Champions League
FCB-Präsident Heusler verspricht: «Wir werden eine magische Nacht erleben - warum nicht am Samichlaus-Tag»

Nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Ludogorets spricht FCB-Präsident Bernhard Heusler über hohe Erwartungen, einen möglichen Image-Verlust und die Mannschaft mit dem legendären Siegergen.

Sébastian Lavoyer, Sofia
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Laut Bernhard Heusler fehlt dem FCB in der Königsklasse diese Saison das Quäntchen Glück.

Laut Bernhard Heusler fehlt dem FCB in der Königsklasse diese Saison das Quäntchen Glück.

Mario Heller

Sie haben zu Beginn dieser Champions-League-Kampagne gesagt, dass Sie das Gefühl hätten, dass die vergangenen Erfolge einen Kabinen-Geist hervorgerufen hätten, der unabhängig von den Individuen sei, die diese Erfolge feierten. Haben Sie dieses Gefühl nach den bisherigen Champions-League-Auftritten immer noch?

Ja, das habe ich. Wir müssen den verpassten Sieg am Mittwoch nicht grösser machen, als es war. Es war ein 0:0, bei dem die Mannschaft alles probiert hat. Jetzt hat es halt nicht gereicht zum Sieg und so haben wir nun dieses Arsenal-Spiel vor der Brust. Wir können immer noch weiterkommen, aber wir müssen das jetzt auch nicht zu gross machen. Toll ist, dass wir ein Spiel vor uns haben, das keine Kehraus-Partie ist. Ein Szenario, das ich nicht unbedingt geschätzt hätte, wäre gewesen, wenn Arsenal mit der B-Mannschaft gekommen wäre und wir als bereits Ausgeschiedene um die Ehre gespielt hätten. Es haben schon 35 000 Leute ein Ticket gekauft.

Vaclik musste sich nicht bezwingen lassen. Dennoch kommt Basel nicht über ein 0:0 hinaus.
11 Bilder
Adam Traore versuchts mit seiner Physis gegen Cicinho.
Impressionen vom FCB-Spiel in Sofia gegen Ludogorets
Lufa Zuffi versucht gegen Anicet Abel an den Ball zu kommen.
Doumbia stolpert über den Gegenspiler Palomino.
Urs Fischer kann eine gewisse Angespanntheit nicht verbergen - es geht um viel.
Zähes Spiel in Sofia: Doumbia und Jose Palomino im Laufduell.
Luftduell zwischen Palomino und Marek Suchy. Keine der beiden Mannschaften schaffte bisher Entscheidendes.
Elyounoussi hebt im Zweikampf mit Ludogorets Cicinho ab.
Oft im Mittelpunkt: Elyounoussi setzt zum Tackling gegen Wanderson an.
Elyounoussi verscht seinem Gegenspieler Natanael zu enteilen.

Vaclik musste sich nicht bezwingen lassen. Dennoch kommt Basel nicht über ein 0:0 hinaus.

Keystone

Wie schätzen Sie die bisherige Leistung des FCB ein?

Wir haben eine Mannschaft, die in der Meisterschaft nach 15 Runden 41 Punkte auf dem Konto hat. Das spricht für grosse Konstanz und Leistungsbereitschaft. Jetzt kann man dies natürlich Kleinreden, indem die anderen Teams schlecht gemacht werden. Dass ich die Qualität der Schweizer Meisterschaft aber als oft von uns selbst unterschätzt sehe, ist bekannt. Und gegen den bulgarischen Meister habe ich eine gut eingestellte und engagierte Mannschaft am Werk gesehen. Sowohl PSG als auch Arsenal haben in Sofia richtig gelitten..

Ludogorets ging bisher in fünf Heimspielen fünf Mal in Führung, blieb also nie ohne Tor.

Wir haben ihnen keine echte Torchance zugestanden. Gerade dies ist für mich ein Indiz, dass nicht alles so schlecht ist. Uns fehlt in dieser Kampagne, das hat Matias Delgado richtig gesagt, das Quäntchen Glück. Es gab halt auch schon, dass wir zweimal aufs Tor geschossen hatten und zwei Tore erzielten. Diese Effizienz haben wir in dieser Kampagne noch nicht gehabt. Das hat nichts mit schönreden zu tun, sondern ist meine aufrichtige Beurteilung der Situation.

Dafür war das Glück in der Meisterschaft ein paar Mal auf Seiten des FCB.

Es ist tatsächlich so, das meine ich genauso ehrlich, dass wir das Wettkampfglück in der nationalen Meisterschaft in den letzten Wochen das eine oder andere Mal gehabt haben. Ich denke etwa an die zwei Siege gegen Lausanne oder das Last-Minute-Unentschieden gegen Thun. Ich lasse mich deshalb von der angeblichen Überlegenheit in der Schweiz aufgrund einer Momentaufnahme der Tabelle ebenso wenig blenden wie von Ergebnis-Statistiken in fünf Spielen der Champions League verunsichern und allem zweifeln.

