Wutausbruch in Genf

Der FC Basel verliert 0:1 gegen Servette: Trainer Sforza versteht die Welt nicht mehr und spricht von einem Skandal

Der FC Basel wartet auch nach dem zweiten Spieltag auf den ersten Sieg. In Genf verliert der FCB auch, weil der Schiedsrichter gleich drei wegweisende Situationen gegen Rotblau wertet: Das VAR-Nicht-Tor von Stocker, der Platzverweis von van der Werff und der Elfmeter, der zum einzigen Tor führt.

«Ich kann verlieren, wenn man fair verliert. Aber nicht so!». FCB-Trainer Ciriaco Sforza ist auch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff im Stade de Genève noch auf 180. Im Fernsehinterview hatte er das Geschehen zuvor als «Skandal» bezeichnet. Und auch gegenüber der Presse lässt er seinem Frust freien Lauf. Sforza erscheint später als üblich auf dem Podium, weil er zuvor auch in der Kabine noch intensiv mit Schiedsrichter Luca Piccolo diskutiert hatte. Ohne Erfolg, denn die Meinungen von Trainer und Unparteiischen könnten unterschiedlicher nicht sein: «Es ist mein Recht, mit dem Schiri zu diskutieren. Das kann ich so nicht stehen lassen. Entweder war er im falschen Spiel oder ich kenne die Regeln nicht», sagt Sforza. «Wir verlangen alle Respekt vor dem Schiedsrichter. Aber sie müssen auch Respekt vor uns haben.»

Es sind zwei Szenen, die Sforza und auch den Rest des Teams auf die Palme bringen. Die erste spielt sich zwischen der 21. und 25. Minute ab. Eigentlich hatte Piccolo das Tor von Valentin Stocker zum 1:0 gegeben, doch es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er wieder anpfeift. Der VAR hat sich eingeschaltet. Er bittet Piccolo, sich die Szene vor dem Assist von Edon Zhegrova noch einmal selber anzuschauen. Piccolo folgt dem Hinweis und erkennt ein Foul. Das Tor zählt nicht.

Die zweite Szene dauert weniger lang und spielt sich in der 76. Minute ab. Miroslav Stevanovic köpft den Ball aus kurzer Distanz an den Oberarm des 17-jährigen FCB-Debütanten Albian Hajdari. Piccolo entscheidet schnell: Elfmeter. Der VAR interveniert nicht. «Wo soll er mit der Hand hin? Wo?», fragt Sforza und gibt anschliessend einen Teil des Kabinendisputs mit Piccolo preis. «Er sagt mir, Albian hätte den Ball mit der linken Hand abgewehrt. Doch die kommt gar nicht ins Spiel. Warum greift der VAR nicht ein? Das kann ich nicht akzeptieren., Wenn das Elfer ist, müssen wir überall Elfer geben», sagt Sforza. Fabian Frei erklärt die Problematik aus Spielersicht: «Es ist einfach komisch, wenn bei einem Tor fünf Minuten gebraucht wird und beim fragwürdigen Elfer nach fünf Sekunden bereits alles gecheckt sein soll».

Der Ärger von Sforza, Frei und Co ist verständlich. Vor allem die Elfmeterentscheidung ist knifflig. Aber genau das ist der Grund, warum der VAR hier nicht eingreift. Er soll in der Schweiz nur klare Fehler korrigieren. Das übersehene Foul von Zhegrova vor Stockers Tor war aus Sicht von VAR Sascha Kever so ein Fehler. Der Elfmeterpfiff nicht. Obwohl die Bewegung von Hajdari natürlich ist und der Ball aus kürzester Distanz an den Oberarm geht, korrigiert er den vermeintlichen Fehler Piccolos nicht.
Servette-Coach Alain Geiger, Sforzas Captain aus gemeinsamen Nati-Zeiten in den 90ern, stellt den Schiedsrichtern ein gutes Zeugnis aus. «Der VAR hat seinen Job gemacht. Darüber bin ich froh», sagt er zur ersten Szene. Und zur zweiten: «Der Schiedsrichter hat sich beim Elfmeter schnell entschieden und von Anfang an eine Linie gehabt und viele Fouls gepfiffen.»

Die diskussionslose rote Karte ist spielentscheidend

An einer Entscheidung hat Sforza nichts zu meckern. «Die rote Karte ist ok», sagt er zur Notbremse von Jasper van der Werff. Weil die schon in der 30. Minute passiert, agiert der FCB lange in Unterzahl. Einen Schuss aufs gegnerische Tor gibt der FCB anschliessend nicht mehr ab. Er versucht mit allen Mitteln, immerhin den einen Punkt aus Genf zu entführen. Der gut organisierte Defensivwall um Patron Omar Alderete, Libero Fabian Frei und Debütant Hajdari hält dem Servette-Druck lange stand. Bis Piccolo auf den Punkt zeigt und Alex Schalk den zuvor stark parierenden Djordje Nikolic aus elf Metern bezwingt. Die Partie ist entschieden. Basel kommt nicht mehr zu einer Ausgleichschance. Servette hat keine Mühe, den Vorsprung zu verteidigen. Und Sforza projiziert seine Wut über den verpatzen Saisonstart mit nur einem Punkt aus zwei Spielen auf das «inakzeptable» Schiedsrichtergespann.

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