FCB
Der kleine, dicke Italiener und der künftige Nati-Spieler

Beim Kehraus-Spiel des FC Basels gegen den FC Luzern gab es zwei emotionale Highlights: Davide Callàs Abschied und Albian Ajetis Titel.

Céline Feller
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Basels Albian Ajeti jubelt über sein Tor zum 5:1 gegen Thun.

Basels Albian Ajeti jubelt über sein Tor zum 5:1 gegen Thun.

KEYSTONE

Davide Callà ist gerade auf dem Weg zu seinen Fernseh-Interviews, da rennt er in der Senftube Raphael Wicky in die Arme. Die beiden lächeln sich an, dann umarmen sie sich. Lange. Herzlich. Als sie sich aus der Umarmung lösen, wechseln sie ein paar Worte. Dann begibt sich Callà in die Studios.

Diese Szene trägt sich nach dem letzten Saisonspiel des FC Basel gegen den FC Luzern zu. Der FCB holt sich nur ein 2:2. Da der Titel aber schon weg und der zweite Platz schon sicher ist, ist das egal. In diesen letzten 90 Minuten sind es andere Geschichten, die zählen. So zum Beispiel, dass Davide Callà noch ein letztes Mal für den FC Basel auflaufen darf. Es ist erst das achte Mal in einer Saison, die für ihn ganz bitter verlaufen ist. Weil der Mann, den er nach Spielschluss herzt, nicht auf ihn setzt.

23 Treffer und 17 Assists in 128 Spielen

Callà ist dennoch geblieben, hat sich auf und neben dem Platz immer wie ein Vorzeige-Profi verhalten und sich damit «meinen absoluten Respekt und diesen letzten Einsatz verdient», wie Wicky sagt. In der 71. Minute wechselt er Callà ein. Er hätte ihn schon in der 32. bringen können, als Mohamed Elyounoussi angeschlagen vom Feld muss. Stattdessen bringt er den erst 17 Jahre jungen Noah Okafor. Jugend statt Erfahrung. Es ist symbolisch für diese Saison, in der Callà keine Chance mehr gekriegt hat.

Auf dem Platz kann der Routinier kaum grosse Akzente setzen. Ein paar Grätschen, ein paar Vorstösse, alles mit grösstmöglicher Hingabe. Ein letzter Treffer bleibt ihm verwehrt. So bleibt es bei 23 Treffern und 17 Assists in 128 Spielen für die Basler. Dennoch gibt es für ihn noch ein Highlight: Vor dem Spiel wird er verabschiedet, kriegt Blumen, ein Bild und eine Videobotschaft. Marc Janko verabschiedet seinen Freund genauso wie Matías Delgado und Behrang Safari. Dieser Safari, der bei Delgados Abschied seinen blanken Hintern auf der Videowand präsentierte, sorgt auch beim Abschied Callàs für den grössten Lacher: «Du kleiner, dicker Italiener», fängt Safari an, und fragt Callà dann: «Frisst du immer noch so viel? Echt jetzt, du hast immer so viel gegessen wie ein Flusspferd!»

Wicky sieht Ajeti in der Nati

Danach ist der Spass-Teil des Abends vorbei, das Spiel beginnt. Mit einem Ziel: Albian Ajeti soll sich die Torschützen-Krone holen. Weil Guillaume Hoarau, mit 15 Toren erster Verfolger Ajetis, nicht trifft, hätte der FCB-Stürmer den Titel bereits auf sicher gehabt. Das Risiko, auch noch diesen individuellen Titel zu verlieren, will Ajeti aber nicht eingehen. 82 Minuten lang rennt er an, versucht, kämpft. Erfolglos. Er hadert, verzweifelt beinahe. Dann aber geht der Ball endlich rein. Mit dem schwächeren linken Fuss trifft er sehenswert ins rechte Lattenkreuz.

Er sei glücklich über den Titel, sagt er nach dem Abpfiff. Jetzt hofft er, dass er mit der Nati nach Lugano ins Trainingscamp reisen darf. Auf der provisorischen Liste des erweiterten Kaders steht sein Name. Wicky zumindest hat eine klare Meinung: «Wenn ein Schweizer in der Super League die meisten Tore schiesst, muss er ein Thema sein. Und wenn nicht jetzt, dann wird Albi trotzdem eine Zukunft in der Nationalmannschaft haben.»

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