Beachvolleyball
Ein Dreamteam im Sand: Nun geht die Saison in der Halle weiter

Die Talente Nathan Broch (18) und Timon Gysin (18) haben die Schweiz an den Youth Olympic Games in Argentinien vertreten. Sie haben eine erfolgreiche Saison hinter sich – und wollen auch zukünftig hoch hinaus

Delia Hottinger
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Nathan Broch (links) und Timon Gysin haben eine erfolgreiche Beachvolleyball-Saison hinter sich. Nun gehts weiter in der Halle.

Nathan Broch (links) und Timon Gysin haben eine erfolgreiche Beachvolleyball-Saison hinter sich. Nun gehts weiter in der Halle.

Die Tante war Trainerin des Volleyballclubs Laufen, die beiden älteren Brüder spielten ebenfalls dort – für Nathan Broch war das Volleyballspielen quasi vorherbestimmt. Bereits mit sechs Jahren stand er in der Halle und merkte schnell, wie sehr auch ihm diese Sportart gefällt: «Volleyball ist ein spektakulärer Sport. Es ist viel dynamischer als andere Sportarten, ein Teamsport, aber ohne Köperkontakt – einfach etwas anderes.»

Sein Teamkollege Timon Gysin stimmt ihm zu: «Es ist viel unterhaltsamer als beispielsweise Fussball. Da passiert immer das gleiche – und es geht viel zu lang.» Auch Gysin spielt schon von Kindesbeinen an Volleyball, und auch bei ihm war es der grosse Bruder, der ihn mit sieben Jahren einmal mit ins Training nahm und so Gysins Freude am Ballsport entfachte.

Seit sieben Jahren spielen Broch und Gysin bereits zusammen, früher beim SC Gym Leonhard, heute beim Volleyballclub Traktor Basel. Die gemeinsame Beachvolleyball-Karriere fing allerdings erst später an, beide hatten sie zunächst andere Partner: «Wir haben aber in der Halle immer zusammen gespielt, waren im gleichen Kader und haben uns gut verstanden.» So lag es für Broch und Gysin denn auch nahe, ein Team zu bilden. «Die Partnerwahl im Beachvolleyball ist sehr wichtig», meint Broch. «Auf dem Feld steht kein Team mit vielen Leuten und Auswechselspielern – man ist nur zu zweit.»

Der grösste Erfolg: Teilnahme an den Youth Olympic Games

Man müsse miteinander Fortschritte machen, die Stärken und Schwächen des Partners kennen und aufeinander reagieren können. «Und natürlich ist es wichtig, dass man gut miteinander auskommt», ergänzt Gysin. «An den Youth Olympic Games in Argentinien hockten wir drei Wochen aufeinander und gingen uns trotzdem nicht auf die Nerven – das war nicht bei allen Teams so».

Wie gut die beiden als Team funktionieren, das haben Broch und Gysin bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dreimal Gold und zweimal Silber holten sie bisher an den Schweizer Meisterschaften der Junioren, diesen Sommer belegten sie an der U20-EM in Russland und der U19-WM in China jeweils den neunten Platz. «Der neunte Platz, das ist unser Standardplatz an internationalen Turnieren», lachen die beiden. Ihr grösster Erfolg, da sind sie sich einig, sei aber die Teilnahme an den Youth Olympic Games. «Das war seit drei Jahren unser Ziel.»

Nach ihrer erfolgreichen Saison war es absehbar, dass Broch und Gysin als Team für die YOG aufgestellt würden. «Dass wir dann Gruppensieger geworden sind, war für uns die Bestätigung, dass wir uns unseren Platz tatsächlich verdient haben.» Die beiden schafften es bis ins Achtelfinale, wo sie schliesslich den USA unterlagen – und der Traum vom Viertelfinal platzte. Doch trotz dieser Enttäuschung sei die Jugendolympiade ein unvergessliches Ereignis gewesen: «Die Atmosphäre war unglaublich – besonders beim Spiel gegen Argentinien. Das war so ein Moment, wo wir gemerkt haben: Dafür machen wir das alles, für das trainieren wir», schwärmen Gysin und Broch.

