Europacup
Gelingt dem FC Basel heute endlich die Premiere?

In diesem Jahrhundert hat der FC Basel von elf Spielen auf der iberischen Halbinsel in Portugal oder Spanien noch kein einziges gewinnen können. Gegen Beleneses Lissabon soll heute endlich der erste Sieg eingefahren werden.

Sebastian Wendel aus Lissabon
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Frust pur: FCB-Goalie Tomas Vaclik nach dem 0:4 in Porto im März dieses Jahres – ein weiteres Mal endete eine FCB-Reise auf die Iberische Halbinsel mit einer Enttäuschung.

Frust pur: FCB-Goalie Tomas Vaclik nach dem 0:4 in Porto im März dieses Jahres – ein weiteres Mal endete eine FCB-Reise auf die Iberische Halbinsel mit einer Enttäuschung.

KEYSTONE

Die Iberische Halbinsel ist immer eine Reise wert: So auch gestern, als nach knapp drei Stunden in der Luft Flug X3 8892 in Lissabon aufsetzt. Herrlicher Sonnenschein und warme Temperaturen empfangen Vorstand, Trainer, Mannschaft und Edelfans des FC Basel in der portugiesischen Hauptstadt.

Doch halt: Der rotblaue Tross ist nicht nach Lissabon gereist, um all den Vorzügen zu frönen, die das Leben hier bietet. Nein – die Mission des FC Basel sind drei Punkte gegen Belenenses, verbunden mit dem Schlussstrich unter den Iberer-Komplex: Noch nie hat der FCB in Portugal oder Spanien ein Pflichtspiel gewinnen können.

Trainingslager immer in Spanien

Zwar schlägt der FCB jeden Winter in Südspanien sein Trainingslager auf und legt dort den Grundstein für die Erfolge. Doch geht es im Ferienparadies um Punkte, ist der FCB immer mit leerem Gepäck in die Schweiz zurückgekehrt.

Gar regelrechte Horrortrips waren die letzten drei Ausflüge auf die Iberische Halbinsel: 0:4 in Porto im März dieses Jahres, 1:5 in Madrid im September 2014 und 0:5 in Valencia im April 2014. Die Bilanz aus 11 FCB-Auftritten in Spanien oder Portugal (seit 2000): vier Unentschieden und sieben Niederlagen.

Um einiges positiver sind da etwa die Erinnerungen an England. Im Mutterland des Fussballs konnte der FCB in jüngster Vergangenheit überzeugen, vor allem gegen die Grossen des Landes: Unvergessen das 1:1 in Liverpool vor knapp einem Jahr, der 2:1-Auswärtscoup gegen Chelsea vor zwei und das 3:3 in Manchester vor vier Jahren.

Was steckt hinter dem Iberer-Komplex?

Warum hat der FC Basel Mühe im Süden und Erfolg im Norden? Einer, der es wissen muss, ist Benjamin Huggel. Der langjährige FCB-Mittelfeldspieler stand bei etlichen Europacup-Spielen sowohl auf der Iberischen Halbinsel als auch in England auf dem Platz.

Er erklärt zuerst, warum der FCB gegen englische Mannschaften oft gut aussieht: «Im englischen Fussball dominiert die physische Komponente, auf Taktik, Technik und Ballbesitz wird weniger Wert gelegt.»

Dies komme dem FCB, der unter allen Trainern eine taktisch starke Mannschaft sei, entgegen. Huggel: «Wenn man weiss, wo die englischen Teams verwundbar sind, hat man auch als vermeintlich kleinerer Verein wie der FCB gute Chancen auf Zählbares.»

Der Respekt der Portugiesen

Wie Tag und Nacht unterscheidet sich der iberische Fussballstil von jenem in England. Spanische und portugiesische Mannschaften seien, so Huggel, sehr bedacht auf Ballbesitz. Hinzu kommt das hohe taktische und technische Niveau.

Dies erschwere die Aufgabe für den FCB ungemein. «Der Aufwand, den Basel betreiben muss, um gegen südländische Teams in Ballbesitz zu kommen, ist enorm. Teams aus Spanien und Portugal beherrschen es nahezu perfekt, den Ball in ihren Reihen zirkulieren zu lassen.»

Dem Ball hinterherrennen – eine Situation, die der FCB nicht gewohnt ist aus dem Super-League-Alltag, wo er praktisch in jedem Spiel federführend ist. Huggel: «Die Umstellung vor einem Spiel gegen eine portugiesische Mannschaft ist sehr schwierig. Gegen englische Mannschaften, denen Ballbesitz nicht so wichtig ist, fühlt sich der FCB wohler.»

Dazu komme, so der heutige Trainer der Black Stars Basel (Promotion League), ein Mentalitätsunterschied. Huggel erzählt, er habe bei einigen Trainern in Portugal hospitiert und gespürt, dass dort der Respekt vor dem schweizerischen Fussball gross sei. «Für sie sind die beiden Länder auf Augenhöhe.»

Ganz anders die Eindrücke aus England, wo die Schweiz trotz gegenteiliger Beteuerungen im Unterbewusstsein noch immer als kleines Fussball-Land gelte. «Entsprechend wird dort ein Sieg gegen eine Mannschaft aus der Super League einfach erwartet», sagt Huggel.

Und doch: Alles andere als ein Sieg heute Abend in Lissabon gegen Belenenses wäre eine grosse Überraschung. Erstens bleibt der FCB trotz der 1:2-Heimniederlage vor zwei Wochen der grosse Favorit: Die Portugiesen haben im St. Jakob-Park keinen besonders starken Eindruck hinterlassen.

Der Sieg war vielmehr die logische Konsequenz der mangelnden Einstellung der FCB-Profis, die nach dem frühen Führungstreffer zwei Gänge zurückschalteten. Zweitens ist Belenenses mit Abstand die schwächste all jener Mannschaften aus Spanien und Portugal, auf die der FCB seit 2000 getroffen ist.

Fischer pfeifft auf die Geschichte

Urs Fischer ist die Vergangenheit egal – verständlich. Schliesslich ist er erst seit diesem Sommer FCB-Trainer. Er konzentriert sich nur auf die heutige Partie, in der für seine Mannschaft Verlieren verboten ist. Ansonsten gerät die nach dem perfekten Start in die Gruppenphase (2 Spiele, 2 Siege) fast schon sichere Qualifikation für die Sechzehntelfinals in Gefahr.

Ein Sieg heute – und der Blick auf die Tabelle wäre wieder rosig. Und Fischer hätte den Eintrag in den FCB-Geschichtsbüchern auf sicher – als jener Trainer, der Rot-Blau zum ersten Sieg in Portugal führte.

Die Bilanz des FCB in Portugal und Spanien

10. 3. 2015: 0:4 in Porto
16. 9. 2014: 1:5 in Madrid (Real)
10. 4. 2014: 0:5 in Valencia
20. 9. 2012: 0:0 in Lissabon (Sporting)
2. 11. 2011: 1:1 in Lissabon (Benfica)
4. 11. 2008: 1:1 in Barcelona (FC)
1. 10. 2008: 0:2 in Lissabon (Sporting)
13. 8. 2008: 0:0 in Guimarães
13. 2. 2008: 0:2 in Lissabon (Sporting)
25. 2. 2003: 0:1 in La Coruña
2. 10. 2002: 2:6 in Valencia

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