Super League
Ein Schritt in die falsche Richtung: Der Fan-Protest überschattet das 1:1 zwischen dem FCB und St. Gallen

Sportlich ist das Unentschieden gegen St. Gallen für den FCB zu wenig, doch trotzdem steht ein anderes Thema an diesem Wochenende im Mittelpunkt: Der Fan-Boykott der Muttenzerkurve.

Jakob Weber
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Der Basler Fabian Frei (M.) gewinnt ein Luftduell.
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Der Basler Verteidiger Silvan Widmer (l.) tröstet seinen Teamkollegen Ricky van Wolfswinkel.
Basels Silvan Widmer (l.) im Zweikampf mit dem St. Galler Jordi Quintilla.
Basels Valentin Stocker (l.) im Zweikampf mit dem St. Galler Musah Nuhu.
FCB-Stürmer Ricky van Wolfswinkel trauert einer vergebenen Chance nach.
Samuele Campo bejubelt seinen Freistosstreffer zum 1:1 für den FC Basel.
Basels Aldo Kalulu (r.) zieht Gegenspieler Leonidas Stergiou davon.
Der Basler Aldo Kalulu (l.) im Zweikampf mit dem St. Galler Leonidas Stergiou.
Impressionen: FC Basel - FC St. Gallen
FCB-Verteidiger Silvan Widmer wehrt mit einem Kopfball ab.
FCB-Cheftrainer Marcel Koller (M.) bespricht sich mit seinen Assistenten Carlos Bernegger (l.) und Thomas Janeschitz.
FCB-Offensivspieler Kevin Bua (l.) im Zweikampf mit St. Gallens Dereck Kutesa
Die St. Galler verlassen das Spielfeld nach der ersten Halbzeit.
Basels Raoul Petretta (l.) im Zweikampf mit dem St. Galler Vincent Sierro.
Fabian Frei tröstet Stürmer Ricky van Wolfswinkel, nachdem dieser einen Penalty verschossen hat.
Basels Raoul Petretta (r.) im Zweikampf mit dem ehemaligen Basler und aktuellen St. Galler Dereck Kutesa.
Der Einmarsch der beiden Teams in den St. Jakob-Park.
Die FCB-Spieler Taulant Xhaka (l.) und Fabian Frei (r.) stoppen St. Gallens Majeed Ashimeru.
Die Fans des FC Basel verlassen die Muttenzerkurve aus Protest gegen den Einstieg ihres Klubs beim indischen Klub Chennai City.

Der Basler Fabian Frei (M.) gewinnt ein Luftduell.

Keystone

Das erste FCB-Heimspiel im Jahr 2019 gegen St. Gallen hätte ein Fanfest werden sollen. Trotz des Einbruchs bei den Dauerkarten um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gelang es den Verantwortlichen, mit Freikarten für Juniorenteams und auf 12,50 Franken reduzierte Tickets 27'543 Billette zu verkaufen. Nur gegen YB kamen in dieser Saison noch mehr Zuschauer ins Joggeli. Doch die Unterstützung von den Rängen blieb aus.

«E witere Schritt in die falschi Richtig» prangt schon während des Aufwärmens auf einem Banner oberhalb der Muttenzerkurve. Kaum betreten die beiden Mannschaften das Feld, verlassen die Fans hinter dem Tor ihren Stammplatz und lassen ein zweites Banner zurück: «Es isch zum drvoo laufe». Die Kritik der FCB-Fans gilt der neuen Kooperation mit Chennai City. Der FCB hatte am vergangenen Mittwoch 26 Prozent des indischen Vereins übernommen.

FCB-Präsident Bernhard Burgener sieht in Indien einen «schlafenden Riesen». Durch die Investition von rund einer Million Franken hofft der FCB, von einen möglichen Fussballboom in Indien zu profitieren. Die Entwicklung des Vereins weg vom Kerngeschäft in Richtung E-Sports oder Indien ist mit dem romantischen Fussballverständnis der Fans nicht vereinbar. Geht es nach ihnen, soll sich ihr FCB auf das das Sportliche konzentrieren und mit ihrem Herzensklub keine anderweitigen Geschäfte machen. In den Startminuten der Partie entrollen die Fans ein weiteres Banner in der verwaisten Muttenzerkurve: «Kai Frog vo dr Rendite – E Frog vom Standpunggt».

Eine kuriose erste Halbzeit

Fussball wird am Samstagabend auch gespielt. In der Startphase lassen beide Teams zwei hundertprozentige Chancen aus. Kaum hängt das nächste Banner: «Wo sin d Gränze? Was kunnt als näggschts?», bekommt der FCB nach Foul an Kevin Bua einen Penalty zugesprochen. Ricky van Wolfswinkel schnappt sich mit dem Hattrick-Selbstvertrauen vom GC-Match den Ball und schreitet zur Tat. Wie schon vor einem Jahr an selber Stelle scheitert er aber an FCSG-Keeper Dejan Stojanovic.

«S isch högschti Zit für e Debatte zur Zuekunft vom FCB», heisst es mittlerweile in der immer noch leeren Fankurve. Doch eines ist auch klar: Der FCB lässt sich durch die fehlenden Anfeuerungen nicht aus dem Konzept bringen. «Natürlich ist das schade und wir sind am Ende die Leidtragenden, doch es darf keine Ausrede sein», sagt Fabian Frei und auch Marcel Koller findet nach dem Spiel ähnliche Worte: «Es ist natürlich schön, wenn die Fans uns unterstützen und es im Stadion laut ist. Ich glaube aber nicht, dass wir dann Chancen besser verwerten oder den Penalty reinmachen.»

