FC Basel
Ein Klassiker, dessen Geschichte in 8 Minuten erzählt ist

94 lange Minuten dauert die Partie, deren Geschichte in 8 Minuten erzählt ist. Nach dem Zürcher Ausgleich kurz vor Schluss, mussten die Basler gar um das Unentschieden zittern, bevor Suchy in der 93. Minute alles klar macht.

Etienne Wuillemin (Text) & Adrian Gottwald (Live-Ticker)
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Suchy trifft zum 2:1 in der 93. Minute.

Suchy trifft zum 2:1 in der 93. Minute.

Keystone

Viel fehlt nicht zu diesem Szenario, das sich so mancher Basler Fan längst sehnlichst wünschte: Der FCB spielt auswärts beim FCZ, schiesst in der Nachspielzeit das 2:1, siegt und ist Meister.
Süsser hätte die Revanche für den 13. Mai 2006 nicht sein können. Für diesen unvergessenen Tag, als der FCZ dem Dauerrivalen den Titel auswärts in letzter Sekunde wegschnappte.
Doch einer hatte etwas dagegen: Albert Bunjaku. Kurz vor 15:30 Uhr schoss der St. Galler Stürmer den Ball an den Pfosten des YB-Tores. Es wäre das 2:2 gewesen. Auf diesen weiteren YB-Punktverlust wäre Rot-Blau angewiesen gewesen, um schon gestern feiern zu können.
Nun ist der Titelgewinn vertagt. Elf Punkte beträgt der Basler Vorsprung auf YB. Das bedeutet: Ein Remis im Direktduell im St. Jakob-Park von nächster Woche reicht dem FCB zum Titel.

Kaum Fussball, viel Verbitterung

Was die beiden Mannschaften aber an diesem wunderbaren Frühsommernachmittag boten, war schwer verdaulich. Es war gewissermassen Fussball aus der Mikrowelle. Wie wenn ein leckeres Menü auf der Restaurant-Karte steht – und dieses dann lauwarm und aufgewärmt serviert wird.
Zürich gegen Basel, das war einmal ein Klassiker, ein hoch emotionales und offenes Duell. Dann entstehen Spiele wie letztes Jahr im Cupfinal. Mittlerweile ist das Duell nur noch die Karikatur eines Klassikers. Zu überlegen ist der FC Basel. Zu überfordert der FC Zürich. Und offenbar sind die Zürcher auch nicht in der Lage, aus ihren Fehlern zu lernen.
Ein 1:2 im Heimspiel gegen den FCB, das gab es bereits einmal in dieser Saison. Am 30. November 2015 war es, damals träumte der FCZ noch vom Titel. In der 88. Minute glich Chikhaoui per Penalty aus – doch Gashi traf in der Nachspielzeit zum Basler Sieg, nach einem Eckball.
Und was passiert gestern? Ivan Kecojevic erzielt in der 86. Minute das 1:1 für den FCZ. Doch noch ein Punktgewinn, mögen manche denken. Vergebens. Wieder kommt die Nachspielzeit, wieder kommt ein Eckball, diesmal ist es Marek Suchy, der zum späten 2:1 trifft. Der kleine Makel: Dem Tor ist ein leichtes Abseits vorausgegangen.
Auf diese eine Fehlentscheidung fokussierte sich auch FCZ-Trainer Urs Meier in seiner Aufarbeitung des Spiels. Wobei es sehr fraglich ist, ob das angemessen ist angesichts einer Bilanz von nun zehn Heimspielen in Serie ohne Sieg in der Meisterschaft. Immerhin offenbarten einige Zürcher Spieler etwas Selbstkritik. Burim Kukeli etwa sagte: «Was wir boten, war nicht schlecht, sondern unterirdisch! So kann es nicht weitergehen.» In den letzten zehn Spielen gewann der FCZ gerade einmal sechs Punkte. Das einzig Erfreuliche in seiner Lage ist, dass auch die Konkurrenz um einen Europa-League-Platz weiterhin schwächelt.

Auch Sousa unzufrieden

Meier war jedoch nicht der Einzige, der verbittert wirkte. Auch FCB-Trainer Paulo Sousa zeigte sich nach dem Spiel wieder einmal von seiner rätselhaften Seite. Wer ihn sah, wäre nicht auf die Idee gekommen, dass sein Team gerade einen süssen Sieg errungen hatte. Geschweige denn, dass es kurz vor dem Meistertitel steht. Stattdessen reagierte er auf eine Frage, ob er vor dem 2:1 einen Regelverstoss sah, schnippisch und gereizt. Ein Ärger ist weiterhin auch Sousas Verhalten an der Linie, wo er jeden Pfiff des Schiedsrichters wort- und gestenreich begleitet.
Lange dümpelte die Partie einfach vor sich hin. Ohne Leidenschaft. Ohne Tempo. Ohne Torchancen. Die einzige schöne Aktion der ersten Halbzeit führte in der 41. Minute zum Basler 1:0. Callà vollendete die herrliche Vorarbeit von Embolo und Gashi. Dabei trabte FCZ-Captain Chikhaoui so gemütlich hinter ihm her, als wäre er beim Plauschfussball mit seinen Söhnen. Auch solche Szenen dürfte man in einer Spielanalyse erwähnen.
Den FCB braucht dies nicht zu kümmern. Er darf sich in Ruhe auf die Meisterparty vorbereiten. Es würde überraschen, müssten die Basler länger als bis nächsten Sonntag darauf warten.

Matchtelegramm:

Zürich - Basel 1:2 (0:1)

11'569 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 42. Callà (Gashi) 0:1. 86. Kecojevic (Freistoss Rodriguez) 1:1. 94. Suchy (Embolo) 1:2.

Zürich: Brecher; Djimsiti, Nef, Kecojevic, Philippe Koch; Buff; Chiumiento (65. Kukeli), Rikan (73. Gavranovic), Schneuwly (84. Rodriguez); Chiumiento; Etoundi.

Basel: Vaclik; Callà, Schär, Suchy, Safari (79. Traoré); Elneny, Frei; Gonzalez (76. Streller), Xhaka (73. Delgado), Gashi; Embolo.

Bemerkungen: FCZ ohne Alesevic, Kajevic, Raphael Koch, Schönbächler, Yapi (alle verletzt), Da Costa, Cédric Brunner, Maurice Brunner (alle nicht im Aufgebot), FCB ohne Ivanov, Zuffi (beide verletzt). Verwarnungen: 28. Rikan, 77. Nef (beide Foul).

Lesen Sie die Highlights der Partie im Live-Ticker nach: