FC Basel
Manuel Akanji: Die erste Duftmarke eines Ungeduldigen

Da sich der argentinische Routinier Walter Samuel früh verletzte, kam Manuel Akanji am Sonntag in Sion unverhofft zu seinem ersten längeren Super-League-Einsatz für den FC Basel.

Sebastian Wendel
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Symbolisch: Manuel Akanji (l.) kommt in Sion für Walter Samuel in die Partie.

Symbolisch: Manuel Akanji (l.) kommt in Sion für Walter Samuel in die Partie.

Urs Lindt/freshfocus

Mehr Symbolik geht nicht: Walter Samuel, 37 Jahre alt und gestählt aus etlichen Schlachten auf allerhöchstem Niveau, wich nach sieben Minuten Manuel Akanji, 20 Jahre alt und mit gerade drei Super-League-Minuten in den Beinen. Vorgesehen war diese Romantik nicht, vielmehr aus der Not geboren. Samuel sollte in Sion eigentlich durchspielen, verspürte dann aber schon beim Einlaufen Schmerzen in der Achillessehne und musste kurz nach dem Anpfiff kapitulieren.

Das Ganze war aber ein Vorgeschmack auf den kommenden Sommer. Dann nämlich wird Samuel seine Karriere beenden, so hat er das kürzlich in der «NZZ» gesagt. Und der schweizerischnigerianische Doppelbürger Akanji soll die Rolle des Innenverteidigers Nummer 3 übernehmen. Vielleicht aber geht noch viel mehr. Vielleicht ist Akanji dann bereits ein Stammspieler. Vielleicht geht es bei ihm so schnell wie vor drei Jahren bei Fabian Schär, der ebenfalls nach einer Länderspielpause ins Team rückte und fortan nicht mehr wegzudenken war aus der Innenverteidigung.

Die Chance, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, hat Akanji wohl in dieser Woche: Es zeichnet sich ab, dass Samuel am Donnerstag gegen Belenenses Lissabon und am Sonntag gegen YB weiter zuschauen muss. Und Daniel Hoegh sowie Ivan Ivanov, die weiteren Innenverteidiger im Kader, sind nach ihren Verletzungen noch kein Thema. Zudem hinterliessen sowohl Hoegh als auch Ivanov in ihren bisherigen Einsätzen für den FCB keinen unwiderstehlichen Eindruck.

Manuel Akanji kam vor der Saison vom FC Winterthur zum FCB.

Manuel Akanji kam vor der Saison vom FC Winterthur zum FCB.

Keystone

Wie Akanji über die längerfristige Zukunft denkt, wollte er nach dem Schlusspfiff in Sion nicht verraten. Er sagte nur, dass er sich freue über den ersten längeren Einsatz in der Super League, der ihm gut gelungen sei. Die letzte Saison verteidigte er für den FC Winterthur in der Challenge League, nach dem Wechsel zum FC Basel spielte er nur im Cup gegen Unterklassige mit den Profis, sonst mit der U21 in der Amateurliga. Akanji in den Katakomben des Tourbillons: «Es geht hier schon alles viel schneller als in den Ligen, in denen ich zuvor gespielt habe. Jetzt trainiere ich wieder hart und warte einfach ab, wie sich der Trainer entscheiden wird.»

Fischer lobt Akanji

Urs Fischer fand positive Worte für Akanjis Auftritt. Fragen nach einem Innenverteidiger-Problem, die nach dem Ausscheiden Samuels aufkamen, erstickte er denn auch umgehend im Keim: «Ich vertraue allen Spielern, die ich zur Verfügung habe, zu 100 Prozent. Auch Manu.» Keine Bedenken, Akanji ausgerechnet in der hitzigen Atmosphäre im Sittener Tourbillon ins kalte Wasser zu werfen? Fischer: «Auf keinen Fall. Ich arbeite nun schon einige Wochen mit ihm zusammen und weiss, was er kann. Und sowieso gilt doch: Wer beim FC Basel einen Vertrag unterschreibt, der hat Potenzial.»

Etwas später liess der FCB-Trainer im kleinen Kreis jedoch durchblicken, dass der Umgang mit Akanji nicht immer einfach war. «Manu hatte eine Ungedulds-Phase, in der ich ihn zügeln musste. Er war nicht zufrieden damit, hinten anstehen zu müssen. Wir haben die Dinge angesprochen, er hat es gut angenommen und seine Chance hier in Sion genutzt.» Wichtig sei, dass Akanji jetzt, nachdem der erste Schritt zum Super-League-Spieler getan ist, bescheiden bleibe. «Das gilt nicht nur für Manu: Die Jungen dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie schon 100 Spiele auf diesem Niveau absolviert haben.»

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