Basketball
Grandiose Aufholjagd wurde nicht belohnt

In einer Partie, die einer veritablen Achterbahnfahrt und einem Wechselbad der Gefühle gleichkam, verloren die Starwings im Tessin gegen SAM Massagno knapp mit 83:87 (27:39).

Georges Küng
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Die Starwings wurden für eine grossartige Aufholjagd nicht belohnt.

Die Starwings wurden für eine grossartige Aufholjagd nicht belohnt.

Georgios Kefalas

Es war zuletzt eine bittere, ja unglückliche Verlustpartie für das Birstaler Kombinat. Zeitweise sah es aber auch nach einer Kanterniederlage aus, denn der Gastgeber führte nach 25 Minuten mit 56:37 und bei den Gästen hatte man das Gefühl, dass die Devise galt: «Rien ne va plus».

In der Tat war bereits in der ersten Halbzeit, zumindest offensiv, wenig Erbauliches produziert worden. Einzig Spielmacher Lorenza Ross genügte höheren Ansprüchen und war für annähernd 50 Prozent der Punkte zuständig. Seine Teamkollegen waren bemüht – und namentlich Murphy Burnatowski wies – nicht zum ersten Male in dieser noch jungen Saison – eine ungenügende Wurfquote auf.

Zu spätes Auf- und Erwachen

Doch als der Kanadier endlich erwachte, da ging ein Ruck durch die «Wings». Und nach 37 Minuten stand es plötzlich 73:74 – «das Wunder von Massagno», in Form einer unverhofften Kehrtwendung, lag in der Luft. Und neun Sekunden vor der Endsirene, beim Stand von 83:81, wäre ein Baselbieter Triumph noch immer möglich gewesen.

Doch Nationalspieler Christophe Varidel (25, 189cm) und der US-Profi Seth Clarence Gearhart (23, 201cm) behielten von der Freiwurflinie die Nerven und sicherten den Luganesi in diesem «Vier-Punkte-Match» um Rang 8 einen wichtigen Triumph.

Die Jugend als Handicap...

Bei den Gästen war ein Mix aus Enttäuschung, Frust und Wut spürbar. Aber gleichzeitig durften Cheftrainer Roland Pavloski und sein Personal auch stolz über eine sehr starke Reaktion sein. Zu hinterfragen ist allerdings, warum die Starwings derartigen Leistungsschwankungen unterliegen. «Uns fehlt ganz einfach die Erfahrung. Unser Plus, und zugleich grösstes Handicap, ist die Jugend. Auch unser ausländisches Profi-Trio ist erst 22 Jahre (Lorenza Ross, Devonte Upson) und 24 Jahre (Burnatowski) alt. Spielmacher Lorenza und Center Devonte bestreiten ihr erstes Profijahr in Europa», so Pavloski.

Den Unterbaselbietern fehlt, neben Teamcaptain Joël Fuchs (er und Burnatowski leiteten die Aufholjagd mit geglückten Dreiern ein), ein zweiter Schweizer Spieler, der konstant auf gutem Nationalliga-A-Niveau spielt. Oder sogar «explodieren» kann – die Varidel, dem unverschämte 36 Punkte glückten. Sicher, der Genfer, welcher bis vor zwei Jahren in den USA studiert und an einem renommierten College gespielt hatte, ist kein Unbekannter. In dieser Saison hat er sechsmal zweistellig geskort – aber sein Rekord waren die 19 Zähler auswärts in Fribourg. Zuhause, gegen den punktelosen Neuling Winterthur, glückten dem wurfstarken Romand gerade mal zwei Zähler.

Es fehlt wenig, aber ...

Dafür hatten die Birsfelder die mit Quinton Day (USA) die eigentliche «Massagno-Punk- temaschine» bestens im Griff. «Hätten wir immer das SAM-Quintett ausgeschaltet, hätten wir ja gewonnen», so Gasttrainer Pavloski. Den Luxus, einen Nationalspieler als 7. Mann ins Spiel zu bringen, hat der Birsfelder nicht. Auch diese Realität muss man akzeptieren, wenn man die bisherige Saison 2015/16 der Starwings analysiert.

Platz 8 und das Erreichen der Playoffs war, ist und bleibt das realistische Saisonziel. Dies zu erreichen muss bereits als Erfolg verbucht werden, denn bis auf die beiden Deutschschweizer Aufsteiger Winterthur und Central Luzern verfügt die Konkurrenz über Mittel und damit Möglichkeiten, welche den Starwings verwehrt sind. Und dies führt zu Niederlagen wie gegen Massagno. Man ist zwar «nahe am Gegner, aber doch nicht ganz», wie Trainer Pavloski heuer bereits einige Male konstatieren muss.

Wichtiger wird jedoch die Saison 2016/17 sein, wenn zwei «grosse Romands» (tendenziell Vevey und Nyon; mit Erlaubnis von Lausanne und Pully) die Nationalliga A auf zwölf Teams ergänzen. Dann wird es auch wieder Absteiger geben – und dagegen muss sich das alemannische Trio aus Birsfelden, Luzern und Winterthur wappnen. «Oder eben junge Spieler weiter entwickeln. Und dies braucht eine gewisse Zeit. Denn Erfahrung gewinnt man mit dem Alter», so der Tenor bei Pavloski und Pascal Donati, welcher der Nachwuchsbewegung vorsteht.

SAM Massagno – Starwings 87:83 (39:27)

Palamondo (Cadempino). – 625 Zuschauer. – SR: Stojcev/Wirz/Ferroni.

Massagno: Day (7), Appavou (2), Gearhart (12), Andjelkovic (5), Badji (22); Varidel (36!), Grüninger (3), Bracelli; Ishiodu, Kraljevic, Magnani, Martino.

Starwings: Ross (20), Fuchs (18), Verga (3), Burnatowski (20), Upson (15); Kostic (7), Sager, Matter; Lutz, Wachsmuth.

Bemerkungen: Massagno komplett, Starwings ohne Duspara, Malisanovic und Ngoah (alle abwesend). – Viertelsresultate: 19:18, 20:9 (39:27); 29:28 (68:55) und 19:28 (87:83). – Mit fünf Fouls ausgeschieden: 40. Upson und Burnatowski. – Fouls: Massagno 15, Starwings 23.

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