Eishockey
Marvin Frunz wechselt vom Glatteis in den bequemen Bürosessel

Basel-Verteidiger Marvin Frunz wechselt etwas überraschend ins „normale Berufsleben.“ Der 27-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere als Eishockey-Profi zurück.

Daniel Monnin
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Marvin Frunz: Eishockey in Zukunft nur noch hobbymässig.

Marvin Frunz: Eishockey in Zukunft nur noch hobbymässig.

Nordwestschweiz

Überraschend? Nein, nein, wiegt Marvin Frunz, der 27-Jährige, seit 2011 eine Stammkraft auf Basler Eis, ab. „Der Entscheid nach meiner ersten Saison mit Basel/KLH mag für viele überraschend sein, für mich stand aber bereits bei meiner Vertragsverlängerung um drei Jahre mit den Basel Sharks fest, dass ich mich beruflich entwickeln und weiterbilden werde.

Nun ist der Entscheid gefallen: Ich lege den Fokus neu auf meine berufliche Weiterbildung.“ Die Schlittschuhe wird er zwar nicht ganz an den Nagel hängen, „doch zu einem Engagement in der zeitaufwändigen 1. Liga reicht es nicht mehr.“ Frunz wird sich deshalb einem regionalen 2.-Liga-Team anschliessen, welchem, weiss er noch nicht, denn sein Transfer wird nicht ganz gratis sein, „es gibt noch Verhandlungen um die Ausbildungsentschädigung, die der neue Klub reglementgemäss zu berappen hat.“

Schweizer Reise von Zug über Lausanne nach Basel

Marvin Frunz war nie ein Star, aber ein behender Techniker und vor allem ein ehrlicher Arbeiter, auch wenn seine Skorerwerte bei den Zuger Elite-Junioren mit fast 1,5 Punkten pro Spiel überdurchschnittlich waren. Frunz, mit 15 NLA-Einsätzen im Fanionteam des EV Zug belohnt, ging den Weg, der für viele Elite-Junioren vorgezeichnet ist: Er entschied sich für einen Vertrag in der NLB, beim HC Lausanne. Drei Jahre verbrachte er im Waadtland, zweimal wurde er NLB-Meister, scheiterte aber mit seinem Team in der Liga-Qualifikation am EHC Biel.

Den Aufstieg erlebte er aus der Ferne mit, denn 2011 wechselte er zu den Basel Sharks. Seine Torproduktion als Flügel hatte sich mittlerweile bei rund 15 bis 20 Punkten pro Saison eingepegelt und seine Qualitäten als Defensivstürmer brachten seinen Trainer Dino Stecher auf die Idee, ihn zum Verteidiger umzufunktionieren. Eine Rolle, die ihm sichtlich behagte. “Er hat an mich geglaubt und mir diese Chance gegeben, das hat die Sache vereinfacht.“

Unter Silberschmied und Haudegen gespielt

„Ich möchte nichts in meiner Karriere missen“, schaut Frunz zurück. Entscheidend geprägt habe ihn die Ausbildung bei den Junioren, unter dem legendären Zuger Nachwuchstrainer Leo Schumacher. Aber auch der WM-Silberschmied Sean Simpson (Zug), NHL-Haudegen John van Boxmeer in Lausanne oder Dino Stecher in Basel haben bei ihm bleibende Eindrücke hinterlassen. Und ganz gerne erinnert er sich an seinen Auftritt mit dem EV Zug als Elite-Junior im Berner Hockeytempel: „Das ist in der Tat ein besonderes Gefühl für einen Spieler, vor 17 000 Zuschauern zu spielen,“ gerät er ins Schwärmen.

Job bei Vater von Louis Heinis

Und dennoch tauscht Marvin Frunz seine durchwegs positiven Erlebnisse auf dem Glatteis mit einem bequemen Sessel an einem Bürotisch. Aus Überzeugung. „Mit dem Konkurs der Sharks hat sich auf einen Schlag alles verändert.“ Der 27-Jährige war nie nur ein destruktiver Spieler, auch nicht als Verteidiger. Seine Übersicht, sein Gefühl für die Auslösung hat ihm nun auch beruflich den Weg geebnet, auch wenn er sagt: „Die Hockeywelt, das Leben als Profi, kannst du in keiner Weise mit einem normalen Berufsleben vergleichen. Ich bin dankbar für alles, was ich erleben durfte, doch nun gilt mein neuer Fokus der Weiterbildung als Personalberater und meinem Job bei der „Rhy Personal AG“, notabene der Firma des Vaters seines ehemaligen Clubkollegen Louis Heinis. Er befinde sich in einem guten Alter für den definitiven Umstieg, lächelt er.

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