Curling
Bruno Schallberger ist der Strippenzieher bei der Curling-WM in Basel

Bruno Schallberger plant, organisiert und stimmt alles aufeinander ab, und das von frühmorgens, bis spätabends. Schallberger ist der Kopf hinter der Curling-WM in Basel.

Jonas Burch
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Der Herr im Haus: OK-Chef Bruno Schallberger ist bereit für den Grossaufmarsch.

Der Herr im Haus: OK-Chef Bruno Schallberger ist bereit für den Grossaufmarsch.

Jonas Burch

Seit 5.30 Uhr ist Bruno Schallberger auf den Beinen. Später als gewohnt. «Deswegen fühle ich mich auch so ausgeschlafen», schmunzelt der OK-Präsident der Curling-WM. Schallberger ist der Kopf des Grossanlasses. Er plant, organisiert und stimmt alles aufeinander ab.

Von frühmorgens, bis spätabends. «Es ist eine richtige Genugtuung, zu sehen, wie die harte Arbeit langsam Früchte trägt», sagt der Basler mit Blick auf die frisch aufgebauten Eisbahnen in der St. Jakobshalle. Stress kennt der 71-Jährige nicht.

Über 30 Curling-Anlässe hat Schallberger in den letzten acht Jahren initiiert. Das bisherige Highlight war die EM in Basel 2006. Mit der WM setzt er noch eine Schippe drauf. Jedenfalls vom Renommee her. «Bei der EM mussten wir 55 Nationen betreuen, an der WM sind die Teilnehmerländer auf 12 beschränkt.»

Spieler, Teamchef, Organisator

Der Eissport hat den OK-Chef seit Kindesbeinen geprägt. Jahrelang machte er als Hockey-Goalie bei Basel und Luzern die Schotten dicht. Und das in der höchsten Spielklasse. Im Alter von 34 Jahren wechselte Schallberger zum Curling. Dort ist er bisher heute geblieben. Nicht ohne Grund.

Basel: Der Weg zum Curling-Mekka

Die ersten Curling-Klubs in der Region wurden vor gut 50 Jahren gegründet. Gespielt wurde auf den drei Rinks (Eisbahnen) beim Allschwiler Weiher und der 1-Rink-Anlage bei der KEB Margarethen. Anfang der 70er-Jahre löste die Arlesheimer 5-Rink-Halle einen regelrechten Junioren-Boom aus. Mit positiven Folgen: 1979 waren es die ehemaligen Juniorinnen Gaby Casanova, Rosy Manger, Linda Thommen und Betty Bourquin, die in Perth den WM-Titel holten. 1990 folgte mit dem Junioren-WM-Titel von Stefan Traub, Roland Müggler, Markus Widmer und Andreas Oestreich der nächste internationale Erfolg. Auf nationaler Ebene konnten die Basel Ysfäger (2003) und Basel Regio (2007) den Schweizer-Meister-Titel ans Rheinknie holen. Die EM 2006 machte Basel erstmals auch als Austragungsort bekannt. Mit aktuell rund 1000 Curlern gehört die Region zu den grössten Zentren der Schweiz.(JBU)

«Beim Curling ist Charakter gefragt. Jeder Curler hat immer einen guten Teamgeist, sonst wäre er hier falsch.» Seinen persönlichen Höhepunkt erlebte der Unternehmer als Teamchef der Olympia-Gold-Curler von Nagano 1998. «Wegen des ganzen Medienrummels bin ich dort zwei Wochen lang zu gut zwei Stunden Schlaf täglich gekommen», erinnert er sich.

Seit 2004 ist er vor allem als Organisator aktiv. Eine Rolle, bei der sich Schallberger nicht nur Freunde schafft. Besonders das Image des Alleinunterhalters haftet ihm schon länger an, da er meist auf grosse OK-Gruppen verzichtet und die Zügel selbst in die Hand nimmt. Auch an der WM läuft alles über ihn und einen weiteren Kollegen. «Wo zu viele Leute sind, passieren Fehler», sagt er.

Simple Philosophie

Schallberger geht es weder um Geld noch um Selbstprofilierung. Seine Philosophie ist simpel, ja bescheiden: «Der Sport hat mir so viel gegeben, nun gebe ich ihm etwas zurück.»

Zukunftspläne gibts noch einige. Auf die EM von 2006 folgt nun die WM 2012. Wie geht es weiter? Selbst über die Organisation von Olympischen Curling-Spielen denkt er laut nach. Energie hat er sowieso zur Genüge. Aber Schallberger weiss genau, was er bei solchen Gedanken immer zu hören bekommt. Diesen einen Satz, der ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: «Jetzt dreht er wieder durch.»