VAR da was?
Knifflige Entscheidungen: Beim FCB-Sieg gegen Servette kommt zum ersten Mal im Joggeli der VAR zum Einsatz

Der FC Basel gewinnt mit 3:1 gegen Servette. Das Ergebnis ist verdient, hätte aber auch anders ausfallen können, wenn Schiedsrichter in Zusammenarbeit mit dem VAR eine kritische Szene genauer beäugt hätte.

Jakob Weber
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Bald kriegt Kevin Bua (l.) Konkurrenz von Steve Rouiller (r.).
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Servette Trainer Alain Geiger will sein Team noch einmal antreiben.
Silvan Widmer (l.) versucht Sebastien Wüthrich am Pass hindern.
BG: FC Basel - Servette
Kevin Bua (r.) und Luca Zuffi (l.) feiern das entscheidende Tor.
Kevin Bua (r.) schiesst das 3:1 für den FC Basel.
Vincent Sasso (l.) und Kemal Ademi (r.) wollen den Ball noch irgendwie erreichen.
Wer ist schneller, Silvan Widmer (l.) oder Timothe Cognat?
Taulant Xhaka (r.) verpasst Timothe Cognat (l.) eine Ohrfeige.
Taulant Xhaka (l.) und Timothe Cognat tauschen Nettigkeiten aus.
Kemal Ademi (l.) jubelt mit Trainer Marcel Koller (r.) über sein Treffer zum 2:1.
Varol Tasar (unten) muss gegen Silvan Widmer (2.v.l) untendurch.
Das Bild zum Slapstick-Eigentor der Genfer. 1:0 für Basel.
Kemal Ademi (r.) und Vincent Sasso (l.) kämpfen bis zum Boden um den Ball.
Von Linz wurde der FC Basel in die Zange genommen. Läuft es gegen Servette besser?

Bald kriegt Kevin Bua (l.) Konkurrenz von Steve Rouiller (r.).

Keystone

In der 25. Minute hat sich Taulant Xhaka nicht im Griff. Erst tritt er Servette-Flügel Tasar in die Hacken, dann schubst er Wüthrich weg, um anschliessend den heraneilenden Cognat mit einer Ohrfeige abzuwehren. Schiedsrichter Alessandro Dudic wird von Videoschiedsrichter Fedayi San kontaktiert, lässt sich von diesem aber in seiner Entscheidung nicht umstimmen. Er konsultiert zum grossen Glück für den FC Basel auch nicht den Video-Screen an der Seitenlinie. Denn die TV-Bilder sind eindeutig. «Das war eine klare rote Karte, aber der Schiri wollte nicht schauen. Basel war aber trotzdem besser», analysierte Servette-Trainer Alain Geiger nach dem Spiel treffend.

Zum Zeitpunkt, als Xhaka die Sicherungen durchbrennen, steht es zwischen Basel und dem bis dato noch ungeschlagenen Aufsteiger aus Genf 1:1. Ein kurioses Eigentor von Rouiller, der vom auf der Linie klärenden Mitspieler angeschossen wird, bringt den FCB bereits in Minute 4 in Führung. Ein Ballverlust von Kemal Ademi und ein Servette-Konter führen eine Viertelstunde später zum Ausgleich. Torschütze Wüthrich geht im Zentrum völlig vergessen.

In der Folge verliert der FCB das Spiel aus der Hand. Zahlreich Fehlpässe laden die Gäste immer wieder zu Chancen ein. Doch Servette-Sturmspitze Koné vergibt auch seine zweite Hundertprozentige kläglich. Nachdem Xhaka trotz Tätlichkeit weiterspielen darf, kommt es für den FCB noch besser. Einen Pfostenschuss von Valentin Stocker, köpft Ademi noch vor der Pause zum 2:1 in die Maschen.

Die Highlights im Video:

Nach dem Seitenwechsel bleibt Xhaka in der Kabine. Von den giftigen Genfern hart angegangen, hat er Schmerzen an der Hüfte. Der FCB startet ohne Xhaka optimal in Durchgang 2. Stocker verwandelt gleich den ersten Abschluss zum vermeintlichen 3:1. Doch wieder greift sich Dudic ans Ohr und diesmal hört er auf den VAR. Er schaut sich das Tor selber nochmal an und entscheidet auf Offside. Ademi soll – hauchdünn im Abseits stehend – die Sicht des Torhüters behindert haben.

Blind warten, bis der Schiri etwas entscheidet

Die Fans im Joggeli bekommen auf der Videoleinwand anders als die TV-Zuschauer zu Hause keine Bilder der strittigen Szenen zu sehen. Sie werden lediglich informiert, dass eine VAR-Überprüfung stattfindet, und müssen die Entscheidung dann zur Kenntnis nehmen. Diese suboptimale Situation entsteht, weil die Bildqualität der Leinwände in der Super League nicht überall gut genug ist und die Vereine und nicht die Liga, die Videowände bespielen.

