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Frust und Freude bei Fabian Hertner und Matthias Kyburz

Über die Langdistanz belegten die Nordwestschweizer Fabian Hertner (Pratteln) und Matthias Kyburz (Möhlin) an der WM die Ränge 4 und 5. Die Gefühlslage der beiden Athleten hätte nach dem Zieldurchlauf nicht unterschiedlicher ausfallen können.

Jörg Greb, Trento
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Fabian Hertner läuft über die Langdistanz auf Rang 4.

Fabian Hertner läuft über die Langdistanz auf Rang 4.

KEYSTONE

Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Fabian Hertner war bitter enttäuscht. Und wortkarg. Die Medaille, die er sich so sehr gewünscht hatte, schien während rund Dreiviertelstunden in Griffnähe. Zwei Fehler – eine ungünstige Routenwahl sowie das Ansteuern eines falschen Kontrollpostens – kosteten ihn aber rund zwei Minuten und die (Bronze-)Medaille. «Ich ärgere mich, zumal ich mich hervorragend gefühlt habe und ansonsten ein tolles Rennen gelaufen bin.» Den Wert des Resultats konnte der 29-Jährige nicht erkennen, auch wenn es sich um seine wertvollste Klassierung in der «Königsdisziplin» der Elite handelte.

Völlig anders war die Gefühlslage dagegen beim unmittelbar hinter Hertner platzierten Mehlemer Matthias Kyburz. 1:33 Minuten länger war er unterwegs gewesen als Hertner. Und belegte damit, wie am vergangenen Samstag im Sprint, den fünften Rang. Doch die Bedeutung des Resultates war für den 24-Jährigen Mixed-Staffel-Titelgewinner vom Montag grundverschieden. «Im Sprint war ich Weltmeister und siegte schon verschiedentlich. Dort laufe ich um Gold. In der Langdistanz aber konnte ich noch nie brillieren.» Das ist der Grund, weshalb Kyburz nach dem ersten Rennen im Wald an diesen Titelkämpfen von einem «sehr guten und zufriedenstellenden Ergebnis» sprach.

Training zahlt sich aus

Die Wertung von Kyburz lässt sich untermauern. Nach zwei dritten Rängen an Junioren-Weltmeisterschaften realisierte er bis zu dieser Saison nur eine einzige Top-10-Klassierung (10.) im Weltcup. Sowohl an Welt- wie an Europameisterschaften schauten drei ernüchternde Ergebnisse mit Rängen zwischen 13 und 19 heraus. Diese Negativserie wollte er durchbrechen. Viel Zeit und Energie wendete er daher bei der Vorbereitung auf diese Saison auf, um sich zu steigern: Physisch, indem er sich mit spezifischen Einheiten auf die Renndauer um die 100 Minuten einstellte, psychisch, indem er mit der erfahrenen Sportpsychologin Andrea Binggeli am gedanklichen Abschweifen arbeitete. Dieser fünfte Platz an der WM ist mehr als Beweis, dass ihm dies geglückt ist.

Kyburz lief konstant und am Schluss am stärksten. Das hatte seinen Grund: Der vier Minuten nach ihm gestartete Teamkollege Daniel Hubmann holte ihn beim Durchlauf der Zielarena ein. Sodann spannten die beiden zusammen. «Ich hörte, dass Dani um Gold läuft», blickte Kyburz auf jenen Augenblick zurück. Dabei realisierte er sofort, dass auch er vielversprechend im Rennen liegen musste. Das motivierte doppelt.

Während Kyburz nun zu zwei Ruhetagen kommt, bietet sich Hertner am Freitag die Möglichkeit, sich über die Mitteldistanz für die verpasste Medaille zu rehabilitieren.

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