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Benjamin Huggel: «Das Resultat lügt nie»

Trotz eklatanter Überlegenheit verlor der FC Black Stars gegen den FC Münsingen mit 2:3 (1:0). Cheftrainer und Ex-Internationaler Benjamin Huggel weiss, dass noch viel Arbeit vor ihm und seiner Mannschaft liegt.

Georges Küng
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Münsingens Luca Lavorta trifft zum 1:3 gegen Black Stars Christoph Stenz.

Münsingens Luca Lavorta trifft zum 1:3 gegen Black Stars Christoph Stenz.

Roman Aeschbach

Benjamin Huggel (38), seit dieser Saison Cheftrainer des FC Black Stars, meinte nach Abpfiff emotionslos, stoisch und trocken: «Das Resultat lügt nie.» Der Mann, der für den FC Basel 295 Partien auf höchstem Niveau absolvierte, wusste, dass das finale Skore niemals das Geschehen auf dem Kunstrasen widerspiegelte. Aber der 41-fache Ex-Internationale wusste ebenso, dass Hadern und Lamentieren «die drei Punkte auch nicht zurückbringen».

Der Erstligist, in seinem Wesen weiterhin ein familiärer – wenn auch internationaler – Quartierverein, macht überhaupt keinen Hehl daraus, dass «das Erreichen der Aufstiegsbarrage unser Saisonziel ist», erklärt Peter Faé, der offiziell «nur» als Mitglied der Geschäftsleitung zeichnet, in Tat und Wahrheit jedoch als «Mister Black Stars» bezeichnet werden muss.

Und Garant ist, dass bei den «Schwarz-Sternen» Akteure spielen, die allesamt einen renommierten Namen haben und einst am Profifussball «kratzten». «In dieser Saison gehen alle Spieler einer Arbeit nach oder bilden sich, ob an Fachhochschulen oder Universitäten, weiter», stellt Faé unmissverständlich klar. Vorbei die Zeiten, wo man tagsüber «chillte» und beim 1907 gegründeten Traditionsklub spielte. Und die Erwartungen nicht erfüllte.

Pass à la Xavi

Nach einer ausgeglichenen Startviertelstunde begann der Gastgeber seine feinere Spielkultur und die natürlich-höhere Substanz auszuspielen. Das Führungstor war die logische Folge davon – der Pass von Captain Reto Friedli in die Tiefe zu Mickaël Rodriguez (35) hätte auch ein Xavi in seinen einst besten FC-Barcelona-Zeiten nicht besser spielen können.

Und Rodriguez, dessen früherer Transferwert mit 350 000 Franken angegeben wurde und bei der SR Delémont und dem (alten) Neuchâtel Xamax in der Super und Challenge League gespielt hatte, zog alleine auf Gästehüter Patrick Karrer. Mit einem ahnsehnlichen Dribbling liess er diesen stehen, doch der zurücklaufende Nick Rothen konnte im Fallen abwehren.

Die Frage war nur, ob er dies mit der Brust tat oder der Ball auch an die Hand ging. Der Ref entschied sich für Eckball; es hätte auch ein Platzverweis und einen zweiten Elfmeter für die Basler sein können. Vorgängig hatte Black Stars schon einen Penalty erhalten – doch Seyfettin Kalayci bestätigte die These, dass der Gefoulte nicht selber schiessen sollte ...

Wie die Jungfrau zum Kind

Bis zur 70. Minute steuerte der Favorit auf einen ungefährdeten, aufgrund der Spielanteile und Tormöglichkeiten verdienten Erfolg zu. Doch mit dem Ausgleichstreffer – durch Patric Gasser «aus dem Nichts» erzielt – nahm der Vergleich eine unerwartete Kehrtwende. Luca Lavorata, bis anhin unscheinbar und ohne Wirkung, entlief zweimal der aufgerückten Black-Stars-Abwehr.

Und im Gegensatz zu Kalayci bewies der 26-Jährige, wirblige Angreifer, dass der Gefoulte durchaus in der Lage ist, aus elf Metern einzuschiessen. Den Schlusspunkt setzte zwar Marc Dinkel – sein Anschlusstor war aber nur noch Makulatur, denn mit dem Wiederanstoss erfolgte umgehend der Schlusspfiff. Erstmals sah man auch den Ex-U17-Weltmeister Kofi Nimeley (22) im schwarz-weissen Dress. Er lieferte eine ordentliche Partie ab und meinte nach Abpfiff: «Wir haben dumm verloren.» Nun, intelligente Niederlagen sind im Sport sehr selten ...

Ein Punkt aus drei Spielen. Das ist wenig. Das ist für die Ambitionen und das Selbstverständnis des FC Black Stars definitiv viel zu wenig. «Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber im Abschluss konsequenter und in der Defensive weniger fehleranfällig sein. Wir sind uns bewusst, dass wir noch überhaupt nicht in der Spur sind, aber ...», so Huggel. Der Münchensteiner war nie ein Mann der vorlauten Worte, sondern der starken Taten. Und darum sind ihm polarisierende Gegensätze wie Euphorie oder Ernüchterung fremd.

Black Stars - Münsingen 2:3 (1:0)

Sportplatz Buschweilerhof. – 170 Zuschauer. – SR: Ricci. – Tore: 39. Rodriguez 1:0. 74. Gasser 1:1. 85. Lavorato (Foulelfmeter) 1:2. 87. Lavorato 1:3. 93. Dinkel 2:3.

Black Stars: Oberle; Dinkel, Farinha (89. Petrovic), Micic, Infantino (80. Stenz); Nimeley, Weber; Hengel (68. Acar), Kalayci, Friedli; Rodriguez.

Münsingen: Karrer; Rothen, Suter, Kurmann, Funaro (66. Preradovic); Selmani (61. Antonius Dreier), Mumenthaler; Christen, Plüss (46. Salihi), Lavorato; Gasser.

Bemerkungen: Black Stars ohne Cardoso, Fazio, Muslija (alle verletzt), Troller (Hochzeitsreise) sowie Kurt und Ngan (beide 2. Mannschaft). – 20. Karrer hält Foulelfmeter von Kalayci.

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