Super League
Murat Yakin und der VAR: Drei Erkenntnisse nach dem 1:0-Sieg des FC Basel gegen Sion

Der "Basel-Bonus" hat nach dem strittigen Penaltyentscheid beim Spiel zwischen dem FCB und Sion wieder Hochkonjunktur. Dabei gibt es ihn in dieser Saison exakt genauso oft wie den "Sion-Bonus". Von dem hat aber noch nie einer gesprochen.

Jakob Weber
Merken
Drucken
Teilen
Der FC Basel schlägt Sion 1:0.
17 Bilder
Jonas Omlin bedankt sich bei den Fans.
BG FCB Sion
Luca Zuffi verwertet den Elfmeter gegen Sions Torhueter Kevin Fickentscher.
Ungläubige Sion-Spieler nach dem umstrittenen Penaltypfiff.
Kevin Bua wird von Sion-Hüter Fickentscher gefoult.
Zdravko Kuzmanovic wird in der ersten Halbzeit für den verletzen Raoul Petretta eingewechselt.
Basels Luca Zuffi und Kevin Bua besprechen sich vor einem Freistoss.
Sions Torhueter Kevin Fickentscher in Aktion.
Basels Noah Okafor im Kampf um den Ball gegen Sions Burim Kukeli,
Basels Ricky van Wolfswinkel im Kampf um den Ball gegen Sions Birama Ndoye.
Taulant Xhaka settz sich gegen Ayoub Abdellaoui durch.
Die beiden Mannschaften kommen aufs Feld.
Valentin Stocker und Albian Ajeti beim Einwärmen vor dem Spiel.
Sions Trainer Murat Yakin und Basels Cheftrainer Marcel Koller beim Handshake vor dem Spiel.
Marcel Kollers FCB startete mit je einem Sieg und einem Unentschieden in die Rückrunde.
Luca Zuffis FC Basel ist zu Hause gegen Sion seit mehr als 20 Jahren in der Liga unbesiegt.

Der FC Basel schlägt Sion 1:0.

freshfocus

1. Die Sion-Fans sind zurecht wütend, nutzen aber die falschen Argumente

Die Wut im Wallis war nicht nur bei Sion-Präsident Christian Constantin gross. Auf den sozialen Netzwerken schimpften die Sion-Fans über den "Basel-Bonus". Der Grund: Schiedsrichter Alain Bieri hatte auf Elfmeter für den FCB entschieden, obwohl Sion-Goalie Kevin Fickentscher erst den Ball und dann die Beine von Kevin Bua getroffen hatte.

Sion-Boss Christian Constantin stürmte in der Pause auf Schiedsrichter Alain Bieri zu.

Sion-Boss Christian Constantin stürmte in der Pause auf Schiedsrichter Alain Bieri zu.

Keystone

Was die Walliser bei aller Wut auf den Schiedsrichter vergassen: Eigentlich werden sie relativ gesehen genau so oft bevorteilt wie der FC Basel. Zumindest in dieser Saison. Die bz analysiert seit dieser Spielzeit sämtliche Fehlentscheide, die zu Toren, Elfmetern oder roten Karten führen. Demzufolge wurde Sion in der Saison 2018/19 viermal bevorteilt und dreimal benachteiligt. Der FC Basel wurde achtmal bevorteilt und siebenmal benachteiligt.

In der "wahren Tabelle" zählen Tore, denen ein Fehlentscheid vorausging, nicht. Nicht gegebene Elfmeter und zu unrecht aberkannte Tore zählen als Treffer. Je nach Endresultat ergibt sich daraus eine andere Punkteverteilung und hier haben die Sion-Fans ein Argument: Denn in der Endabrechnung hätte der FC Sion tatsächlich drei Punkte mehr, der FC Basel einen Punkt weniger auf dem Konto.

2. Der Videoassistent wird im Cup nur getestet

"Ich hoffe, dass der Videoassistent bald wirklich kommt und nicht nur getestet wird", sagt Sion-Trainer Murat Yakin nach dem Spiel vom Sonntag. Auch sein Kollege Marcel Koller befürwortet die Einführung. Ab der kommenden Super-League-Saison soll der umstrittene VAR auch in der Schweiz zum Einsatz kommen.

Schon beim Cupspiel Sion gegen Basel von Mittwoch in einer Woche sitzt ein Schiedsrichter vor dem Bildschirm. Doch zum Leidwesen von Yakin und Koller werden die Abläufe nur im Hintergrund geprobt. Der Videoassistent wird zu keiner Zeit Einfluss auf die Entscheidungen des Schiedsrichters haben. Noch nicht.

