Faustball
Ein Quintett «50 Jahre plus» sorgt für Furore

Im Faustball-Schweizer-Cup kommt es in Biel-Benken zu einem ungleichen Vergleich. Die Veteranen-Equipe der FG Binningen/Amicitia Basel spielt heute Abend (19.30 Uhr, Sportplatz Kilchbühl) im Cup-Viertelfinal gegen den Tabellenführer STV Wigoltingen.

Georges Küng
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Bereits in den Jahren 1999/2000 waren die Faustballer um die 40 Jahre alt.

Bereits in den Jahren 1999/2000 waren die Faustballer um die 40 Jahre alt.

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Dass es im Fussball-Cup immer wieder regionale Vereine gibt, die eine nationale Equipe eliminieren, ist denkbar. Seltener kommt es vor, dass ein Zweitligist ins Viertelfinale vorstösst.

Im Faustball wird zu 95 Prozent die sportliche Hierarchie, gerade in den Cuppartien, gewahrt. Doch heuer spielt sich etwas ab, das man – je nach Blickwinkel – als Märchen oder Wunder bezeichnen muss. Denn mit der FG Binningen/Amicitia Basel steht eine Mannschaft in der Runde der letzten Acht, welche letztes Jahr in der regionalen Seniorenliga teilgenommen hat. Und in dieser Saison sich wieder in den regulären Zweitliga-Betrieb integriert hat, «weil wir zu wenig gefordert wurden», wie Stephan Jundt erklärt.

Und mit diesem Stichwort weiss jeder Faustball-Insider, dass es sich um den 51-jährigen Ex-Nationalspieler handelt, der mit 94 Länderspielen an dritter Stelle der ewigen Bestenliste figuriert. Ein Teamkollegen von Jundt ist Markus Degen, der Jahrgang 1960 hat. Dieter Back ist zwei Jahre jünger (und demzufolge 53), Roger Keller ist 52 Jahre alt (oder eben jung), während Dieter Zwicky «mit dem Baujahr 1967 unser Benjamin ist», wie die Teamkollegen schmunzelnd erklären.

Double-Sieger im Jahre 2000

Dieses Quintett, ergänzt damals mit Reto Egolf und Peter Weidmann, wurde in den Jahren 1999 und 2000 in legendären Finalspielen gegen die FG STV Rickenbach-Wilen (1999) respektive den TSV Jona jeweils Schweizer Meister. Binningen/Basel verlor den Cupfinal 1999 gegen Jona, bevor ein Jahr später die Revanche gegen die Ostschweizer gelang, was der FG/Ami das Double bescherte.

Dass sich diese Equipe ein paar Jahre später vom Spitzen-Faustball zurückzog, war altersbedingt, denn bereits um die Jahrtausend-Wende «kratzte» der Grossteil des magischen Septettes «die Marke 40 und ein jeder musste andere Prioritäten setzen. Und schliesslich wurden wir nur älter, unsere Rivalen aber immer jünger», blickt Jundt auf jene Blütezeit der FG Binningen/Amicitia Basel zurück.

Wie ist es aber möglich, dass ein Quintett von 50 Jahren plus im Achtelsfinale den STV Vordemwald, den Siebten der Nationalliga A, eliminieren konnte? «Im Cup startet der Unterklassige jeweils mit einem 3:0-Vorsprung. Wir gerieten in einen Spielrausch und Didi (gemeint Schlagmann Dieter Zwicky; die Redaktion) schlug wie einst auf, sodass wir zuletzt halt mit 5:3 siegten», so Jundt.

Seit einigen Jahren wird über fünf Gewinnsätze à elf Punkte (wobei zwei Zähler Vorsprung nötig sind) gespielt. In der Vorrunde hatte das Baselbieter-Basler Kombinat den TSV Schneidingen (1. Liga) mit 5:3 (und dies auswärts), im 1/16-Finale den Erstligisten TSV Waldkirch mit 5:4 bezwungen.

«Bällele» für die Fitness...

«Eigentlich dürfte es ja gar nicht zum Duell mit Wigoltingen kommen. In ihren Reihen stehen vier Nationalspieler, das Team trainiert dreimal in der Woche, dazu kommt noch eine Athletik- und Krafteinheit. Ein jeder von uns könnte der Vater oder Onkel der Wigoltinger sein. Wir sind Relikte aus dem letzten Jahrhundert», lacht Jundt.

Der charismatische Binninger lebt seit Jahren in Gunten am Thunersee und führt ein bekanntes Event-Lokal, sodass er nur noch einmal in der Woche mit seinen alten Weggefährten trainieren kann. Oder «bällele», wie die Meister der Jahre 1999 und 2000 ergänzen respektive korrigieren...

Basel war einst gut vertreten

Basel war im Faustball immer eine Randregion. Andererseits spielten bei der Gründung der Faustball-Meisterschaft im Jahre 1966 gleich vier Basler Vereine (ATV Basel-Stadt, ETV Horburg-Basel, ATV Basel-Ost und KTV St. Anton Basel) in der Nationalliga A mit. Nur Dieter Zwicky war damals noch nicht geboren. Dass 50 Jahre später eine «Oldie-Equipe» den Nationalliga-A-Leader in einem Wettkampfspiel herausfordert, hört sich surreal an.

Oder kann sich jemand vorstellen, dass in 20 Jahren David und Philipp Degen, Alex Frei, Benjamin Huggel und Marco Streller mit einer Senioren-/Veteranen-Equipe (in Frage kämen wohl der FC Arlesheim, FC Biel-Benken oder SC Dornach) die Runde der letzten Acht im Schweizer Cup erreicht und auf dem Sportplatz Kilchbühl, Gigersloch (Dornach) oder In den Widen (Arlesheim) dem Serienmeister FC Basel gegenüberstehen wird? Wohl kaum... doch genau dies passiert heute Abend im Faustball.

Bereits in den Jahren 1999/2000 waren die Faustballer um die 40 Jahre alt.

Bereits in den Jahren 1999/2000 waren die Faustballer um die 40 Jahre alt.

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Die Faustball-Schweizer-Meister aus den Jahren 1999 und 2000.

Die Faustball-Schweizer-Meister aus den Jahren 1999 und 2000.

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