Motorsport

«Ich fühle mich wahnsinnig lebendig»: Rennfahrer Jeffrey Schmidt hat Benzin im Blut

Der junge Rennfahrer Jeffrey Schmidt will mit seinem Team «BWT Mücke Motorsport» in der erst gerade gestarteten GT3-Serie ADAC GT Masters - Saison allen davonfahren. Der ehrgeizige Schmidt braucht diese Action wie andere die Luft zum Atmen - doch der Sport bildet nicht die einzige Herausforderung in seinem Leben.

Sieben. Genau so viele Rennwochenenden wird Jeffrey Schmidt in der im April gestarteten GT3-Serie ADAC GT Masters durchleben. Bevor er in seinen Audi steigt, wird der für «BWT Mücke Motorsport» fahrende Schmidt sich mit seinem Teamkollegen Christopher Haase unterhalten, mit dem er schon 2017 zusammen gefahren ist, mit dem er auf schon Bestehendes aufbauen kann. Er wird die Rufe der Zuschauer hören, die Spannung in der Luft spüren.

Dann wird er seinen Helm anziehen. Und plötzlich isoliert, abgeschottet von all dem sein. In seiner eigenen Welt. Was ihm dabei durch den Kopf gehen wird? «Egal was vorhin passiert ist, ich bin nur auf den einen Moment, den Start fokussiert», sagt er. «Ich fühle mich wahnsinnig lebendig, spüre jeden Zentimeter meines Körpers und zähle nur noch die Sekunden bis zum Start.»

Tage voller Adrenalin

Obwohl er längst kein Neuling mehr ist, werden ihm die Warterei und der lange Prozess dann als wahnsinnig mühsam erscheinen. Bis er endlich losfahren darf. «Sobald das Rennen losgeht, bin ich wie in einem Tunnel. Wo es kein links oder rechts gibt, sondern nur noch die gebündelten Gedanken nach vorne.»

Ein aussergewöhnlicher Zustand, Tage voller Adrenalin. Doch obwohl die Rennwochenenden intensiv sein werden: In ein Loch fallen wird Jeffrey Schmidt nach seiner Rückkehr in seinen Alltag nicht – weil auch dieser alles andere als ruhig ist. Nach seinem beendeten Wirtschaftsstudium hat er ein Start-up gegründet, das sich darauf spezialisiert hat, effektive und reine Kosmetikprodukte zu entwickeln und zu verkaufen.

Eine gute Lebensschule 

Im ersten Augenblick erscheint das wie ein Widerspruch zu dem als umweltschädlich verschrienen Motorsport. Doch Schmidt sieht das anders: «Der Sport ist stetig bestrebt, die Autos effizienter, besser und sicherer zu machen. Von diesen Entwicklungen profitiert auch der Normalverbraucher.» Und obwohl er sich nebst der Arbeit im Start-up auch um die administrative Seite seiner Karriere kümmert, täglich Fitnesstraining betreibt und selten vor Mitternacht das Licht in seinem Büro löschen kann:

Von einer zu hohen Belastung will er nichts wissen. «Ich mag es, wenn meine Tage gefüllt sind mit Arbeit und Terminen. Zudem kann ich beides gut kombinieren. Durch den Motorsport habe ich gelernt, mit Druck umzugehen, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er ist eine gute Lebensschule.»

Der Wunsch nach mehr Einfluss

Während die anderen Fahrer sich nur auf ihre Karriere im Motorsport fokussieren, will Jeffrey Schmidt mehr. Sich auf nichts ausruhen, immer weiter vorangehen. Nach dem guten Start in die Serie, den er in Oschersleben (DE) auf Platz 3 beendet hatte, musste er sich am Wochenende im Sonntagsrennen in Most (CZ) mit Platz 9 begnügen.

Um wieder auf die Erfolgsspur zurückzufinden, muss das ganze Team in den nächsten Rennen wieder alles geben. Und zwar vom Mechaniker, über den Techniker bis hin zu den Fahrern. Für Jeffrey Schmidt nicht immer ganz leicht. An manchen Tagen wünsche er sich, ein Tennisspieler zu sein, sagt er. Oder eine andere Sportart auszuüben, die sich leichter beeinflussen lasse.

Bald auch Werksfahrer?

Wenn er davon redet, dass in diesem Sport Freud und Leid so nahe beieinander liegen, wie in keinem anderen, so hat er vermutlich recht. Kleinigkeiten entscheiden über Sieg oder Niederlage. Jedes Rädchen im System muss genauestens funktionieren. Oft macht man alles richtig und scheitert dennoch. «Doch genau das macht den Sport spannend», sagt er.

Jeffrey Schmidt will ihn keineswegs missen, ihm treu bleiben. Mit etwas Glück bald auch als Werksfahrer. Schon zweimal durfte er für das Audi-Werksteam fahren, doch irgendwann möchte er einen festen Platz im Team eines Herstellers ergattern. Wie er sich seine Zukunft sonst vorstellt? Zuerst einmal will der mit seinem Team als Favorit geltende Schmidt in seiner dritten Saison überzeugen: «Mein Ziel ist es, in dieser Meisterschaft vorne mitzufahren, sie im besten Fall auch gewinnen.» Daneben möchte er die berühmten Langstreckenklassiker wie den Nürburgring oder Le Mans erfolgreich bestreiten. Seine Kosmetik-Firma weiterhin vorantreiben und gesund bleiben.

Benzin im Blut

Mit dem damit verbundenen Druck weiss er umzugehen, auch, weil er selbst die grössten Erwartungen an sich stellt. Die Liebe zum Sport beflügelt ihn. Benzin im Blut hat der Sohn eines ehemaligen Motocross-Fahrers sowieso.

Die Action und die Schnelligkeit braucht er, wie andere die Luft zum Atmen. Und in drei Wochen werden all die Bedenken, all der Alltag, was gestern war, sowieso verwischt. Im nächsten Rennen im Red Bull Ring in Österreich wird er alles andere hinter sich lassen und nur noch einen Gedanken haben: Als Erster im Ziel einzutreffen.

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