Briefe für Tokio

Jason Joseph: «Ich denke, dass Olympia abgesagt wird»

Jason Joseph versucht trotz schwierigen Zeiten, die Motivation nicht zu verlieren.

Jason Joseph versucht trotz schwierigen Zeiten, die Motivation nicht zu verlieren.

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2020. Lesen Sie den vierten Brief von Hürdensprinter Jason Joseph, der zu «Home-Training» verdonnert wird und einen Appell an die Bevölkerung richtet.

Seit meinem letzten Brief hat sich Vieles grundlegend verändert. Meine Hallensaison war kurz, knackig und den Schweizermeistertitel habe ich erfolgreich verteidigt. Anschliessend war mir eine kurze Trainingspause zur Erholung gegönnt. Naja, hätte ich damals gewusst wie es heute aussieht, hätte ich wohl auf die Pause verzichtet...

Voller Motivation stieg ich anschliessend wieder ins Training ein. Dann schlug das Corona-Virus zu. Anfangs dachte ich noch, alles würde sich schnell wieder legen. Doch leider hat das Ganze einen anderen Weg eingeschlagen und weltweit riesengrosse Ausmasse angenommen. Jetzt sitze ich hier und verfasse diesen Brief im Wissen, dass ich später nicht ins Training gehen kann. Ohne dieses Virus wäre ich nächste Woche in die USA in ein vierwöchiges Trainingslager geflogen. Aufgrund des Einreiseverbotes und natürlich vor allem auch, um mich und die Gesellschaft zu schützen, kann und darf ich jetzt nicht fliegen. Das stimmt mich traurig. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, endlich einmal mit Weltklasse-Athleten trainieren zu dürfen, um von ihren Erfahrungen zu profitieren. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, diese Chance zu einem späteren Zeitpunkt nutzen zu können.

Die ganze Situation ist verzwickt. Ich weiss nicht wann, wo, wie und ob ich in nächster Zeit überhaupt ein richtiges Training durchführen kann. Zurzeit heisst es für mich: «Home-Training». Und das in einem Jahr wie diesem! Ein Jahr, das mein Wichtigstes hätte werden können, denn rein theoretisch stehen immer noch die Olympischen Spiele vor der Tür. Ob diese stattfinden, steht in den Sternen. Ich persönlich denke, dass sie abgesagt werden. Natürlich wünsche ich mir und der ganzen Welt, dass bis Juli alles wieder in Ordnung ist.

In der Zwischenzeit ist die grösste Hürde – auch für alle Nicht-Hürdenläufer – mental stark zu bleiben, positiv zu denken und niemals aufzugeben. Verliert man jetzt die Motivation und steckt den Kopf in den Sand, verliert man den Anschluss. Deshalb meine Bitte an alle: Haltet euch an die Vorgaben und gebt gut auf euch acht. Aber vor allem: Verliert den Mut nicht!

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