurz vor der Pause gleicht der starke Silvan Widmer aus. Es ist ein verdientes Remis zur Pause.

Nach der Pause folgt ein Schlagabtausch. Frei dreht das Spiel in der 58. Minute per Kopf, ehe Basil Stillhart einen Pfostenabpraller in der 70. zum erneuten Gleichstand verwertet. Beide Teams suchen zu diesem Zeitpunkt Ruhe, es ist ein Auf und Ab. Ein Spiel, das auf beide Seiten kippen könnte. Koller, der aus dem Fehler der letzten Woche gelernt und Valentin Stocker dieses Mal zumindest auf die Bank beordert hat, entscheidet am Ende das Spiel mit Stockers Einwechslung. In der 75. bringt er den etatmässigen Captain. Dieser scheint den Faden beim Zusehen keineswegs verloren zu haben, knüpft an seine starke Leistung vom Dienstag an und schiesst den Ball in der 85. zum Sieg.

LASK und die Standards

Hatte Koller letzte Woche die Niederlage auf seine Kappe genommen, so kann er dieses Mal den Sieg auf ebendiese nehmen, schliesslich hat er richtig rotiert und den siegbringenden Joker eingewechselt. Aber am Ende ist der Sieg auch etwas glücklich. Ridge Munsy hatte den erneuten Ausgleich in der 91. auf dem Fuss. Auch deshalb sagt Koller: «Es ist etwas zwischen einem glücklichen und einem verdienten Sieg.»

Viel Zeit, sich auf dem Vollerfolg auszuruhen, bleibt nicht. Am Mittwoch kommt der Linzer Athletik-Sport-Klub, kurz LASK, für das Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde der Champions League nach Basel. Die Linzer haben ihre Hauptprobe ebenfalls gewonnen: 3:0 schlagen sie die Austria Wien auswärts. Aus Basler Sicht nennenswert sind die Art und Weise, wie LASK zwei von drei Toren erzielte: nach Eckbällen. So also, wie der FCB bislang am verwundbarsten war. Will der FCB am Mittwoch im Hinspiel vorlegen, darf sich dieser rote Faden nicht durchziehen.