Tennis
Marco Chiudinnelli ist in Genf nur das fünfte Rad am Wagen

Der Füllinsdorfer Marco Chiudinnelli ist im Davis-Cup in Genf nur noch Zuschauer. Eine Rolle, die ihm überhaupt nicht behagt und mit der sich nicht zufrieden geben will.

Michael Wehrle, Genf
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Im Training lachte er noch, jetzt bleibt Marco Chiudinelli im Davis-Cup nur noch die Statistenrolle. keystone

Im Training lachte er noch, jetzt bleibt Marco Chiudinelli im Davis-Cup nur noch die Statistenrolle. keystone

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Er hatte sich so gefreut. Maco Chiudinelli fieberte dem Davis-Cup-Viertelfinal gegen Kasachstan förmlich entgegen. Doch dann traf ihn der Hammer. Captain Severin Lüthi sortierte den Basler aus. Der 32-Jährige ist im Moment nur noch die Nummer fünf im Team und damit zum Zusehen verurteilt, weil jede Mannschaft nur vier Spieler melden darf.

«Das ist für mich eine der grössten Enttäuschungen in meiner ganzen Karriere», sagt Chiudinelli. Wie aus heiterem Himmel habe es ihn getroffen. «Schliesslich habe ich alles gemacht, um in Form zu sein, ich habe extra auf ein Turnier verzichtet und trainiert», erklärt er. Und er fühle sich in Form. «Die Eindrücke aus dem Training», nannte Lüthi als ersten Grund, weshalb Chiudinelli über die Klinge springen musste.

«Jetzt muss ich den Davis-Cup ein bisschen hinterfragen», sagt er. Bisher habe er den Teamwettkampf als sein wichtigstes Ziel in diesem Jahr angesehen. Noch in der ersten Runde hatte Chiudinelli mit Michael Lammer im Doppel den dritten Punkt zum Sieg in Serbien beigesteuert. Und im Herbst hatte er im Playoff gegen Ecuador als zweiter Einzelspieler mit einem Sieg ebenfalls grossen Anteil am Klassenerhalt in der Weltgruppe.

Nach Mansdorf jetzt Vacek

«Ich muss vielleicht etwas mehr auf mich schauen», sagt er, nicht alles dem Davis-Cup unterordnen. «Aber ich möchte mich natürlich auch wieder für den Halbfinal im September empfehlen, ich bin nämlich sicher, dass wir den erreichen», betont er.

In Halle hatte sich Chiudinelli vorbereitet. «Vor einem Jahr musste ich mich von Trainer Amos Mansdorf trennen, er war krank und konnte nicht mehr mit mir reisen», blickt er zurück. Eine Zeit lang sei er alleine unterwegs gewesen, doch das habe ihm nicht richtig gepasst. «Jetzt habe ich in Halle wieder etwas aufgegleist und arbeite mit Jan Vacek, einem ehemaligen Profi», erzählt er. Nicht immer, aber einige Wochen im Jahr. «Ich möchte mit ihm wieder etwas Struktur in meine Planung bringen», erklärt Chiudinelli.

Geplant hatte er nach dem Davis-Cup eine kurze Pause. Das ändere er aber nun. «Ich reise jetzt nach Asien, spiele dort einige Turniere, auch um mch abzulenken, so verarbeite ich die Enttäuschung wohl am besten», blickt er ein wenig in die Zukunft. Chiudinelli fühlt sich in Asien immer wohl, zuletzt schaffte er es vor einem Monat beim Challenger-Turnier von Kyoto bis in den Halbfinal. «So wie es jetzt gelaufen ist, wäre ich besser in Japan geblieben und hätte dort noch einmal gespielt», sagt er

Kopf wieder frei kriegen

Nach dem Asientrip will er beim French Open die Qualifikation bestreiten. «Nach Paris kann ich mit dem Zug fahren, das nehme ich schon mit», erklärt er. Und anschliessend spiele er wohl auch die Qualifikation von Wimbledon. «Das ist zwar noch nicht ganz sicher, aber Wimbledon reizt halt schon», sagt er.

Auf Platz 199 der Weltrangliste liegt Chiudinelli im Moment. Das Potenzial, sich wieder nach oben zu schaffen hat er nach wie vor. Wichtig wird nun sein, dass er den Kopf wieder frei kriegt und sein Spiel abruft. Dann dürfte er auch für Severin Lüthi wieder zum Thema werden, wenn denn die Schweizer tatsächlich im Halbfinal stehen.

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