Über die sieben Jahre hat man sich einen Ruf erarbeitet, man ist zum Giganten-Schreck geworden. Leidet dieser Ruf?

Nein, auch da sollten wir nicht übertreiben. Wenn wir als Giganten-Schreck bezeichnet wurden, haben wir das stets relativiert. Es gibt immer wieder kleinere Klubs aus kleineren Ligen, die Überraschungen schaffen. Diese Saison ist uns die grosse Überraschung noch nicht gelungen. Aber wir wissen auch, dass diese Überraschungen immer seltener sind.

Wie meinen Sie das?

Schauen Sie sich die Gruppen-Zwischenranglisten an. Die Mehrheit ist entschieden, bevor die letzte Runde gespielt ist. Und wo sind beispielsweise die Meister von Holland, Belgien, Tschechien, Polen oder Schweden? Sie haben entweder weniger Punkte als wir oder sind gar nicht dabei. Das ist die Realität. Wir müssen auf einer realistischen Basis das Maximum herausholen und nicht herumheulen. Die Realität ist die, dass es immer schwieriger ist, eine Überraschung zu schaffen. Es gelang uns früher, in der bisherigen Kampagne noch nicht.

Jetzt kommt es zum Kracher gegen Arsenal.

Ob es ein Kracher wird, steht jetzt noch in den Sternen. Auf jeden Fall sind unsere Chancen noch intakt.

Leidet der FCB manchmal unter dem Ruf des Giganten-Schrecks?

Natürlich. Erfolge aus der Vergangenheit können immer auch ein Nachteil sein. Weil sie einen Massstab setzen. Kombiniert mit einer gewissen Verklärung, die häufig auftritt, wenn man über Vergangenes spricht. So vergessen wir schnell, dass die Mannschaft mit dem legendären Sieger-Gen, mit Streller, Frei, Huggel, Stocker, Shaqiri, Abraham und Costanzo diejenige war, welche letztmals das Ziel des europäischen Überwinterns verpasst hatte - und das nicht in der Champions League, sondern in der Europa League.

Inwiefern haben Sie zu spüren gekriegt, dass dem FCB ein gewisser Ruf vorauseilt?

Ich glaube, beim Spiel gegen Arsenal haben wir es zu spüren gekriegt, dass es in der englischen Presse überall hiess: «Paris St. Germain ist bestimmt gefährlich, aber bloss nicht den FCB unterschätzen.» Das war vor fünf Jahren noch nicht so. Ich glaube, dass Arsenal dieses Spiel noch konzentrierter, dezidierter angegangen ist als Chelsea vor ein paar Jahren, als sie erstmals gegen uns spielten.

Wie beurteilen Sie das 0:0 gegen Ludogorets?

Wie schon gesagt: Leistung und Einsatz haben gestimmt, aber es hat der Exploitierteste gefehlt, das Ausserordentliche. Wenn Elyounoussi den Ball in der 76. Minute reindrückt, hätte es allenthalben geheissen, dass der Matchplan aufgegangen sei. Auch wenn Janko gegen PSG kurz vor Schluss den Ball über die Linie brächte. Dann sprächen alle von diesen tollen Siegen. Obschon die Leistungen des Teams genau gleich waren, werden sie aufgrund des Resultats und eines missglückten Abschlusses ganz anders beurteilt. Nicht zu unrecht heisst es, dass «wenn hätte wäre» die Sprache der Verlierer ist.

Beschäftigt Sie das?

Ich versuche immer, im Hype und in der Hysterie, die den Fussball umgeben, gelassen zu bleiben. Das ist nicht mein Naturell, sondern meiner Funktion und Rolle geschuldet. Denn letztlich bin ich verantwortlich für einen Klub mit vielen Mitarbeitenden und einer grossen Anhängerschaft. Und alles steht auf einem Sport, ein Sport, der als Ballspiel nur begrenzt kontrollier- und planbar ist.

Was heisst das?

Nur weil wir in der Vergangenheit grossartige Siege feiern durften, Teams wie Liverpool oder Chelsea geschlagen haben, heisst das noch lange nicht, dass das nun der Massstab sein soll, an dem wir uns immer messen lassen müssen. Wenn wir solche Überraschungen nicht schaffen, müssen wir nicht gleich alles infrage stellen, sondern ruhig weiterarbeiten im Vertrauen darauf, dass wir früher oder später eine «magische Nacht» im Stadion St. Jakob erleben werden - warum nicht schon am St. Niklaus-Tag.​