Swiss Indoors

Die rote Armada: Wie der Fanklub Federer zum Sieg verhilft

Nach 53 Minuten Einbahnstrassentennis hat sich Roger Federer das Kompliment seines Fanklubs redlich verdient.

Spielt Roger Federer in Basel, verwandelt sich die St. Jakobshalle in ein Tollhaus. Dies ist auch dem Fanklub «fans4roger» zu verdanken. Für die Mitglieder ist kein Aufwand zu gross.

Das erste Highlight in der St. Jakobshalle kommt bereits vor dem ersten Ballwechsel. Betritt Roger Federer den Center Court in Basel, steppt der Bär, die Fans erheben sich. Eine Fangruppierung, ganz in Rot gekleidet und mit farbig leuchtenden Armbändern ausgerüstet, bleibt am längsten stehen. Es ist der Fanklub von Roger Federer. «Willkommen daheim. Viel Glück Roger», steht auf den Buchstaben, die sie in die Höhe halten. «Sein Tennis ist einfach einzigartig. Zudem ist er so höflich», schwärmt Doris Kording, die extra aus Deutschland für die Swiss Indoors angereist ist.

Dass Federer in Basel auf einen organisierten Fanklub zählen darf, basiert auf einer eher zufälligen Begebenheit. Als der Radiosender DRS im Jahr 2005 bei Federers Triumph in Wimbledon ein Gespräch mit dem Präsidenten des Fanklubs führen möchte, stösst er auf taube Ohren. Federers Fanklub? Gibt es nicht! Kurzerhand sucht der Radiosender einen Präsidenten.

Doris Löffel wurde zwar nicht die erste Präsidentin, ist aber von Anfang an bei «fans4roger» dabei. «Federer macht einen sehr grossen Teil meines Lebens aus», sagt sie. Schal, Shirt, Halskette, Ohrenringe, alle zieren sie das Konterfei oder Logo ihres Idols. «Zudem steht bei mir daheim im Eingangsbereich eine lebensgrosse Figur von ihm», sagt sie. Die Unterschriften kann sie inzwischen nicht mehr zählen.

Mit dem Fanklub ist Federer auch Schauspieler

Löffels Hobby ist geld- und zeitintensiv. «Andere sammeln jeden Samstag Pilze, ich schaue Tennis», sagt sie. Ob Paris, Melbourne, London oder Basel, den Rekordsieger der Swiss Indoors verliert sie nie aus dem Visier. Um ihn zu sehen, wartete die 51-Jährige in Paris einst über fünf Stunden. «Beinahe meine ganzen Ferien investiere ich für Federer.»

Doris Löffel hat gut lachen: Im Hintergrund wärmt sich ihr Idol auf.

    

Besonders die Begegnungen anlässlich der Fanklubtreffen bleiben Löffel im Gedächtnis. «Er hat zu einem von uns geschriebenen Lied schon Pantomime gemacht. Federer ist bei unseren Treffen immer sehr natürlich, auch weil keine Medien anwesend sind.»

Im Startspiel gegen den bemitleidenswerten Peter Gojowczyk erhält der Fanklub kaum die Möglichkeit, das Repertoire auszuschöpfen, zu schnell ist der Federer-Express unterwegs. Als er zu Beginn des zweiten Satzes ein Break kassiert, liegt kurzfristig erstmals so etwas wie Spannung in der Luft. Der Fanklub, der zuvor erfolglos versuchte, eine Laola-Welle zu lancieren, macht sich bemerkbar: «Let’s go Roger, let’s go», hallt es durch die Halle.

Federer versteht die Botschaft, holt sich umgehend das Break zurück. Der Fanklub springt auf, hält Plakate in die Höhe und füllt die Halle mit den blinkenden Armbändern mit Farbe. Solche Glücksmomente gab es in der Karriere Federers zuhauf, doch nicht nur: «Als Federer den Wimbledon-Final nach zwei Matchbällen gegen Djokovic noch verlor, hatte ich schlaflose Nächte», erzählt Erika Jegerlehner, eine weitere Frau im Fanklub. Solange Federer spielt, nehmen sie auch diese Niederlagen in Kauf, Hauptsache, sie können ihn noch lange anfeuern.

Als Federer nach nur 53 Minuten seinen ersten Matchball verwertet, sorgt das Publikum für das letzte Schlusskonzert. Erneut widmet der Fanklub dem Gewinner Buchstaben: «Guet gmacht. Bravo Roger».

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