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FCB-Legende Karli Odermatt: «Unsere Strategie ist nicht aufgegangen»

Karli Odermatt ist nicht nur Klublegende, sondern auch Verwaltungsrat der FC Basel Holding. Im Interview spricht er über den verpassten Meistertitel, die Strategie «Für immer Rotblau», seine Zeit in Bern und worauf sich Fast-Meister YB jetzt gefasst machen muss.

Adrian Müller und Nico Franzoni, watson.ch
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Karli Odermatt, der Gesellige. In der «Kunsthalle» ist er genauso anzutreffen wie in anderen Beizen. Odermatt kocht aber auch selber gut und gern – dann allerdings daheim auf dem Land.
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Karli Odermatt
Karli Odermatt, der Familienmensch. Das Bild machte der damalige FCB-Hoffotograf an der Taufe von Odermatts Tochter.
Karli Odermatt (rechts), der Fussballgott. Ende der Sechzigerjahre waren er und Fritz Künzli vom FC Zürich die Topspieler.

Karli Odermatt, der Gesellige. In der «Kunsthalle» ist er genauso anzutreffen wie in anderen Beizen. Odermatt kocht aber auch selber gut und gern – dann allerdings daheim auf dem Land.

Kenneth Nars

Herr Odermatt, nach acht Jahren stösst YB den FC Basel vom Fussballthron. Ist dies die grosse Wachablösung im Schweizer Fussball ?

Karl Odermatt: Wir gönnen YB dieses Jahr den Meistertitel und beissen in den sauren Apfel, wie man so schön sagt. YB hat den Titel verdient. Aber eine Zeitenwende bedeutet dies nicht. Nächste Saison ist der FC Basel wieder an der Reihe.

Die Berner haben fünf Runden vor Schluss sagenhafte 13 Punkte Vorsprung. Hätten Sie das zu Beginn der Saison für möglich gehalten?

YB hat einfach sackstark gespielt diese Saison. Die Berner sind eine tolle Mannschaft und haben den Meistertitel nicht gestohlen.

Basler Fans nehmen es etwas weniger locker...

In Basel redet man, wie wenn man vor dem Abstieg stehen würde. Aber auch der FCB hat eine hervorragende Saison gespielt. Wir sind 13 Punkte vor dem drittplatzierten Team. Basel ist jetzt halt mal nicht Erster, sondern Zweiter. Damit können wir leben. Jetzt müssen wir einfach die Champions-League-Quali überstehen, darin haben wir viel Erfahrung. Übrigens: YB soll sich jetzt endlich mal international ‹ins Bein beissen› und sich für die Champions League qualifizieren. Es ist an der Zeit, dass auch mal ein anderer Schweizer Club wichtige Uefa-Punkte holt, nicht nur wir.

Nichtsdestotrotz reisst eine epische Meisterserie des FC Basel.

Bayern München ist auch einmal Zweiter geworden, aber geändert hat sich in der Bundesliga nichts. Ein Jahr später war Bayern wieder Meister!

Hand aufs Herz: Ist man beim FC Basel nicht auch ein bisschen froh über den zweiten Platz? So hat der Club wieder eine Herausforderung.

Alle Fussballfans in der Schweiz sind glücklich, ausser die Basler natürlich. Wieder mal ein neuer Meister, wieder mal ein anderes Team in Front, das ist gut. Eigentlich ist es schade, dass in der Schweiz nicht fünf Teams ganz vorne mitspielen. Das war zu meiner Zeit eher der Fall. Die Liga war extrem eng und jeder Sonntag ein spannungsgeladenes Fussball-Highlight.

Basel und YB haben mit Abstand am meisten Geld und Zuschauer. Das Duopol wird zementiert.

Ich hoffe sehr, dass andere Mannschaften jetzt auch einen Schritt vorwärts machen und sich verstärken. Eine ausgeglichene Liga macht viel mehr Spass. Wir sehen es im Abstiegskampf, der interessant wie nie ist. Noch ist völlig offen, wer in die Challenge League muss. So sollte auch der Endspurt um den Titel sein. In den letzten Jahren waren wir immer voraus, das war halt für die Leute nicht mehr ganz so spannend.

Freudentaumel in Basel nach dem der neunte Meistertitel gesichert ist

Freudentaumel in Basel nach dem der neunte Meistertitel gesichert ist

Christian Gimenez & Co. feiern auf dem Balkon des Stadcasinos Basel vor tausenden Fans den ersten Meistertitel nach 22-jähriger Durststrecke.

2002 holte Basel nach 22 Jahren erstmals wieder einen Titel. Was kann so ein Triumph in einem Verein auslösen?

So ein Titel bewirkt unheimlich viel. Das ist klar. Es ist einfach so schade, dass Andy Rihs diesen Titel nicht mehr mit YB feiern kann. Wenn es einer verdient hätte, dann er.

Was hat YB dem FC Basel voraus?

YB spielt dieses Jahr unglaublich konstant. Man hat immer geglaubt, sie brechen dann schon noch ein. Aber sie sind nie eingebrochen und haben Spiele mit einer Leichtigkeit gewonnen, die mir zu denken gibt. Selbst bei «Chnorz-Matches» haben sie gesiegt, das zeichnet eine Mannschaft aus. Auch der FC Basel muss wieder dorthin und in der neuen Saison beständiger werden. Das ist ganz klar.

Ein Titel weckt Begehrlichkeiten. Worauf müssen die Berner aufpassen?

Die Young Boys werden etwas ganz sicher spüren: Die besten Spieler werden YB nach dem Titel weggekauft. Auch der FC Basel hat in den letzten Jahren stets vier bis fünf Spieler verloren. Sportchef «Wuschu» Spycher muss gute Kameraden für die Mannschaft finden, denn YB war vor allem auch ein tolles Team.

2010 sorgte der FCB mit dem Yapi-Transfer für grosse Unruhe bei den Bernern. Schnappt sich Basel nun wieder einen YB-Spieler?

Diese Frage müsste Sportchef Marco Streller beantworten.

Für Basel ist die Situation nicht einfach. Der Verein muss nächste Saison rasch wieder an die Spitze. Sonst wird die Lage für Trainer Wicky und Sportchef Streller rasch ungemütlich.

Es ist klar, in Basel streben wir den Erfolg an. Schlussendlich kennen wir alle die Mechanismen des Fussballgeschäfts.

Der FC Basel hat diese Saison alles auf den Kopf gestellt. War diese Hauruck-Übung wirklich nötig?

In dieser Spielzeit wollten wir mit eigenen jungen Spielern nach vorne kommen. Jetzt ist diese Strategie halt mal nicht aufgegangen. Nun gilt es, clever zu agieren und die nächste Saison gut vorzubereiten. YB muss sich warm anziehen!

Das Duell YB gegen FCB ist für dich auch eine persönliche Geschichte. Als Spieler haben Sie einst fünf Jahre in Bern gespielt und sogar den Cupsieg geholt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Basel hat ganz sicher die beste Fangemeinde der Schweiz. Aber die Berner sind einfach sehr anständige, nette Leute. Ich habe dort viele gute Freunde kennengelernt, die ich noch heute treffe.

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