0:0 statt 2:2

Tatsächlich kombiniert sich Rotblau auch ohne Anfeuerungen immer wieder ansehnlich durch die St. Galler Verteidigung. Nach 37. Minuten trifft Luca Zuffi nur den Innenpfosten. Weil auch St. Gallen durch Simone Rapp und den 16-jährigen Innenverteidiger Leonidas Stergiou zwei weitere gute Möglichkeiten vergibt, hätte es zur Pause auch gut und gerne 2:2 stehen können.

Nach dem Seitenwechsel beendet die Muttenzerkurve ihren Boykott: «Unsri Gsäng für die Elf uff em Rase – nid für d Chefetage». So laut wie lange nicht, wird des FCB jetzt nach vorne gepeitscht. Doch nach der teilweise vogelwilden ersten Halbzeit konzentrieren sich beide Teams jetzt vermehrt auf die Defensive. Bis zur 79. Minute und einer guten Möglichkeit für van Wolfswinkel, verzeichnet weder der FCB noch St. Gallen Torchancen. Die Basler Fans richten sich jetzt direkt an Bernhard Burgener. In Anlehnung an sein Konzept erinnern sie den Präsidenten: «Mer sind für immer Rotblau».

Drama am Schluss

Es folgt eine dramatische Schlussphase. Erst nutzt St. Gallen den einen Konter und geht durch Axel Bakayoko vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit in Führung. Dann foult Nicolas Lüchinger Valentin Stocker an der Strafraumgrenze. Der FCB kommt in der 91. Minute zu einer letzten Chance.

Der zuvor eingewechselte Samuele Campo legt sich den Ball zurecht. Er weiss, dass er die Kugel gleich über die Mauer ins linke, obere Eck schlenzen wird. «Da habe ich eine Lücke gesehen», wird er später sagen. Unzählige Male hat er im Training diese Freistösse geübt. Der Schiedsrichter gibt den Ball frei, Campo läuft an und schaut dem Ball hinterher. Stojanovic kommt noch mit den Fingern dran, doch der Ball zappelt im Netz. Nach schweren fünf Monaten ohne Einsatz meldet sich Campo eindrucksvoll zurück: «Nach einer langen Verletzung so zurückzukommen, ist für mich persönlich natürlich perfekt», sagt er.

Dem FCB rettet sein Treffer einen verdienten Punkt, doch auch nach dem Spiel steht der Fan-Protest schnell wieder im Mittelpunkt. Die Fans verabschieden sich mit einem letzten Banner: «Au wenn mir Erschte wäre, wär das s Letschte».

Die Noten zum Spiel:

Jonas Omlin: Note 4,5 Vereitelt zwei Grosschancen der St. Galler, doch sowohl Kutesa als auch Rapp machen es ihm mit ihren schwachen Abschlüssen auch gar einfach.
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Silvan Widmer: Note 5 St. Gallen wird über seine rechte Seite kaum gefährlich und auch vorne fliegt so manche Widmer-Flanke in den gegnerischen Strafraum.
Carlos Zambrano: Note 4,5 Für seine Härte war er schon bei Eintracht Frankfurt bekannt. Jetzt wissen auch die Fans im Joggeli, wie giftig der Peruaner in die Duelle geht.
Eder Balanta: Note 4 Seine Abgeklärtheit und Ruhe am Ball sind grossartig, aber bei der Schnelligkeit hapert es. Vor dem 0:1 verliert er das Laufduell mit Bakayoko.
Raoul Petretta: Note 4,5 Er hat den Assist eigentlich schon verbucht, doch dann köpft Zuffi seine perfekt getimte Flanke aus zwei Metern in die Arme von Stojanovic.
Fabian Frei: Note 4 In der Offensive vor allem in Halbzeit 1 mit viel Übersicht und guten Ideen. Defensiv ist sein Stellungsspiel dagegen nicht immer optimal.
Taulant Xhaka: Note 4 Sieht früh Gelb und gewinnt anschliessend auch ohne das grosse Risiko viele Duelle. Doch das Zentrum bekommt der FCB nie in den Griff.
Aldo Kalulu: Note 4,5 Sein Lauf steht am Ursprung des Aluminiumtreffers. Seine beste Chance auf ein Tor hat er, als er nach einer Ecke vom Gegner angeschossen wird.
Luca Zuffi: Note 3,5 Fahrlässig, wie er per Kopf das 1:0 vergibt. Unglücklich, wie sein Schuss an den Innenpfosten donnert. Statt Mann des Spiels ist er die traurige Figur.
Kevin Bua: Note 4 Holt den Elfmeter raus, weil er permanent das Eins-gegen-eins sucht. Doch diesmal kommt er nicht so oft an den Gegenspielern vorbei.
Ricky van Wolfswinkel: Note 3 Scheitert wie schon vor knapp einem Jahr mit einem Elfmeter an Stojanovic und vergibt auch in Halbzeit 2 eine gute Abschlusschance.
Albian Ajeti: Note 3,5 Kommt nach 63. Minuten für Xhaka. Freut sich über jeden Ballkontakt, doch er bekommt nur sehr wenige. Ajeti schiesst nicht ein einziges Mal aufs Tor.
Valentin Stocker: Note 4,5 Ersetzt Bua (65.) und fällt doppelt auf: Ärgert sich erst über einen knappen Offsidepfiff und wird dann in der 90. Minute vor dem Strafraum gefoult.
Samuele Campo: Note 5,5 Kommt nach 90 Minuten für Kalulu. Normalerweise reicht diese kurze Einsatzzeit nicht für eine Bewertung. Doch sein Freistosstor in den Winkel beim Comeback macht ihn zum Matchwinner.

Jonas Omlin: Note 4,5 Vereitelt zwei Grosschancen der St. Galler, doch sowohl Kutesa als auch Rapp machen es ihm mit ihren schwachen Abschlüssen auch gar einfach.

ho