Sm'Aesch
Der Gegner liegt in der Reichweite, das Ziel liegt in der Ferne

Der Tabellenerste der Nationalliga A Sm’Aesch Pfeffingen startet heute gegen den amtierenden kroatischen Meister Mladost Zagreb in den Europacup - und träumt von grossen Erfolgen wie vor zwei Jahren.

Céline Feller
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Mit Anu Ennok (im Bild), Madlaina Matter und Maja Storck sind noch drei Spielerinnen dabei, die schon 2015 zum Erfolgsteam von Sm’Aesch Pfeffingen gehörten.

Mit Anu Ennok (im Bild), Madlaina Matter und Maja Storck sind noch drei Spielerinnen dabei, die schon 2015 zum Erfolgsteam von Sm’Aesch Pfeffingen gehörten.

Nicole Nars-Zimmer

«Meine Frau sagt immer, sie möchte nie ein Freund von mir sein, das wäre viel zu teuer», erzählt Werner Schmid, als wir ihn am Telefon erreichen. Eigentlich sollte es im Gespräch um Sm’Aesch Pfeffingen gehen und um deren heutigen Start in den Europacup. «Diese Anekdote ist ziemlich sinnbildlich, wissen Sie», sagt er.

Was auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheinen mag, ist wahr. Denn die Teilnahme der Baselbieterinnen am Challenge Cup - dem dritthöchsten Europapokal-Wettbewerb für Vereinsmannschaften im Volleyball - ist auch immer eine Geldfrage. «Im Europacup zu spielen kostet im Volleyball nur.

Und die diesjährige Teilnahme war eigentlich auch gar nicht budgetiert», gibt Schmid, Präsident von Sm’Aesch Pfeffingen und hauptberuflich Autohändler, zu. Je nachdem, welchen Gegner Sm’Aesch zugelost bekommt, unterscheidet sich der zu finanzierende Betrag. Je weiter die Reise, desto höher die Kosten, rechnet Schmid vor.

Ohne finanzielle Hilfe gäbe es Probleme

Der diesjährige Gegner heisst Mladost Zagreb und ist amtierender kroatischer Meister. Die Kosten für diese erste Runde auf europäischer Bühne (das Hinspiel findet heute, 20 Uhr, auf dem Löhrenacker statt, das Rückspiel am 10. Januar in Zagreb) sind gedeckt. «Weil Swisslos 40 Prozent der Reisekosten übernimmt», sagt Schmid «und weil ich meinen Freunden zusätzliche Werbung habe verkaufen können.»

So viel zur Anekdote seiner Frau. Die zeigt: ohne diese Hilfe könnte der Verein die Summe von jeweils um die 25 000 Franken kaum aufbringen. Wie wichtig es aber ist, dass Sm’Aesch europäisch mitspielen kann, zeigte die letzte Saison, in der man freiwillig auf eine Teilnahme verzichtete und die grosse Bühne schmerzlich vermisste.

Der entscheidende Unterschied

Dass dieses Jahr eine Teilnahme möglich ist, liegt an einer Regel-Lockerung des internationalen Verbandes. Dank derer dürfen auch Teams mitmachen, deren Hallen nur acht Meter hoch sind. Letztes Jahr war ein Meter mehr nötig. Hätte Sm’Aesch gar einen Umzug in eine Halle mit noch höheren Decken gewagt, hätte man Champions League spielen können. «Uns auswärts einzuquartieren kam aber nie infrage.

Wir wollten dort bleiben, wo wir immer spielen und wo unser Publikum es sich gewohnt ist.» Mit rund 600 Zuschauern rechnet der Präsident heute - «jeder Zusätzliche ist super für uns!» Und wer den Weg in Kauf nimmt, der könne sich auf ein spannendes Spiel freuen. Eines, das völlig offen sei. «Unser Trainer Andreas Vollmer sagt, die Tagesform werde entscheidend sein.» Der Gegner liege in Reichweite, «auch wenn sie sehr athletisch und im Durchschnitt zehn Zentimeter grösser sind als unsere Spielerinnen», fügte Schmid an.

Im Europacup gäbe es im Vergleich zur nationalen Liga, wo Sm’Aesch mit 13 Siegen in Serie an der Spitze der Tabelle steht, für seine Mannschaft einen entscheidenden Unterschied: «Wir müssen nicht gewinnen, aber wir dürfen gewinnen. Wir können alles riskieren, und dieses Wissen macht den Kopf frei.» Ziehen die Volleyballerinnen einen Tag wie im sensationell gewonnen Spitzenkampf gegen Voléro Zürich ein, dann könne auch der Tabellenführer Kroatiens besiegt werden.

Wie einst gegen Logrono

Ein Sieg zu Hause wäre ein erster grosser Schritt auf dem Weg des noch grösseren Ziels von Sm’Aesch. Bei der dritten Europacup-Teilnahme der Vereinshistorie (die ersten beiden datieren aus den Jahren 2010 und 2015) hegt man den Traum, ähnlich gut abzuschneiden wie vor zwei Jahren. Damals preschte Sm’Aesch bis in den Viertelfinal vor und wurde dort erst vom türkischen Vertreter Trabzon gestoppt.

Dass der Baselbieter Underdog aber überhaupt so weit gekommen war, grenzte an ein kleines Wunder. Denn dazu musste in der ersten Runde Logrono - der damalige spanische Meister - eliminiert werden. Mit zwei Siegen gelang dies. Die Überraschung war geschafft.

Ein Weiterkommen gegen Zagreb in der diesjährigen Kampagne ist machbarer, die nächste Hürde aber würde jener von vor zwei Jahren gleich kommen. In den Achtelfinals würde aller Voraussicht nach nämlich Azerrail Baku warten, und «die sind wirklich sehr stark», muss Schmid zugeben.

«Aber damals gegen Logrono hatte man uns auch wenig Kredit gegeben.» Zuerst aber muss mit einem Heimsieg der Grundstein für ein Weiterkommen gelegt werden. Der beste Trainer der Schweizer Liga in seinen Reihen und stundenlange Videoanalysen stimmen Schmid positiv. Oder wie er es sagt: «Die Vorfreude ist riesig.»

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