Leichtathletik
Duftmarken-Heimkehr von Alex Wilson am Hürden- und Sprintmeeting in Basel

Am traditionellen Hürden- und Sprintmeeting übertrumpfte einer alle: Alex Wilson. Auch für den Basler Sprinter waren die 10,16 Sekunden eine Überraschung.

Jörg Greb
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Dass ihm die 100-m-Premiere derart gut gelingen würde, vermutete Wilson selbst nicht.

Dass ihm die 100-m-Premiere derart gut gelingen würde, vermutete Wilson selbst nicht.

Keystone

Wenig hatte auf das Feuerwerk von Alex Wilson hingedeutet an diesem kühlen, windigen und feuchten Maitag auf der Basler Schützenmatte. Es war kein Sprinterwetter, und die Leistungen der ersten Entscheidungen bestätigten die Annahme. Mässige Zeiten resultierten. Auch über 100 m.

In 10,43 Sekunden wurde Alex Wilson gestoppt – Saisonbestzeit zwar, aber ein Wert, der nicht den Qualitäten des 26-Jährigen entspricht. Für James Dasaolu, den britischen Europameister von 2014 und Staffel-EM-Goldmedaillengewinner vom letzten Sommer, wurden 10,72 gestoppt. Doch das ins Programm eingeschobene Einlage-Rennen sollte den Eindruck nachhaltig korrigieren.

Jetzt gibt es kein Zurückhalten mehr. Vor allem bei Alex Wilson nicht. Mit Zug, Kraft, höchster Konzentration durchsprintet er die Gerade. Bei 10,16 Sekunden stoppt die Uhr. Dasaolu hat klar das Nachsehen. Verwunderung, ein Raunen, dann herzlicher Applaus von der Tribüne. Und Wilson strahlt, hebt die Arme, lässt sich feiern. Minutenlang. «Ich wusste, dass ich schnell laufen kann. Trotzdem bin ich überrascht, dass es nun derart rasch ging», sagt er.

Neues Umfeld

Vor bald vier Jahren riss der Basler mit jamaikanischen Wurzeln den Schweizer Rekord über die prestigeträchtige Distanz an sich. Um vier Hundertstel auf 10,12 Sekunden drückte er die alte Bestmarke von Dave Dollé aus dem Jahr 1995 hinunter. Mit vier zwei weiteren Zeiten unter 10,20 2015 bewies er, dass es sich um keinen Ausreisser nach oben handelte. Weiter aufwärts ging’s aber nicht. Wilsons Weg nach oben kam ins Stottern. Verletzungen bremsten ihn. Letztes Jahr musste er sich mit 10,30 begnügen.

Nun ist der Optimismus zurückgekehrt beim sensiblen Mann. Vom Deutschen Sven Rees zog er weiter zur britischen Gruppe um Floyd Cohan. Um ein Umfeld handelt es sich, das ihn beflügelt. «Wir sind eine grosse, leistungsstarke Gruppe, da bin ich in jedem Training herausgefordert», sagt Wilson. Zuvor war er vielmehr sein eigener und einziger Gradmesser gewesen.

Müde und im Zeitumstellungsprozess

Dass ihm die 100-m-Premiere derart gut gelingen würde, vermutete Wilson dennoch nicht. Erst letzten Dienstag war er aus dem zweieinhalb monatigen Trainingslager aus Orlando, Florida zurückgekehrt. Die Zeitumstellung setzt ihm noch immer zu. Und der «Temperaturschock» ist frappant. «Es handelt sich um 20 Grad Differenz», verdeutlicht er.

Aber er wusste: «Ich bin gesund und darum bin ich schnell.» Erstmals beweisen hätte er dies bereits Anfang Mai bei seinem Start in die Wettkampfsaison in Gainesville (USA) wollen. Doch über 100 m wurde er wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. Über 200 m resultierten ansehnliche 20,95 Sekunden.

Und in Basel fühlte er sich müde. Darum auch betonte er nach dem Exploit: «Ich bin überrascht. Ich erwartete nicht, bereits jetzt so schnell zu sein.» Umso grösser ist der Aufsteller. Wilson sagt: „«Ich muss mein Selbstvertrauen aufbauen und das ist mir hier vorzüglich gelungen.»

Bereits am Montag fliegt er wieder nach London. Weiterarbeiten, weiterfeilen, weiterkommen will er. Lachend sagt er: «Mit meinem Coach habe ich vereinbart, dass ich die Gruppe verlasse, wenn ich diese Saison nicht auf 10,05 komme.»

Zbären und Sprunger nicht ganz so schnell

Nicht ganz so erstklassigt fielen die Resultate über die verschiedenen Hürdendistanzen (100 m, 110 m, 150 m und 300 m Hürden) aus. Noemi Zbären, die eine Woche zuvor ein eindrückliches Comeback nach ihrem Kreuzbandriss am Knie und einjähriger Pause gab, verpasste ihre damalige Zeit (13,17) mit 13,63 klar. Doch trotz ihrem Sieg über 200 m Hürden in 26,43 gewann sie die Hürdencup-Gesamtwertung nicht.

Diese ging an die U18-EM-Zweite Yasmin Giger, die über 300 m Hürden (40,85 vorzüglich punktete. Über 200 m Hürden blieb sie 41 Hundertstel hinter Zbärens Zeit. Trotz des Widerspruchs sah Zbären das Erfreuliche: «Vor allem die längere Distanz ist ungewohnt, aber gerade in dieser Phase wichtig für mich, da es um Rennpraxis und den Wettkampfrhythmus finden geht.»

Enttäuscht zeigte sich hingegen Léa Sprunger. Die letztjährige EM-Dritte über 400 m Hürden peilte nach guten 17,38 Sekunden über 150 m über die selten gelaufenen 300 m Hürden ihre eigene Schweizer Bestleistung von 38,94 Sekunden an. Mit 39,29 scheiterte sie.

«Ich kann mir nicht erklären, warum’s nicht klappte», sagte sie. Von den regionalen Athleten deuteten die Nachwuchskräfte Jason Joseph (LC Therwil) mit 13,69 Sekunden über die 110 m Hürden sowie Salome Lang mit 1,81 m im Hochsprung ihre Ambitonen an. Er erfüllte die Limite für die U20-EM dieses Sommers, sie jene für die U23-EM.