Orientierungslauf
Der Spagat des OL-Läufers Matthias Kyburz

Matthias Kyburz will an der WM in Italien in Sprint und Langdistanz brillieren. Vor allem über die Langdistanz konnte der Fricktaler bisher noch keinen grossen Erfolg verzeichnen. Das soll sich nun ändern.

Simon Steiner
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Blick voraus: Matthias Kyburz passiert einen Posten.

Blick voraus: Matthias Kyburz passiert einen Posten.

Swiss Orienteering

Im Sprint macht ihm keiner etwas vor. Mit sechs Weltcupsiegen und dem Weltmeistertitel 2012 in Lausanne hat Matthias Kyburz schon zur Genüge gezeigt, dass er in dieser Disziplin einer der besten Orientierungsläufer der Welt ist. Über die Langdistanz hingegen ist der 24-Jährige aus Möhlin diesen Beweis trotz zwei Schweizer Meistertiteln bisher schuldig geblieben: Auf internationaler Ebene ist ihm der grosse Erfolg in der Königsdisziplin noch nicht geglückt.

Viel Zeit für Gedanken

Das will Kyburz ändern – am liebsten schon an den Weltmeisterschaften, die am Samstag in Venedig beginnen. In der Vorbereitung hat der Fricktaler den Fokus deshalb gezielt auf das Rennen über die lange Distanz gerichtet. «Diese Disziplin hat einen besonderen Reiz, auch weil sie international am meisten Prestige verspricht», sagt Kyburz. «Ich habe es mir deshalb zur Aufgabe gemacht, mich da weiter zu verbessern.» Dabei setzte er nicht nur im physischen Bereich Akzente, sondern nahm auch die Hilfe von Teampsychologin Andrea Binggeli in Anspruch. «In einem Langdistanz-Wettkampf hat man viel Zeit, um sich Gedanken zu machen», sagt Kyburz. «Die Analyse hat gezeigt, dass diese Gedanken in der Vergangenheit oft in eine negative Richtung abschweiften.»

Vier Einsätze geplant

Ganz auf die Königsdisziplin setzen will Kyburz allerdings nicht. In Italien ist er für vier Einsätze vorgesehen: Neben Langdistanz und Sprint auch in der Staffel und bei der WM-Premiere der gemischten Sprintstaffel. Eine Herausforderung stellt dabei insbesondere die Kombination von Langdistanz und Sprint dar. Letztere ist zwar im OL im Unterschied zur Leichtathletik ebenfalls eine Ausdauerdisziplin. Eine gewisse Vielseitigkeit ist aber dennoch gefragt, wie das WM-Programm zeigt: Während der Sprintfinal die Athleten am Samstag eine knappe Viertelstunde durch die Gässchen Venedigs führt, dürften sie am Mittwoch auf der Hochebene von Lavarone im Trentino über die Langdistanz mehr als anderthalb Stunden auf voralpinem Terrain unterwegs sein.

Mehr Weltcuppunkte als Credit Points

«Es gibt nicht viele Athleten, denen dieser Spagat wirklich gelingt», sagt Kyburz, der seine Allrounderqualitäten in den letzten beiden Saisons durch seine Siege im Gesamtweltcup unter Beweis gestellt hat. «Das zeigt, dass ich auch letztes Jahr sehr viel richtig gemacht habe, obwohl ich keine WM-Medaille gewinnen konnte.» Heuer allerdings haben die Titelkämpfe klar Priorität für den Biologiestudenten, der von der Uni Basel unter anderem deshalb nach Bern gewechselt hat, weil sich das Studienprogramm dort flexibler gestalten lässt. Zurzeit lebt Kyburz allerdings praktisch als OL-Profi. «Ich sammle im Moment fleissiger Weltcuppunkte als Credit Points», gibt er zu.

Sprint nicht vernachlässigen

Trotz der verstärkten Konzentration auf die Königsdisziplin kommt es für Kyburz nicht infrage, den Sprint zu vernachlässigen: «Ich will meine Stärken pflegen.» Entsprechend hoch sind denn auch die Erwartungen zum WM-Auftakt. «Wenn ich im Sprint keine Medaille gewinne, werde ich wahrscheinlich enttäuscht sein», sagt er. «Wenn mir über die Langdistanz ein gutes Rennen gelingt, kann ich dafür unter Umständen auch mit einem fünften Rang zufrieden sein.» In den beiden Staffeln gehört Kyburz mit seinen Teamkameraden zu den Titelanwärtern. Vor allem die Schweizer Männer träumen von jener Goldmedaille, die sie in den letzten Jahren trotz hohem individuellen Niveau der Athleten nie gewinnen konnten – respektive nur einmal dank eines Unfalls eines Konkurrenten. «Das wäre ein Highlight», sagt Matthias Kyburz.

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