Drei Wochen waren Broch und Gysin anlässlich der YOG in Argentinien unterwegs, nun hat der Alltag auch sie wieder eingeholt. Während Gysin eine KV-Sportlehre macht, absolviert Broch das dritte Jahr des Sportgymnasiums. Die beiden haben sich für eine Sportausbildung entschieden, damit nebenbei genug Zeit für das Training bleibt.

Trotzdem sei es nicht immer einfach alles nachzuarbeiten, wenn man, wie für die YOG, immer mal wieder für einige Wochen fehlt. «Die Schule leidet ziemlich darunter», geben Broch und Gysin zu. «Aber man muss schliesslich Prioritäten setzen», grinsen sie. Zeit für sich bleibt neben Sport und Schule wenig. Wenn die Freunde doch einmal frei haben, verfolgen sie mit Vorliebe die Spiele der NBA – «wir sind Basketball-Fanatiker», sagen sie.

Nach dem Sand kommt die Halle

Mittlerweile ist die Beachvolleyball-Saison vorbei, die Meisterschaft in der Halle hat aber gerade erst begonnen. Während Broch sich als Aussenangreifer in der NLB etabliert hat, wechselt Gysin in 1. Liga. Beide hoffen auch in der Halle weitere Erfolge feiern zu können, bevor sie im Frühjahr wieder auf dem Beachvolleyballfeld stehen. Für die kommende Saison haben sie klare Ziele: «Wir wollen an internationalen Turnieren auch mal ins Hauptfeld kommen und nicht immer in der Quali verlieren.»

Die beiden sind ausserdem ein potenzielles Team für die U20-EM, die nächstes Jahr stattfinden wird. «Dort eine Medaille zu holen, das wäre schon toll.» Langfristig träumen Gysin und Broch von der Olympiade und einer Karriere als Beachvolleyball-Profi, aber: «Das ist ein langer und schwieriger Weg.» Dennoch: die Möglichkeit besteht durchaus – und sollte es für die beiden so weitergehen wie bisher, dann könnte aus dem Traum vielleicht schon bald einmal Realität werden.

Sportagenda mit Beachvolleyballern Nathan Broch und Timon Gysin

Montag

08:00 -12.00: Während Timon Gysin die Schulstunden der KV-Lehre besucht, drückt Nathan Broch im Sportgymnasium in Liestal ebenfalls die Schulbank.

13:00-16:00: Während Gysin mit der Arbeit beginnt, geht die Schule für Broch noch weiter.

16:30-18:00: Die Freunde absolvieren gemeinsam ein Krafttraining.

Dienstag

07:30-09.00: Broch und Gysin besuchen zwei Schullektionen.

10:30-12:00: Für beide steht ein erstes Training auf dem Programm.

14:00-17:00: Gysin beginnt mit der Arbeit, während es für Broch zurück ins Gymnasium geht.

19:00-21:00: Ein zweites gemeinsames Training steht an, diesmal in der St. Jakobshalle.

Mittwoch

14:00-16:00: Während Gysin arbeitet, absolviert Broch eine erste Trainingseinheit in der St. Jakobshalle.

17:30-19:00: Nun hat auch Gysin Feierabend und trainiert gemeinsam mit Broch in der St. Jakobshalle.

Donnerstag

10:30-12:00: Heute steht für die beiden statt normalem Training ein Krafttraining auf dem Programm.

Freitag

08:00-12:00: Broch und Gysin sitzen beide in der Schule.

14:00-16:00: Gemeinsam wird die letzte Trainingseinheit der Woche absolviert.

Samstag

An den Wochenenden steht für Broch und Gysin meistens ein Turnier auf dem Programm. Ansonsten kümmern sie sich um ihre Hausaufgaben und lernen für anstehende Prüfungen.

Sonntag

An den Wochenenden steht für Broch und Gysin meistens ein Turnier auf dem Programm. Wenn das Spiel am Samstag stattfindet, geht es am Sonntag ab ins Wellness. Ansonsten kümmern sie sich um ihre Hausaufgaben und lernen für anstehende Prüfungen.