Orientierungslauf
Fabian Hertners Schlussspurt zum Doppelglück

Der Prattler Fabian Hertner gewinnt an der OL-WM Silber über die Mitteldistanz. Grund zur Freude hatte aber auch alle anderen Schweizer. Baptiste Rollier klassierte sich als Vierter und der Mehlemer Andreas Kyburz schaffte es auf den fünften Platz.

Jörg Greb, Asiago
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Fabian Hertner lief einen starken Wettkampf.Keystone/Archiv

Fabian Hertner lief einen starken Wettkampf.Keystone/Archiv

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Es war ein Finish, der beeindruckte. Nicht nur, wie kraftvoll der Baselbieter Fabian Hertner an der WM in Asiago über die Mitteldistanz dem Ziel entgegenstürmte; brillant war die ganze Schlussphase. Als der 29-Jährige nach 38:30 Laufminuten die Ziellinie überquert hatte, war klar: Die Medaille ist Tatsache. Und damit die eindrückliche Reaktion für die Enttäuschung über den vierten Rang vom Vortag über die Langdistanz geglückt. «Damit habe ich erreicht, was ich erreichen konnte», sagte der Vizeweltmeister. Keinen Fehler konnte er in der Schnellanalyse eruieren. Läuferisch gelang es ihm, sein Potenzial auszuspielen. Und auch taktisch-technisch verhielt sich Hertner äusserst geschickt, investierte dann Zeit, wenn dies in diesem äusserst schwierigen Gelände – etwas zwischen Jura und Tessin – nötig war.

Nicht klar war mit dem Erreichen des Ziels jedoch die Rangierung – überhaupt nicht klar. Fest stand, den Ukrainer Oleksandr Kratov, der lange als voraussichtlicher Medaillengewinner führte, hatte er von der Spitze verdrängt. So konnte Hertner auf dem Leaderthron Platz nehmen. Als der Langdistanz-Dritte vom Vortag, Olaf Lundanes (No) die Bestzeit des Schweizers unterboten hatte, wechselte dieser auf den Stuhl des Drittplatzierten. Denn, Thierry Gueorgiou schien auf bestem Weg zum zweiten Gold an diesen Titelkämpfen und zum achten Mitteldistanz-Titel. Darum wechselte Hertner sogleich auf den Fauteuil des Bronzemedaillengewinners.

Von Stuhl zu Stuhl

Nur wenige Minuten dauerte es, bis der Speaker die Disqualifikation des Franzosen bekannt gab. «Was?», wunderte sich Hertner und wechselte so nochmals die Sitzposition. Und zu Recht zeigte er sich stolz über diesen zweiten Rang. «In einem solchen Gelände kann ich nicht so laufen, wie es ein Weltmeister tun muss», sagte er. Der Junioren-Weltmeister aus dem Jahr 2005 erreicht damit das beste WM-Resultat bei der Elite. WM-Dritter war er vor zwei Jahren in Lausanne (Givrine) geworden, EM-Zweiter vor drei Monaten. Und Hertners Glück war gleich ein doppeltes: Seine Freundin Sarah Lüscher war bei den Frauen auf Platz vier gelaufen; besser klassiert auf dieser Stufe denn je und hocherfreut und ebenfalls überhaupt nicht enttäuscht.

Andreas Kyburz starker Fünfter

Grund zur Freude hatte aber nicht nur Fabian Hertner, sondern auch alle anderen Schweizer. Baptiste Rollier klassierte sich als Vierter und der Mehlemer Andreas Kyburz, der ältere Bruder des in dem Fall zuschauenden Matthias, schaffte es auf den fünften Platz. 1:19 Minuten fehlten Andreas Kyburz letztlich zu Bronze, 20 Sekunden zu Rollier. Nichtsdestotrotz handelt es sich um das mit Abstand wertvollste Ergebnis des 26-jährigen Geowissenschaftsstudenten. «Ich bin so nudelfertig, aber die Freude ist riesig», sagte er unmittelbar nach seinen 40:05 Wettkampfminuten. Von einem «optimalen Rennen» berichtete er.

Nicht unwesentlich war, dass Kyburz als Viertletzter auf den Parcours geschickt worden war; neunzig Sekunden vor Lundanes und 180 vor Gueorgiou. «Mir war klar, dass ich überholt werden würde, aber ich liess mich dadurch nicht verunsichern», sagte er. Lundanes sah er unterwegs nicht, und Gueorgiou überholte ihn vor der Zielschlaufe. «Auf dem letzten Zacken» folgte er ihm. Bis zum zweitletzten Kontrollposten schaffte er dies – ohne zu wissen, dass sein «Hase», der Posten Nummer sechs ausgelassen hatte, später disqualifiziert werden sollte.

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