Die Noten zum Spiel:

Jonas Omlin: Note 4.5 Fliegt wie eine Katze durch den eigenen Fünfer, wenn er zur Faustabwehr ansetzt. Muss im ganzen Spiel aber keine einzige Grosschance parieren.
14 Bilder
Silvan Widmer: Note 4.5 Bestätigt seine ansteigende Form. Auch im dritten Spiel 2019 überzeugt er mit einer soliden Verteidigungsleistung und einigen Vorstössen.
Marek Suchy: Note 5 Steht zum ersten Mal nach seinem Achillessehnenriss wieder in der Startelf und macht ein bärenstarkes Spiel. Als wäre er nie weg gewesen.
Eder Balanta: Note 4.5 Spielt gleich mehrere Rollen. Erst Innenverteidiger, dann Linksverteidiger und schliesslich auch leider wieder die des verletzten Dauerpatienten.
Raoul Petretta: Note 4 Muss früh mit Bauchmuskelproblemen raus (25.). Zuvor liefen in der Offensive einige Angriffe über seine linke Seite. Zwingend wurde es aber nie.
Taulant Xhaka: Note 4.5 Hätte einen Elfer rausholen können. Doch statt die Blutgrätsche dankend anzunehmen, überspringt er sie fair. Spielt am Ende hinten links.
Fabian Frei: Note 4.5 Die Auswechslung von Raoul Petretta spült ihn wieder in die Innenverteidigung. Auch dort luchst er den Sion-Stürmern so manchen Ball ab.
Noah Okafor: Note 4.5 Schiesst nicht aufs Tor, spult aber ein enormes Laufpensum ab. Seine Schnelligkeit ist eine Waffe. Leider setzt er sie nur selten zielbringend ein.
Luca Zuffi: Note 5 Er besiegt den Basler Penaltyfluch. Erstmals seit November 2017 trifft mit ihm wieder ein FCB-Spieler vom Punkt. Der Gegner hiess beide Male Sion.
Kevin Bua: Note 4.5 Ein vermeintliches Foul an ihm führt zum Elfmeter. Bua kommt oft am Gegner vorbei, doch am Ende trifft er leider auch oft die falschen Entscheidungen.
Ricky van Wolfswinkel: Note 4 Hat als alleinige Sturmspitze einen schweren Stand. Bis auf eine geniale Hackenvorlage auf Zuffi ist er kaum zu sehen. Dabei spielt er 90 Minuten.
Zdravko Kuzmanovic: Note 4.5 Kommt in Minute 25 rein und eröffnet fast jeden Angriff. Angebliche konditionelle Mängel sieht man ihm bis auf den kleinen Bauchansatz nicht an.
Samuele Campo: Note 4 Nach 66 Minuten kommt er für Balanta ins Spiel. Anders als vor einer Woche macht er in gut einer halben Stunde aber kaum auf sich aufmerksam.
Valentin Stocker: Keine Note Ersetzt in der 76. Minute den von Krämpfen geplagten und hinkenden Okafor. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Jonas Omlin: Note 4.5 Fliegt wie eine Katze durch den eigenen Fünfer, wenn er zur Faustabwehr ansetzt. Muss im ganzen Spiel aber keine einzige Grosschance parieren.

ho

3. Linksverteidiger kann doch jeder

Im Amateurfussball spielen die untalentiertesten Kicker oft hinten links. Dort können sie am wenigsten Schaden anrichten, so die Meinung vieler Hobbytrainer. Auch für FCB-Coach Marcel Koller scheint die Position des Linksverteidigers nicht oberste Priorität zu haben. Statt mit Blas Riveros einen gelernten Linksverteidiger auf die Bank zu setzen, nimmt Koller auch gegen Sion lieber einen weiteren Offensivspieler mit ins Aufgebot.

So kommt es, dass sich gegen Sion gleich drei FCB-Spieler als Linksverteidiger versuchen. Weil sich Raoul Petretta verletzt, muss erst Eder Balanta hinten links aushelfen. Als auch der Kolumbianer nicht mehr weiterspielen kann, rutscht Taulant Xhaka für die letzte halbe Stunde auf die Linksverteidigerposition. "Wir haben das trotz aller Umstellungen ganz gut gemacht", sagt Koller und hat damit recht: Weder Balanta noch Xhaka merkt man an, dass hinten links nicht ihre Stammposition ist. Beim FCB gilt anders als bei den Amateuren nicht der untalentierteste hinten links, sondern: Jeder darf mal hinten links.

Die Highlights des Spiels im Video: