Basketball
Ein Weltenbummler alias Big Daddy: Starwings-Königstransfer Cheikh Sane im Portrait

Cheikh Sane spielt neu für die Starwings. Der Senegalese musste in seiner Karriere schon einige Male seine Willensstärke beweisen. Er schickt seiner Familie regelmässig Geld in die Heimat, um seinen Verwandten ein besseres Leben zu ermöglichen.

Simon Leser
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Cheikh Sane will dafür sorgen, dass die Starwings in der neuen Saison erfolgreich sind.

Cheikh Sane will dafür sorgen, dass die Starwings in der neuen Saison erfolgreich sind.

Kenneth Nars

Cheikh Sane sitzt vor der geschlossenen Türe der Sporthalle in Birsfelden. Dahinter lassen Kinder den Basketball aufprallen, werfen auf die Körbe, die von der Decke hängen. Sane, die Trainerhose lässig hochgekrempelt, blickt durch das Fenster und sagt: «Ich weiss nicht, was ich jetzt machen würde ohne Basketball.» Der Satz des Neuzugangs der Starwings ist nicht leicht dahergesagt, er gründet in seiner Herkunft. Sane stammt aus Senegal. Ein westafrikanisches Land, in dem die Armut und geringe Berufsaussichten verbreitet sind. «Meine Familie hatte nicht viel, aber wir standen es zusammen durch», sagt er rückblickend. Die einen Senegalesen bleiben, andere fliehen. Sane ist nicht geflohen. Er hat sich den Weg in die weite Welt durch die Schule und den Sport gebahnt.

Nur wegen neuer Schuhe beginnt Sane mit Basketball

Dass Sane überhaupt Basketball spielen wird, plant er als Kind nicht. Nationalsport in Senegal ist wie auch anderswo Fussball. Auch der heute 28-Jährige begeistert sich dafür, will stürmen, Tore erzielen. Wegen seiner Grösse – er misst heute über zwei Meter – wird er aber ins ungeliebte Tor gestellt. An eine andere Sportart denkt er dennoch nicht. Auch nicht, als ihm sein Bruder Basketball schmackhaft machen möchte. Sane lehnt ab. Doch eines Tages bringt der Bruder Nike-Schuhe nach Hause, die Sanes Interesse wecken. Es sind Basketballschuhe. «Nur weil ich diese Schuhe meines Bruders wollte, probierte ich Basketball aus», erzählt Sane.

Zu diesem Zeitpunkt ist er schon 14. Er habe sich sofort in die neue Sportart verliebt. Auch wenn Basketball in Senegal eine Freiluftsportart und somit Wind, Regen und strahlender Sonne ausgesetzt sei. Hallen gibt es keine. Dennoch reisst die Liebe zum Basketball nicht ab. Wenige Monate nach dem ersten Schuhtragen bietet sich ihm dank eines Stipendiums die Möglichkeit, an ein amerikanisches College zu gehen.

Im Land, das sich gerne als Hüter der Freiheit gibt, fühlt sich Sane zuerst eingeschränkt. Die Sprache stellt eine Hürde dar, die anfangs nur schwierig zu überwinden ist. «Ich fühlte mich zwar willkommen. Aber es war hart, mit Teamkollegen zu spielen, mit denen ich nicht kommunizieren konnte», sagt Sane. Sein Charakter wird auf eine Beweisprobe gestellt – und besteht sie. Er nimmt Sprachkurse, trainiert hart, verwirklicht seinen Traum. Seine Familie stets in Gedanken. «Ich wuchs nicht reich auf. Ich muss jeden Tag hart arbeiten, damit ich meiner Familie in Senegal helfen kann», sagt er. Auch jetzt bei den Starwings schickt er Geld in die Heimat.

In der Vorsaison spielte Sane noch für Nyon.

In der Vorsaison spielte Sane noch für Nyon.

Keystone

Nach seiner Zeit in Amerika macht er erstmals Erfahrungen in Europa. Zuerst in Dänemark, dann in Griechenland. Ihm fallen die vielen Fussballfelder auf und die Eigenschaft, dass sich Europäer stärker an geltende Regeln halten als Amerikaner. Auch der europäische Basketball imponiert ihm. «In den USA ist es athletischer. Aber wenn du wirklich schönes Basketball anschauen willst, dann machst du das lieber in Europa.»

In Japan braucht er einen Übersetzer

Am meisten Spass hat er jedoch in Japan. Zehn Monate spielt der Senegalese im Land der aufgehenden Sonne; bei den Saitama Broncos, kurz vor den Toren Tokios. Wieder stösst er auf sprachliche Barrieren. Dieses Mal sind es seine Teamkollegen, die kein Englisch können. Will er eine Packung Reis kaufen, sucht er sie zuerst im Internet, macht davon ein Foto und geht damit in den Laden. Oftmals ist er mit einem Übersetzer unterwegs. Sane findet einen Weg, auch ohne Sprachkenntnisse Japans Eigenschaften kennen zu lernen. «Unsere Fans waren verrückt. Die reisten uns nach, auch wenn wir zu Auswärtsspielen fliegen mussten», sagt Sane immer noch ein bisschen ungläubig.

Das Reisen formt seinen Charakter, es macht ihn offen und verständnisvoll für andere Kulturen. «Man weiss nicht allzu viel, bis man reist», meint er und schiebt nach: «Reisen ist ein Segen.» Er sieht, wie andere Personen auf verschiedenen Kontinenten leben. Was er hingegen nicht sieht, ist seine Familie. Ausser alle zwei Jahre. Doch Sane lässt sich davon nicht unterkriegen: «Die Tatsache, dass ich jeden Abend mit ihnen telefonieren kann, erfüllt mich mit Freude.»

Sane will Erfolg zurück nach Birsfelden bringen

Nach Japan kommt die Schweiz. Teuer und kalt sei das Land. «Mit einem Franken kannst du dir in Senegal ein Abendessen mit Getränk leisten», sagt er und lacht laut auf. Aber die Leute, die seien sehr freundlich. Im vergangenen Jahr spielte er noch gegen die Starwings, für Nyon. Jetzt hat er die Seiten gewechselt. Sein Trainer, Dragan Andrejevic, ist darüber sehr erfreut: «Er hilft uns defensiv sowie offensiv und gibt den jungen Spielern mit seiner grossen Erfahrung viele wertvolle Ratschläge.» Andrejevic nennt ihn deshalb bereits liebevoll «Big Daddy».

Sane selbst will dazu beitragen, dass es in diesem Jahr mit dem Verein aufwärtsgeht. «Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen», sagt er. Die erste Möglichkeit hätte sich dazu am Samstag ergeben, doch ein Coronafall im Team verhindert es. Umso mehr Zeit bleibt Sane, nebenher Schweizerdeutsch zu lernen. Das sei für ihn nämlich selbstverständlich. Er könne sich auch vorstellen, länger in der Schweiz zu bleiben. Und damit nach einer langen Reise ein bisschen sesshaft zu werden.

Coronafall bei den Starwings

Eigentlich hätte das erste Saisonspiel der Starwings am Samstag auswärts gegen die Lugano Tigers stattfinden sollen. Doch ein Coronafall in der Mannschaft der Birsfeldner verhindert den Auftakt. Sicherheitshalber bleiben alle Spieler bis am Montag zu Hause. Dann werden alle getestet und das weitere Vorgehen festgelegt, wie die Starwings am Freitagabend auf der Homepage mitteilen.