Volleyball
Der unglaubliche Aufstieg von Laura Künzler

Bilderbuch-Laufbahn: In nur zweieinhalb Jahren schaffte Laura Künzler den Sprung von der 4. Liga in die Nationalmannschaft. Seit dieser Saison spielt die 17-Jährige für Sm’Aesch Pfeffingen.

Andreas Fretz
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Sieht die Netzkante aus der Vogelperspektive: Sm’Aesch Pfeffingens Neuverpflichtung Laura Künzler. Uwe Zinke

Sieht die Netzkante aus der Vogelperspektive: Sm’Aesch Pfeffingens Neuverpflichtung Laura Künzler. Uwe Zinke

Uwe Zinke

Die Netzkante kennt Laura Künzler aus der Vogelperspektive. So schnell, wie die 1,88 Meter grosse Ausnahmeathletin in den letzten Jahren an Körpergrösse zugelegt hat, so steil ging es auch mit ihrer Karriere bergauf. Vor einem Jahr debütierte die damals 16-Jährige, notabene als NLB-Spielerin, in der Schweizer Nationalmannschaft. Nur zweieinhalb Jahre zuvor spielte sie noch in der 4. Liga in der beschaulichen Aargauer Gemeinde Neuenhof.

Auf diese Saison hin erfolgte der Wechsel vom B-Ligisten Kanti Baden zu Sm’Aesch Pfeffingen in die NLA. «Ich habe von ziemlich jedem Verein der Schweiz ein Angebot erhalten», sagt die zielstrebige Blondine mit einem Lachen. Doch längst nicht jedes Angebot hat sie auch ernsthaft überprüft. «Für mich war klar, dass ich in der Region bleiben will», sagt Künzler, «ein Schulwechsel kam für mich nicht infrage.» In Aarau besucht sie die dritte Klasse der Sportkanti.

Argumente im Transfer-Poker

Am Ende ihres Auswahlverfahrens waren noch Luzern und Sm’Aesch Pfeffingen im Rennen. Für die Baselbieterinnen entschied sich Künzler nicht zuletzt wegen Trainer Timo Lippuner. Ihn kannte sie schon als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, schätzt seine Arbeitsweise und sein Know-how. Auch dass Sm’Aesch auf junge Spielerinnen setzt, war ein gutes Argument im Transfer-Poker. Und zu guter Letzt stellt ihr der Verein eine Wohnung beim Basler Bahnhof zu Verfügung. Damit verkürzen sich ihre Wege beim täglichen Pendeln zwischen Basel und Aarau.

So souverän, wie die junge Frau nun ihren eigenen Haushalt meistert, so souverän glückte ihr auch der Einstand in der NLA. In beiden Spielen der Saison stand die Angreiferin in der Startformation, beide Male spielte sie durch. Trainer Lippuner gab ihr mit auf den Weg, dass sie jene Schweizerin sei, die im Team als Leistungsträgerin gilt. Doch obwohl Künzler bereits über Erfahrung auf dem internationalen Parkett verfügt, ist die NLA eine andere Hausnummer als die NLB. «In Baden war ich quasi die Alleinunterhalterin, bei Sm’Aesch liegt die Verantwortung bei allen», sagt Künzler. Und natürlich bewegen sich auch die Gegnerinnen auf einem anderen, höheren Niveau: «Das Punkten geht nicht mehr so einfach, der Block springt höher.» Vor allem im Spiel gegen Köniz habe sie eine gewisse Zeit gebraucht, um zu ihrem Spiel zu finden. «Aber je besser die Gegnerinnen, desto grösser ist mein Verlangen, an die eigenen Grenzen zu gehen», sagt Künzler.

Zahlreiche neue Erfahrungen

Neu ist auch die Erfahrung in einem international durchmischten Team. In Baden war Künzler unter Schweizerinnen, bei Sm’Aesch sind es fünf verschiedene Nationen. Die Trainings werden auf Englisch abgehalten. «Man lernt, mit den verschiedenen Mentalitäten und Charakteren umzugehen», sagt Künzler, die selbst im kalifornischen Berkley geboren ist.

Später kann sie sich vorstellen, selbst einmal als Profi im Ausland zu spielen. Italien oder Frankreich zählen zu ihren Wunschdestinationen. Doch vorerst gilt die volle Konzentration ihrem neuen Verein. «Nach der enttäuschenden letzten Saison wollen wir unter die Top 6 und in die Playoffs. Toll wäre ein Platz in den Top 4.» Zwar sei es noch früh in der Saison und deshalb schwer zu sagen, wo genau man stehe, «aber der Startsieg auswärts gegen Neuchâtel UC hat gezeigt, dass wir parat sind», sagt Künzler.

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