Der FCB lässt sich durch die doppelte VAR-Premiere im Joggeli allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Servette kommt nur noch selten zu Ausgleichschancen. Der FCB selber trifft nach einer Drangperiode noch ein drittes Mal. Der eingewechselte Kevin Bua sorgt in der 81. Minute für die Entscheidung und schreibt mit seinem ersten Saisontor die fussballromantische Geschichte dieses Spiels.

Wegen dem Linz-Spiel fällt die Geburtstagsparty aus

Bua ist in Genf aufgewachsen und hat für Servette vor sechs Jahren in der Challenge League debütiert. Am Samstag vollendet er elf Minuten nach seiner Einwechslung eine Campo-Vorlage per Distanzschuss zum 3:1. Im allerersten Spiel gegen seinen Jugendklub trifft Bua gleich und beschenkt sich damit selbst zum 26. Geburtstag, den er am Sonntag feierte.

Eine grosse Party gab es am Samstagabend aber nicht. Bua feierte seinen Ehrentag «gemütlich» mit Freunden bei sich zu Hause. Denn schliesslich stand am Sonntag auch noch ein Training an. Das Rückspiel in der Champions League Qualifikation in Linz wirft bereits seine Schatten voraus. «Wir wollen eine Runde weiter und müssen diese Mannschaft schlagen», sagt Bua. Dafür verzichtet er auch gerne auf seine Tor- und Geburtstagsparty.

Die Noten zum Spiel:

Jonas Omlin: 4,5 – Statt in Paraden übt sich Omlin im Abfangen von Flanken. Hat Glück, dass Servettes Koné gleich zweimal freistehend das leere Tor verfehlt.
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Silvan Widmer: 4 – Macht teilweise den Anschein, als würde er sich 90 Minuten für das Spiel am Dienstag in Linz schonen.
Eray Cömert: 4,5 – Gutes Spiel mit einem Makel. Er verliert einen Prellball gegen Tasar, der beinahe zu einem Gegentor führt.
Omar Alderete: 4 – Sein Fehlpass als letzter Mann führt glücklicherweise nicht zu einem Gegentor. Am Dienstag in Linz darf er sich solche Patzer nicht leisten.
Raoul Petretta: 4,5 – Bereitet die FCB-Führung vor, kommt beim zwischenzeitlichen Ausgleich aber nicht rechtzeitig zurück.
Eder Balanta: 4 – Seine Passquote lässt stark zu wünschen übrig. Nur die Zweikampfstärke macht diesen Auftritt genügend.
Taulant Xhaka: 3 – Koller forderte vor dem Spiel «wilde Tiere» und bekommt einen wilden Xhaka. Dieser hat Glück, dass er für seine Ohrfeige in Halbzeit 1 trotz Eingreifen des VAR nicht vom Platz gestellt wird. Ein Schlüsselmoment.
Noah Okafor: 4,5 – Flitzt vor dem 1:0 allen davon und legt perfekt auf den hinterlaufenden Petretta auf. Nicht nur deswegen sein bislang bestes Saisonspiel.
Samuele Campo: 5 – Bei Sonnenschein blüht der Schönwetterfussballer auf. Er ist gleich doppelt an der Führung beteiligt und legt auch das 3:1 sehenswert auf.
Valentin Stocker: 4 – Bemüht aber unglücklich. Schiesst das erste FCB-Tor, das vom VAR annulliert wird. Ademi stand nach Stockers Abschluss in der Schussbahn im Offside.
Kemal Ademi: 5 – Ist einen Kopf grösser als die Genfer Verteidiger und nutzt dies beim Abstauber-Treffer zum 2:1 perfekt aus.
Fabian Frei: 4,5 – Kommt zur Pause für den rotgefährdeten und angeschlagenen Xhaka. Bringt viel mehr Ruhe ins Spiel.
Kevin Bua: 5 – Der Genfer darf ab der 70. Minute erstmals gegen seinen Jugendverein ran. Schiesst das 3:1 und jubelt aus Respekt wie angekündigt nicht.
Luca Zuffi: keine Note – Ersetzt in der 78. Petretta und sorgt dafür, dass sich Balanta als Linksverteidiger versuchen darf. Für eine Bewertung reicht der Einsatz nicht.

Jonas Omlin: 4,5 – Statt in Paraden übt sich Omlin im Abfangen von Flanken. Hat Glück, dass Servettes Koné gleich zweimal freistehend das leere Tor verfehlt.

FC Basel