Starwings
Die Starwings gewinnen das Deutschschweizer Basketball-Derby in Luzern mit 88:71

Mit einem Rumpfteam angetreten und im Laufe der Partie zwei weitere Schlüsselspieler (Brunelle Tutonda und Allyn Hess) verloren, zeigte das Birstaler Kombinat eine Leistung, für die es nicht genügend Superlative geben kann.

Georges Küng
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Branislav Kostic

Branislav Kostic

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Im Basketball kommt einem umsichtigen Aufbauer, oder auf gut-englisch «Playmaker» genannt, entscheidende Bedeutung zu. In der Person von Petar Babic hätten die Starwings einen solchen Mann – seit der schweren Verletzung vom letzten Spieltag (beim sensationellen Heimsieg über SAM Massagno) ist der Kroate, eventuell bis zum Saisonende, ausser Gefecht. Und somit fehlt, nicht nur auf dem Papier, der Denker und Lenker.

Brunelle Tutonda, der explosivste Akteur der Unterbaselbieter, versuchte sich trotz diverser Blessuren – und musste nach dem ersten Viertel Forfait geben. Obwohl der Romand in dieser Zeit, trotz muskulären Beschwerden und blockiertem Rücken, vier Rebounds (davon zwei in der Offensive) ergatterte und vier Punkte erzielte.

Dass die Gastgeber, die sich auf ein homogenes Stammquintett verlassen können, mit 27:16 führten, war das Normalste in diesem Vergleich zwischen einer Equipe, die fast «en grand complet» spielen konnte und gerade zu Hause die Partien emotional, und meist siegreich gestaltet.

Auch Hess verletzt

Das Malheur der Gäste aus Birsfelden nahm seine Fortsetzung, als Allyn Hess mit einer Verletzung ausscheiden musste. Der Amerikaner war in den ersten zehn Minuten nicht in die Gänge gekommen; doch just, als er aufzeigte, dass er in ein paar Jahren durchaus in einer grossen europäischen Liga spielen kann, fiel er aus.
Wenn in einer Equipe, die zu den Kleinsten der Liga zählt und dessen Ressourcen sehr

überschaubar sind, drei von fünf Leistungsträgern aus dem erhofften Stammquintett verliert, so steht man eigentlich auf verlorenem Posten. Und darf, auch gegen Teams, die in etwa auf Augenhöhe wären (bei Vollbestand), keinen Sieg erwarten.
Doch die «Wings» liessen sich weder durch Unbill, einige diskutable Schiedsrichter-Entscheide, noch durch sonstige Einflüsse entmutigen. Das zweite Viertel war etwas vom Feinsten, was die «Wings» in dieser Saison 2017/18 gezeigt haben.

Vor allem Branislav Kostic, der in die Rolle von Petar Babic schlüpfte, bot eine Partie, für die es nur uneingeschränktes Lob, in Form von Superlativen, geben kann Nemanja Calasan (34), eine Art «Vater der Jungs», spielte fast durch, warf 23 Punkte und beherrschte die Bretter mit 15 Rebounds.

Der Serbe hat Aura, Charakter und Vorbildfunktion in Personalunion. Auch Björn Schoo (37), noch etwas älter als Calasan, zeigte, wie wertvoll Routine im Basketball ist. Der Deutsche strahlte auch in hektischen Moment ein stoische Ruhe aus. Und diesmal konnte auch Alessandro Verga feine Akzente setzen, immer wieder sorgten seine Punkte dafür, dass Luzern nie mehr den Anschluss schaffen konnte. So wünscht man sich den ehemaligen Nachwuchs-Internationalen Woche für Woche.

Mit vier Eigengewächsen

Zuletzt spielten Kostic, Verga, U18-Nationalspieler Luca Streich und der 17-jährige Aleksa Pavlovic. Vier Eigengewächse, die in Birsfelden (beim CVJM Birsfelden von Pascal Donati) ausgebildet wurden. In einer Sportart, die von ausländischen Profis geprägt werden.
Wo andere Klubs, wenn ein Profi hustet, sogleich der nächste Berufsspieler verpflichtet wird. Die Starwings haben gegen Massagno (Tabellenvierter) und Luzern, ohne drei Leistungsträger, gewonnen.

Das ist ein ganz starkes Zeichen und beweist, dass die Förderung der
eigenen Kräfte in der Region Basel kein blosses Lippenbekenntnis ist.
Nur zu gerne würde man aber ein Starwings «en grand complet» sehen. Möglich, dass die Landesgrössen sich vor diesen «Sternenadlern» in Acht nehmen müssten, wenn schon der «zweite Anzug» für Furore und Exploits, in Form von Wundern und Siegen, sorgt.

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