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Den Tritt gefunden: Wie Silvan Widmer die Entwicklung des FC Basel versinnbildlicht

Bereits drei Skorerpunkte in sechs Liga-Spielen sind mitunter ein Beweis für die starke Form des Silvan Widmer.

Bereits drei Skorerpunkte in sechs Liga-Spielen sind mitunter ein Beweis für die starke Form des Silvan Widmer.

Silvan Widmers Entwicklung seit der 1:7-Demontage vom vergangenen Jahr gegen YB steht sinnbildlich für den ganzen FC Basel.

Es ist der 23. September 2018, als sich eine Szene im Bauch des Stade Suisse abspielt. Die Tür zwischen der Mixed Zone und der Gästekabine des FC Basel ist verschlossen. Es ist wenige Minuten nach der historischen 1:7-Demontage des FCB gegen YB. Eine Niederlage für die Ewigkeit. Widmer wagt sich doch hinter der Tür vor, muss zum Auslaufen. Direkt vom Platz stellt er sich vor die Mikrofone. Widerwillig, niedergeschmettert, ratlos. Seine Antworten sind ehrlich. Er könne es nicht in Worte fassen. Es sei eine Klatsche direkt ins Gesicht. Er sei am Boden zerstört. Der FCB, analysiert Widmer richtig, sei einem Spitzenspiel nicht würdig gewesen.

364 Tage später steht Silvan Widmer an der genau gleichen Stelle. Erneut kommt er direkt vom Feld, steht vor die Mikrofone. Aber dieses Mal ist die Gemütslage ein andere. Der FC Basel hat als Tabellenführer in Bern ein 1:1 geholt und bleibt Leader. Widmer wirkt zufrieden, aufgeräumt, auskunftfreudig. Die beiden komplett konträren Momentaufnahmen sind sinnbildlich. Sowohl für Widmer als auch für die ganze Mannschaft hat sich in diesem Jahr alles gedreht. Seine Entwicklung ist exemplarisch für die Fortschritte des Kollektivs.

Dem Team geholfen, sich selbst verloren

Der Treffer des Rechtsverteidigers zum 1:0 ist so etwas wie der momentane Höhepunkt eines Steigerungslaufs, der über ein Jahr angedauert hat. Als Widmer im Sommer 2018 zum FCB gekommen war, war er Nationalspieler, Königstransfer, Hoffnungsträger. Dass er diese immensen Erwartungen nicht bestätigen kann, wurde schnell klar. Widmer fehlte die Vorbereitung, er rannte seiner Form hinterher wie der FCB seinem Selbstvertrauen. Statt sich auf sich und seine Leistungen zu fokussieren, versuchte Widmer, einer sich auf der Suche befindenden Mannschaft zu helfen. Monate später wird er mal zugeben, dass dies ein Fehler war. Beim Versuch, den anderen zu helfen, verliert er sich selber aus den Augen.

Widmer über das 1:1-Unentschieden in Bern

Widmer nach YB

   

Mit der Dauer der Saison fängt sich Widmer. Nach der Wintervorbereitung wird er in der Rückrunde stärker, stabiler. Erneut exemplarisch für die restliche Mannschaft. Man scheint fast zuschauen zu können, wie die Leistung prozentual nach oben geht. «Wir sind seit fast einem Jahr die gleiche Mannschaft, mit wenigen, punktuellen Verstärkungen», so Widmer zu den Gründen. Die Kontinuität zahlt sich in greifenden Automatismen und einem «Selbstverständnis unter den Spielern» aus. «Ich muss schon, bevor ich den Ball bekomme, wissen, wo mein Mitspieler steht. Das kommt jetzt langsam. Man lernt sich immer besser kennen.» Und die Schweiz, sie lernt den richtigen Silvan Widmer immer besser kennen.

Die Luft nach oben

Spätestens seit dieser Saison zeigt Widmer, woher die vielen positiven Prädikate für ihn kamen. So gut wie jetzt war er seit seinem Wechsel nie. Seine Steigerung führt er mehrheitlich auf seine körperliche Verfassung zurück. «Die ist eine völlig andere als vergangenes Jahr. Ich habe den Tritt gefunden.» Wie so oft passt dieses Bild auch zum ganzen Team. So sagt Widmer auch, dass trotz Steigerung, trotz dem Punkt, mit dem man gut leben könne, noch viel Luft nach oben sei.

Widmer über Verbesserungsmöglichkeiten des FCB

Widmer nach YB II

   

Das spielerische Element genau so wie das Bewusstsein, dass man eine technisch gute Mannschaft sei, müsse gesteigert werden. Phasenweise glückt dies bereits gestern gegen YB, aber eben nicht immer. «Wir sind da ab und an zu hektisch. Das betrifft mich persönlich, aber auch die ganze Mannschaft.» Alle müssten ein paar Prozent zulegen, fordert Widmer. «Sei es vom Charakter her oder einfach vom Spielerischen.»

Widmer nimmt sich selber immer wieder in die Pflicht. Er müsse vorangehen, beim Dirigieren der Abwehr oder beim Lancieren der Offensivaktionen. An diesen Punkten müsse man ansetzen. Denn: «Es steckt noch viel mehr in mir drin», sagt er fast drohend in Richtung Gegner. Holt er das aus sich heraus, und gelingt dies auch dem Rest, dann ist tatsächlich vieles möglich. Oder wie Widmer es sagt: «Dann werden wir YB im nächsten oder übernächsten Duell schlagen.»

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