Badminton NLA
Der Baselbieter Badminton-König: «Ich möchte möglichst bald die Schweizer Nummer 1 werden»

Joel König ist amtierender Team-Schweizer Meister im Badminton. Der gebürtige Baselbieter entschied sich mit 18 Jahren, den Sport zu seinem Beruf zu machen.

Alessia Bassi
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Joel König will möglichst bald die Nummer 1 im Schweizer Badminton werden.

Joel König will möglichst bald die Nummer 1 im Schweizer Badminton werden.

SEVERIN BIGLER

Um sein Spiel zu verbessern, reiste Joel König bereits zwei Mal zu den Meistern des Badmintons nach Malaysia (2016 und 2017). In Asien geniesst sein Sport einen sehr hohen Stellenwert und viele Europäer reisen dorthin, um zu trainieren.

«Es herrscht eine ganz andere Mentalität als bei uns. Wenn du dort Sport machst, dann zu 200 Prozent», sagt der 22-Jährige. Schon Neunjährige trainieren gleich viele Stunden wie Profisportler, und auch die Trainer-Sportler-Hierarchie ist ganz anders als in der Schweiz.

Das Team Argovia ist Schweizer Meister und Joel König (dritter von rechts) feiert mit.

Das Team Argovia ist Schweizer Meister und Joel König (dritter von rechts) feiert mit.

Olaf Stern

«In Malaysia kommt es einem Athleten nie in den Sinn, mit dem Trainer über ein Thema zu diskutieren. Es wird einfach gehorcht und nicht über Hintergründe gesprochen oder Situationen analysiert», sagt König.

Als bemerkenswert empfindet er Hingabe und Einsatz, mit denen der Badminton-Sport in Malaysia betrieben wird. «Diese weiträumige Unterstützung würde ich mir auch in der Schweiz wünschen. Oft muss ich mich rechtfertigen, dass Badminton mein Beruf ist und ich nebenbei nicht noch einen anderen Job habe», sagt der Baselbieter.

Entscheid zum Spitzensport erst mit 18 Jahren

Dies könnte mitunter auch ein Grund dafür gewesen sein, dass sich König erst nach langfristiger akribischer Planungsarbeit für den Spitzensport entschieden hat. Der heute 22-Jährige war zwar schon früh Mitglied des U13-Nationalkaders.

Doch der definitive Entscheid, Spitzensport zu betreiben, fiel erst im Herbst 2013, als er 18 Jahre alt war. «Ich hatte noch etwa eineinhalb Jahre bis zum Ende meiner Matura und musste mich entscheiden, wie es für mich mit dem Sport weitergehen soll», sagt er.

Eigen-Management als Nebenjob

König wuchs mit seinen beiden älteren Geschwistern auf einem Bauernhof im Baselbiet auf. Oft spielten die drei draussen zusammen mit den Nachbarskindern. Sie bauten Hütten im Wald, spielten Fangen oder tobten sich sonst irgendwie aus. Königs Eltern waren es, welche die Kinder schliesslich animierten, sich in einem Sportverein anzumelden.

Die drei Geschwister absolvierten verschiedene Probetrainings. So versuchte sich Klein-Joel in den Sportarten Tischtennis, Handball, Volleyball und Badminton. Vor allem Letzteres hatte es dem damals 9-jährigen Jungen angetan. Und so begann 2004 eine Karriere, die so niemand erwartet hatte.

Joel König, Badminton-Spieler Joel König, Badminton-Spieler, portraitiert im Sportcenter Thalmatt in Herrenschwanden bei Bern am 23. November 2017.

Joel König, Badminton-Spieler Joel König, Badminton-Spieler, portraitiert im Sportcenter Thalmatt in Herrenschwanden bei Bern am 23. November 2017.

SEVERIN BIGLER

13 Jahre sind seither vergangen und heute ist Joel Königs von Beruf Badminton-Spieler. Rund 30 Stunden verteilt auf sechs Tage trainiert er in der Woche. Dazu gehören neben dem üblichen Spiel- und Techniktraining auch Kraft-, Ausdauer- und Mentaltraining. Nebenbei managt er seine Karriere selbst und besucht die Fern-Uni, wo er BWL studiert. «Das ist ein Ausgleich für mich, obwohl ich für die Schule im Moment nicht so viel Zeit habe», gibt er zu.

Opfer bringen für den Spitzensport

Für seinen Sport musste König aber auch zahlreiche Opfer bringen. Nach seinem Maturaabschluss 2014 wohnte er für zwei Monate in einem Wohnwagen vor dem Trainingscenter – um Kosten zu sparen. Danach ging es für fünf Monate in die Spitzensport-RS in Magglingen.

Heute lebt er von Montag bis Freitag bei einer Gastfamilie in der Nähe seines Trainingszentrums in Bern, wo er ein eigenes Zimmer hat und selbst für den Haushalt zuständig ist. «Selbstständigkeit habe ich schon früh in der Familie gelernt», sagt König. Neben den vielen Trainingseinheiten und dem Managen seiner Karriere bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbys.

Wenn sich dann in seinem vollen Terminkalender aber eine Lücke auftut, geht König gerne mit Kollegen aus. Zwischendurch spielt er gerne Schach oder er widmet sich Hörbüchern, vornehmlich Wirtschaftskrimis. «Mit den wichtigsten Freunden habe ich regelmässig Kontakt, und ich schätze das sehr. Doch manchmal geniesse ich es auch, mal meine Ruhe zu haben», sagt König.

   

  

SEVERIN BIGLER

Suche nach Perfektion

Vieles nimmt Joel König für seinen Traum in Kauf. Er ist fasziniert von der Schnelligkeit und Komplexität des Spiels. «Man kann sich beim Badminton immer verbessern, denn ein perfektes Spiel gibt es nicht», sagt er. Eigentlich etwas, das den Perfektionisten, wie er sich selbst beschreibt, stören sollte. Doch dem ist nicht so. «Ich bin nie zufrieden mit einer 80-Prozent-Lösung. Das spornt mich im Sport zu immer besseren Leistung an», sagt das Talent aus dem Baselbiet.

Das Saisonziel von Joel König ist klar: Er möchte möglichst schnell die Nummer 1 im Schweizer Badminton werden. Die Olympischen Spiele und das Erreichen der Top 10 von Europa sind zwar momentan noch weit weg, doch auch diese Ziele hat der ehrgeizige Sportler bereits ins Auge gefasst.

«Dabei neu auch vom Baselbieter Olympiateam unterstützt zu werden, ist für mich sehr wertvoll und dafür bin ich dankbar.» Einen Plan B neben dem Badminton hat der Baselbieter nicht. «Damit befasse ich mich, wenn meine Karriere zu Ende ist», sagt er. Sein Traumberuf wäre dann aber in einem Berufsfeld, in dem er etwas Nachhaltiges bewirken kann.