Super League
Der Unscheinbare: Luca Zuffi spielt konstant und fällt beim FCB doch nicht auf

Luca Zuffi ist die Konstante schlechthin beim FCB. Troztdem geht er oft unter dem Radar durch. Wer ist dieser Mann eigentlich?

Sébastian Lavoyer
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Luca Zuffi feiert sein Tor zum 2:1 gegen St. Gallen mit Assistgeber und Freund Ricky van Wolfswinkel.

Luca Zuffi feiert sein Tor zum 2:1 gegen St. Gallen mit Assistgeber und Freund Ricky van Wolfswinkel.

Andy Mueller/freshfocus

Japan – das passt irgendwie nicht zu Luca Zuffi. Eigentlich, sagt er, selbst ziehe es ihn und seine Freundin Laura sonst auch nicht in diese Richtung. Japanisch spricht er auch nicht, obschon man ihm das irgendwie auch zugetraut hätte.

Und trotzdem flog er letzten Sommer mit Laura gen Osten, ins Land des Lächelns. «Wenn ich Yoichiro (Kakitani; d. Red.) nicht gekannt hätte, wären wir kaum je dort gelandet», sagt Zuffi. Im Sommer 2014 kam der Japaner zum FCB. Eine schillernde Figur, ein Popstar in seiner Heimat.

Ganz anders Luca Zuffi. Oft geht der Winterthurer unter dem Radar durch. Zwar liefert er seit Jahren konstant, schiesst Tore, legt auf, schliesst Lücken, ist Freistoss-Spezialist. Er kam im gleichen Jahr zum FCB wie Kakitani. Unter jedem Trainer war er gesetzt. Auch unter Marcel Koller ist er nicht wegzudenken. Trotzdem wird er wegen seiner zurückhaltenden Art oft nicht wahrgenommen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz – allen vorweg der Sprachbarriere: Zuffi und Kakitani sind sie Freunde geworden. Ein bisschen Englisch spreche Kakitani schon. «Und sonst gibt es ja auch noch Übersetzungshilfen auf dem iPhone», sagt Zuffi und lacht. Sie haben sich getroffen, gemeinsam gegessen, Spass gehabt. «Es war wirklich sehr spannend. Ich kann mir gut vorstellen, wieder dahin zurückzukehren», sagt Zuffi.

Bald heiratet Zuffi

Noch lieber wäre es ihm gewesen, wenn sein japanischer Freund im Dezember in die Schweiz hätte kommen können, aber «es dürfte schwierig werden». Im Dezember heiratet Zuffi, danach gehts in die Flitterwochen. «Als Fussballer hast du eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sommer- oder Winterpause.

Und im Sommer war vieles ungewiss, ich wusste nicht, was allenfalls noch in Sachen Nati geht», erklärt der Mittelfeld-Stratege das ungewöhnliche Datum. Auf einen Anruf von Vladimir Petkovic wartete er indes vergebens, wie er überhaupt seit einem Jahr keine Rolle mehr spielte in der Nati.

Ganz anders sein Status bei Laura, seiner Freundin und baldigen Frau. Sie kennen sich seit der vierten Klasse, seit fünf Jahren sind sie ein Paar und irgendwann in den nächsten Jahren möchten sie Kinder. Wie könnte es anders sein bei einem Familienmenschen, wie es Zuffi einer ist. Wenn man ihn fragt, was für ihn Luxus sei, antwortet er: «Zeit mit der Familie und den Freunden zu verbringen. Glücklich sein.

In Basel hat er sein Glück gefunden. Obwohl er einer der dienstältesten Spieler ist, kann er sich gut vorstellen, seinen bis 2021 laufenden Vertrag beim FCB zu erfüllen. Er mag die Stadt, den Klub, die Menschen. Zuffi: «Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier. Und ich habe immer gesagt, es müsste ein Top-Verein aus einer anderen Liga kommen, um mich hier wegzulocken.»

Das gab es nicht. Und ob es je eines geben wird, steht in den Sternen. FCB-Kaderplaner Remo Gaugler sagt: «Luca ist so wichtig für uns. Es ist sein Pech, dass man ihn während sechs, sieben, acht Spielen sehen muss, um zu erkennen, was er alles für die Mannschaft macht.»

Läufts nicht, findet Zuffi Worte

Zuffi ist einer, der auch dann hinsteht, wenn es dem Team mal nicht läuft. Vielleicht müsste man sagen, dass er gerade auch dann gefragt ist. Wenn es läuft, wenn es Zuffi läuft, dann fragt meist keiner nach ihm. Wenn es harzt, wenn es kriselt, dann wird oft er geschickt.

Von ihm gibt es keine Polemik, aber stets ungeschönte Analyse. Er findet Worte, wenn gewisse Mitspieler nur noch schwarzsehen. «Wenn ich der Mannschaft helfen kann, indem ich in schlechten Momenten hinstehe», sagt er, «dann mache ich das gerne.»

Dazu hatte er in den letzten Monaten und Wochen öfters Gelegenheit. Der FCB ist vom Erfolgspfad abgekommen. Umbruch folgte auf Umbruch – erst in der Klubführung, dann im Team, dann auf der Trainerposition. Ein Klub auf der Suche. Zuffi weiss das natürlich, sagt: «Wir stecken in einem Prozess.» Man habe noch nie so viele Junge im Team gehabt. Und: «Es ist nicht so einfach, eine konstante Saison hinzulegen, wenn du ein junges Kader hast.»

Durch Schuften zum Buben-Traum

Zuffi weiss es aus eigener Erfahrung. Er brauchte Zeit, um zu reifen. Er war kein Supertalent, kein aufgehender Stern. Er schuftete sich hoch. Sportschule in Oerlikon, KV-Lehre an der United School – viel Training, daneben Ausbildung. Ohne Abschluss wollte er das Wagnis Profi-Fussball nicht eingehen, auch wenn es ein Buben-Traum war. Im Joggeli wurde er mit dem Fussball-Virus infiziert, als sein Vater dem FCB als Stürmer zum Aufstieg verhalf.

Tatsächlich steht Lucas Karriere kurzfristig auf der Kippe, als er sich mit 19 Jahren das Kreuzband reisst. «Bei einer so schweren Verletzung weiss man nie, ob es nachher wieder gut kommt», sagt er. Seither war er nie mehr ernsthaft verletzt. Dank Glück und guten Genen, wie Basels Nummer 7 selbst sagt.

Seriosität setzt er voraus, die erwähnt er nicht. Seriös, kein Wort beschreibt ihn treffender. Und so sagt er vor dem Spiel gegen Schlusslicht Xamax: «Wir dürfen uns keinen Ausrutscher erlauben, wir müssen gewinnen. Jetzt erst recht, da wir keine internationalen Partien haben.»