Super League

Der FCB spielt nur 2:2 gegen Vaduz aber Sforza ist trotzdem zufrieden

Die FCB-Spieler verlassen nach dem Unentschieden enttäuscht den Platz.

Die FCB-Spieler verlassen nach dem Unentschieden enttäuscht den Platz.

Der FC Basel patzt in der ersten Meisterschaftsrunde und holt gegen Aufsteiger Vaduz nur ein 2:2-Unentschieden. Dabei wollte er in der neuen Saison gegen vermeintlich schwächere Gegner weniger Punkte abgeben.

Es ist nicht bekannt, ob Valentin Stocker ein Mensch ist, der Dinge schnell bereut. Man darf aber damit rechnen, dass es dem Captain des FC Basel lieber wäre, wenn er seine Worte vom Freitag zurücknehmen könnte. «Es geht darum, dass wir gegen vermeintlich kleine Gegner gewinnen können. Dann können wir ganz vorne mitspielen», sagte er da. Das sei in der vergangenen Saison das Hauptproblem gewesen. Nicht die direkten Duelle mit den Konkurrenten YB oder St. Gallen.

Dass die neue Saison für den FCB nun am gestrigen Sonntag mit einem Heimspiel gegen einen ebensolchen, vermeintlich kleinen Gegner – den Aufsteiger FC Vaduz – begann, schien nur eine kleine Pointe zu sein. Spätestens, als kurz vor 18 Uhr das Spiel abgepfiffen wird, da ist es aber mehr als nur ein netter Zufall. Weil der FCB genau das nicht tut, was er sich vorgenommen hat: gegen kleine Gegner zu gewinnen. Am Ende steht es zwischen dem Aufsteiger und dem Meister-Mitkandidaten nämlich 2:2. Und das absolut verdient. Der FCB hat, und das gibt Stocker zu, das Mittel also auch mit dem neuen Trainer Ciriaco Sforza noch nicht gefunden, um solche Ausrutscher zu vermeiden. Oder eher: solche Überraschungen. Denn wer auf ein Remis zwischen diesen Teams getippt hätte, wäre wohl zu einem kleinen Vermögen gekommen.

Erst die Hacke, dann der Patzer

Zu Beginn scheint aus FCB-Sicht alles gut. Nur gerade sechs Minuten braucht die Basler Lebensversicherung Arthur Cabral, um nach Vorarbeit von Afimico Pululu per Hacke das 1:0 zu erzielen. Eine standesgemässe Führung durch den standesgemässen Torschützen. Doch standesgemäss scheinen auch die Aussetzer von Djordje Nikolic zu werden. Nachdem er am Donnerstag in der Qualifikation zur Europa League eine starke Leistung gezeigt hat, unterläuft ihm im ersten Ligaspiel nun schon der dritte Patzer innert kurzer Zeit. Statt den Ball lang und weit wegzuhauen, verwandelt sich sein zu kurz geratener Pass auf Omar Alderete in einen Fehlpass. Nicolae Milinceanu fängt den Ball ab, passt auf Manuel Sutter, und dieser schliesst ab. 1:1. Die Vaduzer jubeln über ihr erstes Super-League-Tor seit dem 2. Juni 2017.

Statt jedoch in Schockstarre zu verfallen, reagiert der FCB wenige Minuten später und geht erneut in Führung. Stocker schlenzt nach neuerlicher Vorarbeit Pululus zum 2:1 ins Tor. Es ist eine Führung, die der FCB danach mehrfach verpasst zu erhöhen. Chancen hätten die Basler genug, nur mangelt es an Präzision im Abschluss. Mit zunehmender Spieldauer summieren sich auch die Fehler im Passspiel, der FCB wirkt phasenweise fahrig, unfokussiert. «Wir sind einfach zu unseren Toren gekommen, das hat es uns vielleicht schwer gemacht, konzentriert zu bleiben», sucht Stocker eine Erklärung. Auch die durch die Europa-League-Qualifikation herbeigeführten Reisestrapazen seien eine Ursache, wenn auch keine Entschuldigung.

Eine Entschuldigung gibt es auch nicht für das zweite Gegentor. Die Basler Defensive verteidigt im Verbund zu passiv und gewährt Milinceanu Raum und Zeit zum Schiessen. Sein Treffer besiegelt den Endstand. Der Basler Sturmlauf in den Schlussminuten kommt zu spät, um die Wende bringen zu können. So patzt die Mannschaft also beim ersten Meisterschaftsspiel von Ciriaco Sforza als Trainer des FCB. Dieser zeigt sich aber nicht wütend. «Was mir nicht gefallen hat, waren die Gegentore. Aber wir
haben kein Goalieproblem, und so, wie das Spiel gelaufen ist, müssen wir zufrieden sein», so Sforza. Und da der Gegner auch Qualitäten habe, «war es nicht selbstverständlich, dass wir gewinnen. Wichtig war, dass wir nicht verlieren und versuchen zu gewinnen.» Den Willen dazu habe er gespürt und auch gute Dinge gesehen.

Nur: Auch ein dominanter Auftritt nützt am Ende nichts. Denn der FCB hinkt bereits nach Spieltag eins der siegreichen Konkurrenz aus Bern und St. Gallen hinterher. Und es wird sich nicht nur Stocker fragen, ob man diese Saison vorne mitspielen kann.

Die Noten:

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