Swiss Indoors

Der etwas andere Australier: Wie Alex de Minaur trotz Geldsorgen Tennisprofi wurde

Alex de Minaur hatte in diesem Jahr bereits einigen Grund zum Jubeln.

Alex de Minaur hatte in diesem Jahr bereits einigen Grund zum Jubeln.

Alex de Minaur ist der jüngste Viertelfinalist an den diesjährigen Swiss Indoors. Wegen der Finanzkrise war seine Karriere beinahe vorbei, bevor sie begann. Nur dank einem grosszügigen Trainer und viel Fleiss bekam er noch die Kurve.

Sorgt ein Tennisspieler auf der Tour für einen Skandal, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Übeltäter aus Australien kommt. Nick Kyrgios, kontrovers wie aufsehenerregend, beleidigt Schiedsrichter nach Lust und Laune und ist zurzeit wegen schlechten Verhaltens auf Bewährung. Bernard Tomic, das tief gefallene Supertalent, musste im Sommer sein Preisgeld in Wimbledon abgeben, weil er sich in seinem Erstrundenspiel zu wenig anstrengte.

Bei all den Negativschlagzeilen um die hoffnungsvollen, aber mental unausgereiften Tennisspieler aus Down Under geht beinahe vergessen, dass einer diesem rüpelhaften Charakter so gar nicht gerecht wird: Alex de Minaur, 20-jährig und die Nummer 28 der Welt.

Weil Kyrgios und Tomic mit sich selbst beschäftigt sind, hat er sich zur grössten Hoffnung Australiens gemausert. De Minaur ist bereits der Beste seines Landes, nicht nur mental, sondern auch im Ranking. Skandale gibt es bei ihm keine, im Gegenteil: Ehrgeiz und ein grosses Kämpferherz zeichnen den schmächtigen Australier aus. «Letzten Endes möchte ich der langweilige Typ sein, der sein Tennis sprechen lässt», sagt de Minaur über sich selbst.

Auch in Basel fliegt er beinahe unter dem Radar in den Viertelfinal. Nach der Federer-Show, als viele Zuschauer schon auf dem Heimweg sind, spielt sich de Minaur auf dem Center Court – still und heimlich – ebenfalls in die Runde der letzten Acht. Dort trifft er heute auf den deutschen Jan-Lennard Struff. Der Australier ist Favorit. «Es ist eine Freude, in Basel zu spielen, das Turnier ist sehr gemütlich», sagt de Minaur, der dank einer Wildcard erstmals an den Swiss Indoors teilnimmt.

Ausgerechnet in Sydney feierte Alex de Minaur seinen ersten Turniersieg.

Ausgerechnet in Sydney feierte Alex de Minaur seinen ersten Turniersieg.

Alex de Minaurs Weg führte in den vergangenen Jahren stetig nach oben. In diesem Jahr feierte er seine ersten drei Turniersiege. Trotzdem wachsen auch für den 20-Jährigen die Bäume nicht in den Himmel. «Es gab Phasen in diesem Jahr, in denen ich wegen Verletzungen mental nicht selbstsicher war», sagt er. Auch deswegen nimmt er die Hilfe eines Psychologen in Anspruch.

Sein Coach trainierte ihn früher ohne Entschädigung

So unspektakulär wie er sich heute gibt, ging es in de Minaurs Leben nicht immer zu und her. Geboren in Sydney als Sohn einer nach Australien ausgewanderten Spanierin und eines Uruguayers, der ein italienisches Restaurant führte, zog er mit seinen Eltern im Alter von sechs Jahren nach Alicante. Am spanischen Mittelmeer reifte früh sein Wunsch, Tennisprofi zu werden. «Ich liebte es, auf dem Tennisplatz zu sein und beinahe wie in einem Schachspiel gegen Gegner zu spielen», sagte er einst der Zeitung «The Australian».

Mit elf Jahren erfuhr de Minaurs Tenniskarriere die ersten gröberen Widerstände. Die Finanzkrise traf Spanien und somit auch seine Familie, die nicht mit Reichtum gesegnet war. Sein damaliger wie heutiger Trainer, Adolfo Gutierrez, half aus und bot die Tennisstunden gratis an. Trotzdem konnten es sich die de Minaurs nicht leisten, Turnierreisen für ihren Sohn zu finanzieren.

Auch ein fliegender Spagat ist für den beweglichen de Minaur machbar.

Auch ein fliegender Spagat ist für den beweglichen de Minaur machbar.

Zu seinem grossem Glück entschied sich damals die australische Tennisföderation, das Talent zu unterstützen. Dafür musste de Minaur wieder zurück in sein Geburtsland. «Ich wollte immer die besten Aspekte der beiden Länder herauspicken, um aus mir einen Tennisspieler zu formen», sagte de Minaur. Seit vier Jahren lebt und trainiert er wieder in Spanien.

Unter all diesen Ortswechseln litten sein Tennis und seine Einstellung nicht. Ein Rüpel wird er nie sein. Nur auf den ersten Blick lässt sein Spitzname - der Teufel - etwas anderes vermuten. Doch auf den zweiten Blick wird klar: Diesen Spitznamen haben sich ironischerweise Kyrgios und Tomic, die beiden Teufel schlechthin, während eines Zusammentreffens im Davis Cup ausgedacht.

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